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05 Dezember 2006

Philosophie des Geistes, 1835

John Abercrombie (1780-1844) war ein "schottischer Arzt und Philosoph": sagt die deutsche Wikipedia, ein tiefergehender Eintrag fehlt bislang. In der englischen -- man ersetze einfach das "de" in der Browserzeile durch "en" -- erfährt man ein bisschen mehr, wenn auch nicht sehr schmeichelhaftes, über die philosophische Tätigkeit:
He also found time for philosophical speculations, and in 1830 he published his Inquiries concerning the Intellectual Powers of Man and the Investigation of Truth, which was followed in 1833 by a sequel, The Philosophy of the Moral Feelings. Both works showed little originality of thought; they achieved wide popularity at the time of their publication, but have long been superseded.

Das erstgenannte, die Inquiries, liegt mir gerade vor, in der 5. Auflage von 1835: wirklich ein Bestseller. Auf dem Titelblatt wird Abercrombie nicht nur "M.D. F.R.S.E." genannt --was ist das bloß? --, sondern auch "fellow of the Royal College of physicians of Edinburgh, &c. and first physician to his majesty in Scotland": ein erfolgreicher Arzt. Die Inquiries finde ich deswegen bemerkenswert, weil das Inhaltsverzeichnis bestätigt, was der Verfasser im Vorwort verspricht: das hier die philosophische Untersuchung des Geistes zielt auf "useful purpose" und "application". Während also die erkenntnistheoretischen und sonstigen philosophischen Theorien im Rahmen des vom Empirismus gewöhnten sein dürften und mit vielleicht "little originality" vorgetragen werden, scheint mir die Ausweitung auf Abercrombies Erfahrung als Mediziner und die Kombination mit damals bekannten medizinischen Theorien und Fakten über Bewusstsein, spektralen Illusionen, Delirium, Erinnerung, Traum, Schlafwandelei, und geistiger Behinderung alles andere als unoriginell. Außerdem ergänzt Abercrombie seine Reflexionen zu Ursache und Wirkung für seine Mitmediziner um Regeln zur Forschung!
Alles in allem taugt das Buch, denke ich, durch seine (originelle) Kombination von Spekulation und Empirie sehr gut als Überblick über den Kenntnisstand zum Thema 'Bewusstsein' in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

04 Dezember 2006

"Ich habe französische Literatur des 19. Jahrhunderts studiert"

Wer ist noch mal Édouard Cournault? Wikipedia kennt ihn nicht, Brockhaus auch nicht. Aber Google weist auf ein feines Webangebot: Philo 19 ist eine Webseite, die Informationen über französische Philosophen des 19. Jahrhunderts bereitstellt. Da kann man dann immerhin erfahren, dass Cournault 1819-1895 gelebt hat und ein Buch zur "experimentellen Psychologie" schrieb. In den bibliographischen Angaben finden sich sogar noch drei weitere Publikationen. -- Philo 19 ist Teil des größeren Angebotes textesrares.com, das auch ein paar philosophische Rara enthält: auf französisch.

09 Oktober 2006

Wie Kant in Spanien gelesen wurde

verrät Kant en España: el neokantismo en el siglo XIX, hg. von José Luis Villacañas Berlanga. - Madrid : Verbum, 2006. Der Band enthält neben einer einleitenden, knapp 140 Seiten umfassenden Studie und einer kurzen Bibliographie vor allem Quellentexte, von Manuel de la Revilla, José del Perojo und Kuno Fischer.

06 September 2005

Grundzüge des Jenaer Skepticismus

Als Jena noch eine Haupststadt der deutschen Philosophie war, das waren noch Zeiten! Weil ich nicht allzuviel darüber weiß -- natürlich kennt man die großen Namen des Hegel, Fichte, Schiller und die Jenaer Romantiker --, bin ich sehr angetan von der mit zahlreichen weiteren Dokumenten und Erklärungen versehenen Wiederveröffentlichung der kleinen Schrift Grundzüge des neuesten Skepticismus (1802) von Johann Friedrich Ernst Kirsten. Das Bändchen, eine Frucht des SFB Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800, erfreut mit seiner ausführlichen historischen Einführung und dem gründlichen Kommentar. Man erfährt etwas über den historischen Ort des von Kirsten nach Schulze -- wer war das bloß? -- vertretenen Skeptizismus und seinen Beitrag zum Skeptizismus-Streit 1800-1806. Herausgegeben von Brady Bowman und Klaus Vieweg, München: Fink 2005.