Heute habe ich hier bei Ludmila Carone eine interessante Diskussion über Fahrradhelme gelesen. Carone bringt ein paar Studien bei darüber, ob es sicherer ist, einen Fahrradhelm zu tragen, als nicht. Alle Studien bis auf eine bejahen das, und an der einen, die meint, es sei nicht sicherer, erheben sich starke methodische Zweifel. Interessanterweise gibt es aber in den Kommentaren den einen oder anderen Vertreter eines Fahrens ohne Helm, und diese versuchen mit allerhand argumentatorischen Winkelzügen der eigentlich überzeugenden Argumentation zu entkommen. Dabei kann man, auch wenn man Zweifel an den Studien hätte, trotzdem nur zu dem Ergebnis kommen, dass man einen Helm tragen sollte. Denn wenn eine Studie sagt: Trag einen Helm, das ist sicherer, und die andere sagt: du brauchst keinen Helm zu tragen, das ist genauso sicher, und man außerdem keine Ahnung hat, wer recht hat, sollte man die Lösung wählen, die einen nicht schlechter stellt, egal welche Meinung recht hat, aber besser, wenn eine bestimmte von beiden richtig ist.
Diese Überlegung ging mir zum ersten Mal auf anhand des sogenannten Ziegenproblems oder Monty Hall-Problems, dem ich in den 90ern zuerst begegnet bin. Bekanntermaßen geht das so: Man ist Teilnehmer einer Quizshow. Am Ende werden die Preise vergeben. Der Moderator führt einen vor 3 geschlossene Türen und gibt folgende Informationen: "Hinter einer der drei Türen ist ein Preis, hinter den anderen beiden stehen Ziegen. Suchen sie sich eine Tür aus!"
Man sucht sich eine aus. Dann öffnet der Moderator eine der beiden anderen Türen und zeigt einem die Ziege dahinter. Er sagt: "Jetzt, wo Sie gesehen haben, dass hier eine Ziege ist: möchten Sie vielleicht Ihre Wahl noch einmal überdenken und die Tür wechseln?"
Frage: Sollte man die andere Tür wählen? Mathematisch korrekte Antwort: Ja, man sollte; das erhöht die Wahrscheinlichkeit, den Preis zu erwischen, von 1/3 auf 2/3. Aber schon bei Vorstellung des Problems und der Lösung in einer amerikanischen Zeitungskolumne 1990 hagelte es Zuschriften auch von mathematischen Experten, die darauf beharrten, dass sich die Chancen nicht 'veränderten' und das daher die Wahrscheinlichkeit, den Gewinn zu bekommen beim Türwcheseln, bei 1/2 liegen müsse. Daher solle man nicht wechseln.
Klarerweise ist die Folgerung "daher solle man nicht wechseln" falsch: hätten die Recht, wäre es egal, ob man wechselt. Also haben wir einen Lösungsweg, der Wechseln empfiehlt, und einen, der sagt, dass es egal ist. Also kommen wir zu folgender Metastrategie: Wenn ich keine Ahnung habe, muss ich mich für das Wechseln entscheiden, weil ich dadurch meine Chancen nicht verschlechtern kann, möglicherweise aber verbessern.
Mit den Fahrradhelmen scheint es mir genauso zu sein.
Übrigens ist das keine Strategie für mich: ich halte Fahrradhelme ohnehin für sicherer. Es ist eine Argumentationsstrategie für bzw. gegen die Leute, die den Schritt von "ist egal" zu "also sollte ich bei meiner Praxis bleiben" machen.
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17 Juni 2008
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