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04 Dezember 2007

Schönberg und der Wiener Kreis

Hat die Schönbergsche atonale und dann Zwölftonästhetik was mit dem Neopositivismus des Wiener Kreises zu tun? Und mit dem frühen Wittgenstein?
James K. Wright hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, worin er Korrespondenzen nachgeht, etwa in der Idee der Universalsprache, dem Formalismus etc: Schoenberg, Wittgenstein and the Vienna Circle (2. Aufl. - Bern u.a. : Lang, 2007). Wright ist Musikwissenschaftler, so dass man davon ausgehen kann, dass im Schönberg-Teil keine falschen Analogien aufgemacht werden.

19 November 2007

Wittgensteins Haus

Dass Wittgenstein mal ein Haus entwarf für seine Schwester samt allen Details, das immer noch steht und in Wien besichtigt werden kann, ist ja bekannt; außerdem weist hin und wieder der Klinkenhersteller FSB darauf hin, dass man dort auch Wittgensteins Klinke im Programm hat. Aber wie hängt hier Architektur und Philosophie zusammen? Jaja, Wittgenstein mag Bau- und Konstruktionsmetaphern. Doch das ist ein bisschen wenig, meint Roger Paden in: Mysticism and Architecture : Wittgenstein and the meanings of the Palais Stonborough (Plymouth : Lexington, 2007), und unternimmt es, dem nachzugehen. Dabei widmet er besondere Aufmerksamkeit dem kulturellen Kontext des Wien des Fin de siècle, und versucht außerdem, das Haus als Ausdruck der Werkeinheit zu interpretieren, die auch Tractatus und PU umfasst. Ein Kapitel trägt den netten Titel "Wittgenstein's self refuting biography"; und als Beitrag zur philosophischen Biographie LWs will Paden das Buch auch verstanden wissen.

26 September 2007

Wittgensteins Kritik an Russell

Wer Wittgenstein für den größten Philosophen des letzten Jahrhunderts hält, dem muss der Titel von Gregory Landinis neuem Buch Wittgenstein's apprenticeship with Russell (Cambridge : Cambridge UP, 2007) ein bisschen schräg vorkommen. Hat nicht Wittgenstein mit seiner Kritik an der Typentheorie Russell tief in die Depression gestürzt (und das Verhältnis zwischen beiden auf den Kopf gestellt)? Landini meint, dass diese Standardinterpretation falsch ist: und stützt sich dafür auf Russells Nachlass. Landini meint außerdem, dass Wittgensteins Grundidee des Zeigens im Tractatus eine Transformation einer Idee von Russell ist.

Das Buch ziert außerdem ein Foto auf dem Umschlag, das mir bislang völlig unbekannt war. Es zeigt Wittgenstein und Russell im Gespräch in einem Kaffeehausgarten? Biergarten?, 1922. Russells Charakterkopf ist gut zu erkennen, Wittgenstein nicht ganz so deutlich. Trotzdem ein schönes Bild.

14 März 2007

Wittgensteins Schüler

Gibt es irgendwo eine Liste, wer alles mal bei Wittgenstein gehört hat?
Hier gibt's eine Rezension von Hackers Wittgenstein im Kontext der analytischen Philosophie, wo von ein paar die Rede ist. Ich habe keine gefunden; neu war mir jedenfalls der Name von M. O'C. Drury, der in seinem Buch The danger of words (London : Routledge & Kegan Paul, 1973) im Vorwort feststellt, "the author of these writings was at one time a pupil of Ludwig Wittgenstein". Darin findet sich auch diese nette Anekdote über Russell:
Someone was inclined to defend Russell's writings on marriage, sex, and 'free love'. Wittgenstein interposed by saying: 'If a person tells me he has been to the worst of places I have no right to judge him, but if he tells me it was his superior wisdom that enabled him to go there, then I know that he is a fraud.' He went on to say how absurd it was to deprive Russell of his Professorship on 'moral grounds'. 'If ever there was such a thing as an an-aphrodisiac it is Russell writing about sex!'

Beurteilt LW also eine Handlung nach ihren Folgen, nicht nach ihrer Intention...

25 November 2006

Wittgenstein als Schüler

In der Reihe Retrospektiven in Sachen Bildung erschien gerade die Studie Nr. 64: Hans Dirnböck: Die schriftliche und zeichnerische Matura von Ludwig Wittgenstein in den Fächern Mathematik und Darstellende Geometrie. 40 Seiten widmet Dirnböck den schriftlichen Schularbeiten LWs in den Fächern. Ich zitiere aus seiner "Kurzfassung" am Anfang:
In den Jahren 1903 bis 1906 war Ludwig Wittgenstein in Linz Schüler an der K.k. Staatsoberrealschule. ... LW hatte Probleme, sich zu konzentrieren und er hatte nicht genug Zeit, um die Fragen im Detail zu lösen, eine weit verbreitete Erscheinung an allen Schulen zu allen Zeiten. So finden wir in Mathematik eine "3", eine mittelmässige Note. In Darstellender Geometrie hat LW eine "5" bekommen, die schlechteste Note; die Benotung war aber nicht gerecht. Es wird festgestellt, dass LW die volle Einsicht in die Theorien hatte -- wie wir es wissen und wie wir es in seinem weiteren Leben finden.
Das ist ja schön, dass Wittgenstein die volle Einsicht hatte, als er 15 war. Der verteidigende Tonfall erstaunt ein bisschen: und es scheint mir noch andere Möglichkeiten zur Erklärung schlechter Noten zu geben als dass LW nicht genug Zeit gehabt hätte. Er könnte ja auch aus dem Fenster gesehen und ein bisschen geträumt haben, zum Beispiel. Verträgt sich auch noch besser mit den, was wir "in seinem weiteren Leben finden", oder nicht?

Dirnböck macht noch eine Literaturangabe: Mathias Iven: Wittgensteins Matura, in: Wittgenstein-Jahrbuch 2001/2002, S. 207-244, bei Lang 2003 erschienen (ISBN 3-631-50654-6). Iven behandle auch Wittgensteins Leistungen und Beurteilungen in den Fächern Englisch, Französisch und Deutsch.

28 Februar 2006

Wittgenstein und Judentum

Ranjit Chatterjee schreibt darüber in seinem neuen Buch Wittgenstein and Judaism : a triumph of concealment (Lang 2005). "This radical new reading suggests that Wittgenstein is best understood as a covert Jewish thinker in times of lethal anti-Semitism." Wittgenstein habe "talmudic and rabbinic modes of thought" internalisiert. Leider kann ich nicht beurteilen, ob der Tractatus oder die Philosophischen Untersuchungen einer talmudischen oder rabbinischen Denkweise entsprechen. Hier gibts eine Rezension von etwas berufenerer Seite.

17 Oktober 2005

Nachspiel zu Wittgenstein, Popper und dem Feuerhaken

Noch ein Kurzhinweis für heute: Dass Wittgenstein auf Popper mit dem Feuerhaken losging, haben David Edmonds und John Eidinow ausführlich beschrieben (deutsch inzwischen bei Fischer als TB) -- ebenso die abweichenden Versionen der Zeugen. Dem philosophischen Hintergrund der Begegnung widmet sich Peter Munz in seinem Buch Beyond Wittgenstein's poker (Aldershot : Ashgate, 2004). Ausgangspunkt: Die Konfrontation war unnütz; Popper irrte sich darin, welche Position Wittgenstein vertrat; Wittgenstein hätte ebenso von Popper lernen können: "they were barking up the same tree", wie Munz schreibt. Hier gehts also um die Gemeinsamkeiten zwischen beiden.