blogoscoop
Posts mit dem Label Gegenwart werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gegenwart werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

06 Juni 2008

Wie ist es, ein Philosoph zu sein?

Louis Pinto beantwortet eine etwas engere Frage, nämlich: Wie ist es, ein französischer Philosoph der Gegenwart zu sein?
Louis Pinto: La vocation et le métier de philosophe : pour une sociologie de la philosophie dans la france contemporaine. - Paris : seuil, 2007.

04 Juni 2008

Was Philosophen sind

Es gibt zwei Typen, meint Albino A. Lanciani Les perdants (Genf : Metis Presses, 2007). Die einen seien kritisch und gegenwartsbezogen. Die anderen seien Saprophyten.

08 Mai 2006

Litauische Philosophie der Gegenwart ... und anderswo

Was machen eigentlich die Philosophen in Polen? Litauen? Nigeria?
Gut, die Neugier der meisten systematisch arbeitenden ist begrenzt, weil dies keine systematische Fragestellung ist. Aber vielleicht mangelt es auch an einem einfachen Zugang. Da kommt eine Serie wie die "Cultural Heritage ..." gerade recht: die Bücher erscheinen auf Englisch, die Texte sind zur Zeit als HTML auf der Webseite von CVPR verfügbar. Dort gibt es alles, was das Herz begehrt. Contemporary philosophical discourse in Lithuania (wo man in der Einführung lesen kann, dass Kant litauische Vorfahren hat), oder The filipino mind.

Ansehen!

17 Januar 2006

Norwegische Philosophie der Gegenwart

findet vermutlich meist auf norwegisch statt. Und bietet damit dem Philosophie-Ethnologen ähnliche Hindernisse wie die Philosophie der Schweden und Dänen, zu schweigen von den Finnen. Umso erfreulicher, wenn man sie auf englisch serviert bekommt. Gunnar Skirbekk hat, schon 1997, dafür gesorgt. Anlass war eine Zusammenarbeit norwegischer mit chinesischen Philosophen über Theorien der kulturellen Modernisierung. Als Textsammlung zur Vorstellung gedacht, erklärt sich von dort her der Titel der Anthologie Philosophy beyond borders. Man findet Philosophen wie Arne Naess, von dem es schon recht viel auf englisch gibt, und weniger bekannte, wie Audun Øfsti (der sich in seinem Aufsatz mit Naess beschäftigt) und Tore Nordenstam. Wie bei uns, ist mein erster Eindruck, gibt es kontinentale und analytische Philosophen, und ebenso müssen sie darum kämpfen, wahrgenommen zu werden.

20 September 2005

Hat die marxistische Ethik heute noch etwas zu sagen?

Wer hätte gedacht, dass noch Bücher zur Marxistischen Ethik erscheinen? Ohne die genauer zu kennen, gehen bei mir schon ein paar Schubladen auf: Objektivistische (=kognitivistische) Theorie, utilitaristisch, von der marxistischen Orthodoxie verdorben.
Das letztere kann vermutlich von neueren Veröffentlichungen nicht mehr gesagt werden, zumal, wenn sie gleich vom Klassenfeind verfasst werden. Mir liegt jedenfalls gerade Marxist Ethics : a short exposition (da beim Verlag International Publishers keine Produktseite vorliegt, hier der Link auf eine Buchhandelsseite) von Willis H. Truitt vor. Der ist seit 1968 Professor an der University of South Florida in Tampa, kein Arbeiter der Faust also. Ich habe beim Reinblättern schon etwas Wesentliches darüber gelernt, was marxistische Ethik sein könnte. Truitt wirft nämlich Robert Nozick als typischem Vertreter akademischer Moralphilosophie vor, seine Ethik beschäftige sich im wesentlichen mit Rechten, nicht mit Bedürfnissen. Sie sei darum dazu angetan, den Status quo zu erhalten: eine Ethik der Reichen. Ein harter Vorwurf; dem man am besten begegnet, indem man klärt, wie sich denn das moralische Handeln des Einzelnen zur Gesellschaft verhält. Andernfalls läuft man Gefahr, im universellen "Denke daran, dass du Schuld bist an allem Entsetzlichen, was fern von dir passiert" unterzugehen.
Zur Praxis marxistischer Ethik eine kleine Erinnerung: Anfang der neunziger Jahre habe ich in Göttingen studiert. Nach dem Fall der Mauer waren viele Bücher aus der DDR auf dem Antiquariatsmarkt gelandet; ein typisches Angebot waren die Stände vor dem Eingang zur Mensa und zum zentralen Hörsaalgebäude. Dort fand ich auch eines Tages eine "Marxistische Ethik", die in der DDR verfasst und gedruckt worden war. Ein Stempel drinnen zeigte, dass es sich um ehemaligen Bestand aus der Grenztruppenbücherei der NVA handelte, den Ort habe ich vergessen. Schön, dass die Truppen sich (überhaupt!) mit Ethik beschäftigt haben. Bedeutet das nicht ein gewisses Niveau ihres moralischen Standpunkts -- unbedingt nötig angesichts ihrer moralisch schwierigen Tätigkeit des Bewachsens der deutsch-deutschen Grenze? Es war ein Leihzettel hineingeklebt, in den die Ausleihen eingestempelt werden sollten. Das Buch war kein einziges Mal ausgeliehen worden.

Zur philosophischen Herausforderung des Marxismus vgl. auch H. B. Acton, The Illusion of the Epoch, in der schönen Online Library of Liberty.

31 August 2005

Neues über Wahrheit und Lüge

Lüge und Betrug sind in mehrfacher Hinsicht philosophisch interessant. Zum einen setzt die Beschäftigung mit ihnen voraus, dass man einigermaßen weiß, was Wahrheit ist. Zum andern verquicken sie Erkennen und Handeln.
Glücklicherweise muss man nicht alle Probleme von "Wahrheit" gelöst haben, um über Lüge zu reden; es genügt so etwas wie eine ostensive Definition: "Das hier ist jedenfalls eine Lüge". Dass man auch damit seine Schwierigkeiten haben kann, besonders im akademischen Umfeld, zeigt Ralph Keyes in einem Kapitel seines jüngst erschienenen Buchs The post-truth era : dishonesty and deception in contemporary life (New York : St. Martin's Press, 2004). Zwar wird überall gelogen, dass sich die Balken biegen, aber vor allem an der Uni und in der Politik werden Lügen damit verteidigt, dass sich so eine höhere Wahrheit erreichen lässt. Außerdem zeigen Studien, die Keyes anführt, dass die sprachlichen Eigenheiten des akademischen Diskurses das Lügen erleichtern: die unpersönliche Redeweise etwa. Ist das nicht auch eine Eigenheit der politischen Rede?
Natürlich ist Keyes ein Polemiker, dem es Spaß macht, Daten zusammenzutragen und zu präsentieren. Bedenkenswert finde ich aber seine Einlassungen zum "angewandten Postmodernismus". Da versucht er zu zeigen, dass dessen wesentlicher Einfluss, die Theorie von der objektiven Wahrheit als Chimäre, längst im täglichen Leben angekommen ist -- ihre Reflexion der Theorie aber nicht. Kommunikation wird mühevoller, scheint's; die früher unausgesprochenen Voraussetzungen eines Gespräches -- H. Paul Grice's Maximen -- müssen wohl ausdrücklich neu verabredet werden.