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22 September 2008

Populäre Irrtümer

Der Stern online bietet ein kleines Quiz zum Durchklicken an: Populärer Irrtümer der Kultur. Ich falle immer wieder auf so etwas herein.
Frage 7: Gibt es Einhörner?
Multiple Choice Antworten:

Laut Stern ist die richtige Antwort D!

Dann hätte ich eigentlich abbrechen sollen, habe aber noch Frage 8 angesehen.

Michelangelo verstand sich in erster Linie als:


Habe, eingedenk der Bauten in Florenz, C) angeklickt.

Stern aber meint:

Ihre Antwort "C: ...Architekt." war leider falsch.

Die richtige Antwort ist "B: ...Bildhauer".

Michelangelo Buonarroti (1475-1564) war Maler, Bildhauer, Architekt und Dichter. Er selbst verstand sich vor allem als Maler.
Kommentar überflüssig.

Aber nochmal zurück zum Einhorn. Die richtige Antwort ist D), weil man früher mal etwas gefunden hat, was man für Überbleibsel von Einhörnern gehalten hat? Oder meinen die: es gibt Einhörner, aber was man früher für die Hörner von Einhörnern gehalten hat, sind keine, so dass Stern aufgrund ganz neuer eigener wissenschaftlicher Erkenntnisse vermelden kann, es gab doch welche?

22 April 2008

Durchschnittsdeutscher?

Spiegel Online lockt mit einer Umfrage, mit deren Hilfe man feststellen könnte, wie weit man selbst weg ist vom Durchschnittsdeutschen. Geärgert hat mich Frage 9:
"Würden Sie in einem Krieg Ihr Leben oder das Ihrer Angehörigen aufs Spiel setzen, um Deutschland zu verteidigen?"

Klingt so, als würde ein Aufs-Spiel-Setzen genügen, um Deutschland zu verteidigen. Aber jedenfalls habe ich hier mit Ja geantwortet.
Die Auswertung lautet dann:
Da denken Sie wie die Mehrzahl Ihrer Geschlechtsgenossen (62 Prozent) - und ganz anders als Deutschlands Frauen: Nur 34 Prozent von ihnen würden ihr Leben für Deutschland opfern.

Wie bitte? Mein Leben würde ich auch nicht für Deutschland opfern. Wie kann man nur auf die Idee kommen, dass diese beiden Formulierungen synonym sind? "Aufs Spiel setzen" ist gerade der Inbegriff des offenen Endes, während Opfern das Gegenteil davon ist: das feste Ende.

14 April 2008

Logik im Alltag

Sie kennen sicher diese Email-Disclaimer nach dem Motto "Diese Email ist nicht für Sie bestimmt. Wenn Sie sie trotzdem lesen, drohen wir Ihnen übles an."

Ich habe hier ein schönes Exemplar:
"Der Inhalt dieser E-Mail ist vertraulich und ausschließlich für den bezeichneten Adressaten bestimmt. Wenn Sie nicht der vorgesehene Adressat dieser E-Mail oder dessen Vertreter sein sollten, so beachten Sie bitte, dass jede Form der Kenntnisnahme, Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe des Inhalts dieser E-Mail unzulässig ist. Wir bitten Sie, sich in diesem Fall mit dem Absender der E-Mail in Verbindung zu setzen."


Aus dem Disclaimer geht hervor, dass er von jemand anderem als die Email stammt. Mit welchem Recht können die hier ungenannten irgendetwas fordern? Aber am besten gefällt mir dieser Selbstreferenz der Kenntnisnahme: Jede Form der Kenntnisnahme ist "unzulässig". Wie soll man sich daran halten, wenn man die Email zur Kenntnis nehmen muss, um das Verbot zu lesen?

08 April 2008

Logik im Alltag

"Das neue Blond heißt Brünett", schreibt SPIEGEL online plakativ über einen Artikel, in dem drinsteht, dass eine Dating-Internetseite die Frauen an den Seiten von 100 Milliardären auf ihre Haarfarbe hin "untersucht" habe. Dabei hat sich herausgestellt, dass "die Mehrzahl der verheirateten Milliardäre (62%) eine Braunhaarige zur Frau hat, nur 22% heiraten eine Blondine". Also, so die Moral der Story, kriegt man eher einen Milliardär ab, wenn man brünett ist.

Hhm. Aus dem Artikel geht nicht hervor, ob die 22% naturblond oder blond und blondiert sind. Nehmen wir an, dass sie naturblond sind. Wie hoch ist denn der Anteil der naturblonden Frauen an allen? Wikipedia behauptet, allerdings ohne Beleg, im Artikel "blond", dass der Anteil der naturblonden an der Weltbevölkerung 2% beträgt. Glauben wir das mal. Nehmen wir außerdem an, dass Frauen und Männer gleich oft blond sind. Dann ist doch für eine blonde Frau die Chance, einen Milliardär abzukriegen, erheblich größer als für eine brünette, schließlich entfallen dann auf 2% der Frauen 22% der Milliardäre.

(Allerdings wird man diesen Gedanken wieder einschränken müssen, weil die Milliardäre nicht gleichmäßig über die Weltbevölkerung verteilt sind und daher vermutlich auch nicht ihre Frauen gleichmäßig aus dieser aussuchen.)

Dass außerdem noch eine große Argumentationslücke besteht bis zur These, nun sei klar, warum dieser Prominente mit jener zusammen ist, brauche ich wohl nicht extra festzuhalten.