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04 Mai 2009
Kierkegaard-Rezeption in Deutschland
Wer sich für Kierkegaard interessiert, wird die bei Ashgate erschienene Sammlung zur Kierkegaard-Rezeption begrüßen: Kierkegaard's International Reception, hg. von Jon Stewart, 3 Bände. Der 1. Band behandelt Northern and Western Europe und enthält folgerichtig einen umfangreichen (über 100 Seiten!) Artikel über die Rezeption in Deutschland (und Österreich) von Heiko Schulz. Der ist damit fast so lang wie der Artikel über die Rezeption in Dänemark. Inhaltsverzeichnis (pdf) hier.
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Deutschland,
Kierkegaard
12 Dezember 2008
Philosophie in Deutschland seit 1945
Norbert Kapferer, verdienter Philosophiehistoriker der jüngeren Geschichte, hat den ersten Band einer Philosophiegeschichte Deutschlands zwischen 1945 und 1995 vorgelegt, erschienen bei Kovac in Hamburg. Kapferer legt besonderes Augenmerk auf die wechselhaften Einflüsse der beiden Deutschlands aufeinander in der Zeit.
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18 September 2008
Philosophie in D
Neulich hat Marion Hartig im Spiegel Online unter dem reißerischen Titel Gehen Deutschland die Denker aus? ein paar interessante Dinge niedergeschrieben; ein Kollege machte mich darauf aufmerksam.
Ich habe aus dem Artikel einiges gelernt. Nida-Rümelin etwa wird zitiert mit der Feststellung, "kein Fach" sei "so stark am Puls der Zeit" wie die Philosophie. Als Beleg werden dann drei Fragen angeführt: ist Folterandrohung in der Verbrechensbekämpfung erlaubt? Stammzellenforschung? Sterbehilfe? Glaubt man dem, besteht die Aktualität der Philosophie in der praktischen Ethik.
Carl Friedrich Gethmann, zur Zeit Präsident der DGPhil, wird ebenfalls befragt, und er findet, dass die deutschen Philosophen mit den Briten und Amerikanern "auf Augenhöhe" seien. Dies ist sicher eine Qualitätsbeurteilung; ich läse das gern mal umgemünzt in eine bibliometrische Untersuchung über die jeweilige Rezeption!
Gethmann heißt gut, dass sich das Fach neu orientiert habe. In den 60er Jahren seien "60% der Lehrstühle auf die Geschichte der Philosophie ausgerichtet" gewesen, "heute nur noch 20" (Prozent). Heißt das, dass eine systematische Unterrichtung der Studierenden in historischen Themen nur an philosophischen Seminaren stattfindet, die mindestens fünf Lehrstühle haben?
An deutschen Hochschulen gebe es etwa 150 Lehrstühle, wenn davon 20% historisch gewidmet sind, dann sind das 30 Lehrstühle für Philosophiegeschichte. Vielleicht meinte Gethmann aber auch nicht Lehrstühle, sondern Professuren, deren es etwa 330 gibt (sagt der Artikel). Und während in den letzten 12 Jahren die Studierendenzahlen von 24.000 auf 15.000 gesunken seien, sei die Zahl der Professoren nicht zurückgegangen. Was folgern wir aus diesen Zahlen?
Hat sich das Betreuungsverhältnis gebessert?
Auch die Zahlen selbst wirken etwas merkwürdig. Der Wissenschaftsrat hat in seiner Erhebung zur Lage der Geisteswissenschaften (pdf) in Deutschland, die ich schon mal kommentierte, zwischen 1990 und 2003 ein Schwanken um 20.000 Studierende zu verzeichnen (statistischer Anhang). Das "Wissenschaftliche Personal" ist zwischen 1997 und 2003 sogar leicht gestiegen, von 1097 auf 1127 (S. 138), Professuren gibt 1997 und 2003 299.
Ich habe aus dem Artikel einiges gelernt. Nida-Rümelin etwa wird zitiert mit der Feststellung, "kein Fach" sei "so stark am Puls der Zeit" wie die Philosophie. Als Beleg werden dann drei Fragen angeführt: ist Folterandrohung in der Verbrechensbekämpfung erlaubt? Stammzellenforschung? Sterbehilfe? Glaubt man dem, besteht die Aktualität der Philosophie in der praktischen Ethik.
Carl Friedrich Gethmann, zur Zeit Präsident der DGPhil, wird ebenfalls befragt, und er findet, dass die deutschen Philosophen mit den Briten und Amerikanern "auf Augenhöhe" seien. Dies ist sicher eine Qualitätsbeurteilung; ich läse das gern mal umgemünzt in eine bibliometrische Untersuchung über die jeweilige Rezeption!
Gethmann heißt gut, dass sich das Fach neu orientiert habe. In den 60er Jahren seien "60% der Lehrstühle auf die Geschichte der Philosophie ausgerichtet" gewesen, "heute nur noch 20" (Prozent). Heißt das, dass eine systematische Unterrichtung der Studierenden in historischen Themen nur an philosophischen Seminaren stattfindet, die mindestens fünf Lehrstühle haben?
An deutschen Hochschulen gebe es etwa 150 Lehrstühle, wenn davon 20% historisch gewidmet sind, dann sind das 30 Lehrstühle für Philosophiegeschichte. Vielleicht meinte Gethmann aber auch nicht Lehrstühle, sondern Professuren, deren es etwa 330 gibt (sagt der Artikel). Und während in den letzten 12 Jahren die Studierendenzahlen von 24.000 auf 15.000 gesunken seien, sei die Zahl der Professoren nicht zurückgegangen. Was folgern wir aus diesen Zahlen?
Hat sich das Betreuungsverhältnis gebessert?
Auch die Zahlen selbst wirken etwas merkwürdig. Der Wissenschaftsrat hat in seiner Erhebung zur Lage der Geisteswissenschaften (pdf) in Deutschland, die ich schon mal kommentierte, zwischen 1990 und 2003 ein Schwanken um 20.000 Studierende zu verzeichnen (statistischer Anhang). Das "Wissenschaftliche Personal" ist zwischen 1997 und 2003 sogar leicht gestiegen, von 1097 auf 1127 (S. 138), Professuren gibt 1997 und 2003 299.
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Deutschland
21 Juni 2008
Die Moral der BRD
Gernot Böhme hat ein Buch zur Ethik leiblicher Existenz geschrieben, bei stw 2008 erschienen. Das ist für sich vermutlich nicht bemerkenswert, wäre da nicht das Kapitel "Zur Geschichte der Moral in der BRD", S. 22-38. Das zeichnet die Entwicklung der öffentlichen Auseinandersetzung mit Ethik und Moralvorstellungen nach. Viel Raum nimmt natürlich 1968 ein, aber Böhme blickt auch darüber hinaus auf die Entwicklung des Ethik-Unterrichts und vorher auf die Nachwirkungen der Nazizeit. Mich würde auch noch der Vergleich mit der DDR interessieren, aber das ist für so ein Unterkapitel wohl etwas viel verlangt...
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24 September 2006
Deutsche Philosophie nach 1945 aus französischer Perspektive
Gérard Raulet: La philosophie allemande depuis 1945 (Paris : Colin, 2006). Auf dem Cover sind Habermas (ach was!), ein gruseliges Bild von Gadamer, Jaspers, Heidegger, und Sloterdijk, schlank und jung. Drinnen findet man aber auch, und unter anderen: Marcuse, Frankfurter Schule, Honneth, Waldenfels, Bubner, Bloch, Bohrer, Tugendhat, Spaemann, Lübbe, Peter Bürger, Manfred Riedel, Hans Jonas, Schulz, Theunissen, Blumenberg, Henrich und Marquard. Das ist doch eine Mischung! Und wieder einmal der von mir geschätzte Blick von außen.
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10 April 2006
Deutsche Philosophische Blogosphäre (4)
Wo ist die deutsche Philosophische Blogosphäre? fragte ich zum erstenmal im Oktober letzten Jahres und dann (2), (3).
Eva Schmids Kommentar hat mich auch auf ein paar mir bis dato unbekannte deutsche Philosophie-Blogs aufmerksam gemacht, vielen Dank!
Ihr eigenes Blog Philosophie etc. widmet sich der Analytischen Philosophie, da wird sich gleich wohlfühlen, wer auch so sozialisiert ist :-).
In einem Posting dort werden -- neben diesem, Danke für die Blumen -- weitere blogs genannt (der Philosophus ist ja hier schon bekannt):
Eva Schmids Kommentar hat mich auch auf ein paar mir bis dato unbekannte deutsche Philosophie-Blogs aufmerksam gemacht, vielen Dank!
Ihr eigenes Blog Philosophie etc. widmet sich der Analytischen Philosophie, da wird sich gleich wohlfühlen, wer auch so sozialisiert ist :-).
In einem Posting dort werden -- neben diesem, Danke für die Blumen -- weitere blogs genannt (der Philosophus ist ja hier schon bekannt):
- Siggi Becker -- beschäftigt sich mit der "Gewalt, die uns durch unsere Existenz angetan wird" -- Jungejunge, dazu gäbe es einiges zu sagen, aber lieber später...
- http://philoblog.de. Hier etwas zur Zielrichtung.
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30 Januar 2006
Philosophie ist gesellschaftlich relevant!
Jawohl! Und weil das so ist, sagt es auch der Wissenschaftsrat. Der hat in einer kürzlich (27.1.) verabschiedeten Erklärung zur Situation der Geisteswissenschaften in Deutschland (pdf) festgestellt, dass diese eigentlich auf gutem Niveau gepflegt werden, die "stellenweise noch gepflegte Krisenrhetorik" sei "deplaziert und ungeeignet", zu Verbesserungen zu führen.
Unis, an denen Geisteswissenschaften überhaupt gelehrt werden, sollten fünf Kernbereiche pflegen, deren 4. nennt der WR "Erkenntnis / Ethik / Religion". Da verstecken sich die großen Fragen drin. Übrigens haben die Geisteswissenschaften innerhalb der Uni ihren originären institutionellen Rahmen, darum kann der WR auch keine Ausweitung der Forschung außerhalb der Uni empfehlen. Das ist wohl der alte Humboldtsche Bildungsgedanke. Wenn die Orientierungswissenschaften schon Orientierung geben, dann sollen sie sie bitteschön auch gleich weitergeben. Temporär dürfen Unimitarbeiter aber von der Lehre entlastet werden, und von Verwaltungsaufgaben auch.
Der Arbeitsmarkt bietet übrigens "gute Chancen", weil 5 Jahre nach Abschluss immerhin 73% der Absolventen eine feste Stelle haben. Bei den übrigen Fächern sind es 89%, und das betrachtet der WR als "Annäherung".
Die Philosophie gehört zu den Disziplinen, die der WR exemplarisch mit untersucht. Einige Feststellungen im Bericht können schon verblüffen. So meint der WR, dass, auch wenn Englisch die herausragende Wissenschaftssprache geworden ist, in der Philosophie wie in der Germanistik "herausragende Forschung ohne Kenntnis der deutschsprachigen Forschungsliteratur nicht betrieben werden kann". Das liege, im Unterschied zu den Altertumswissenschaften, wo es etwas mit der Geschichte der Disziplin zu tun habe, "in der Natur der Gegenstände" (S. 16). Tja, das leuchtet ein für die Germanistik, wo die Gegenstände ja auch auf Deutsch sind, aber in der Philosophie? Oder wird hier bloß das Bild der Philosophiegeschichte als Stärke der deutschen Universitätsphilosophie wiederholt?
Der WR meint, dass man Veröffentlichungen nicht einfach auf englisch abliefern könne, die deutsche Sprache sei "ein Konstituens von Denkstilen und damit Voraussetzung von intellektueller Vielfalt". Ich stelle mir vor, dass eine solche These einer Überprüfung zugänglich ist; und die würde mich auch sehr interessieren!
EIN PAAR ZAHLEN
Interessant ist auch der statistische Anhang. Daraus geht hervor, dass die Zahl der Studierenden des Faches von 1990 bis 2003 etwa so um 20.000 geschwankt hat. Dabei ist die Zahl der Studierenden der Geisteswissenschaften aber von 260.000 auf 360.000 gestiegen. Entsprechend sank der prozentuale Anteil von 7,7% auf 5,5%. Am meisten zugelegt haben Germanistik und Anglistik von den großen Fächern und die Bibliothekswissenschaft / Publizistik von den kleinen. -- Hätten Sie gedacht, dass es mehr Musikwissenschaftler als Philosophen (unter den Studierenden) gibt?
Die Zahl der Studienanfänger ist in der Philosophie allerdings nach anfänglichem Rückgang wieder gestiegen, von rd. 2350 (1990) auf 2.000 (1993) bis 2.900 (2003). Da könnte man, wenn man die Studiendauer nicht berücksichtigt, auf die Idee kommen, dass die Zahl der Abbrecher zugenommen haben muss... Aber das kann nicht stimmen, denn die Zahl der Abschlüsse hat auch zugenommen, von 315 (1990) auf 830 (2003). -- Bei einer angenommenen durchschnittlichen Studienzeit von, seien wir großzügig, zwölf Semestern, müsste man ja aus der Zahl der Studienbeginner und derjenigen der Abschließer die Abbruchquote ausrechnen können.
A propos Studienabbruch. Die Schwundbilanz der Sprach- und Kulturwissenschaften (unter diese ist in der Tabelle die Philosophie mit gefasst) spricht für sich. Abbruch und Studienplatzwechsel sind mit "Zuwanderung" verrechnet, die Schwundbilanz beträgt trotzdem 47% (2002), schon gesunken gegenüber 1999 (55%). Wenn also von den übriggebliebenen 53% nach 5 Jahren 73% der Absolventen eine feste Stelle haben, dann heißt das, dass 38% von denjenigen, die mal ein geisteswissenschaftliches Studium begonnen haben, schließlich auf einer festen Stelle landen (dabei bleiben jetzt die unberücksichtigt, die ihr Studium abbrechen, weil ihnen eine feste Stelle angeboten worden ist). Bei den Naturwissenschaften beträgt die Schwundbilanz 39%, so dass sich als gleicher Wert (feste Stelle nach begonnenem Studium) etwas über 50% ergibt. Die Medizin hat 2003 die tollste Schwundquote, nämlich 0%.
Unis, an denen Geisteswissenschaften überhaupt gelehrt werden, sollten fünf Kernbereiche pflegen, deren 4. nennt der WR "Erkenntnis / Ethik / Religion". Da verstecken sich die großen Fragen drin. Übrigens haben die Geisteswissenschaften innerhalb der Uni ihren originären institutionellen Rahmen, darum kann der WR auch keine Ausweitung der Forschung außerhalb der Uni empfehlen. Das ist wohl der alte Humboldtsche Bildungsgedanke. Wenn die Orientierungswissenschaften schon Orientierung geben, dann sollen sie sie bitteschön auch gleich weitergeben. Temporär dürfen Unimitarbeiter aber von der Lehre entlastet werden, und von Verwaltungsaufgaben auch.
Der Arbeitsmarkt bietet übrigens "gute Chancen", weil 5 Jahre nach Abschluss immerhin 73% der Absolventen eine feste Stelle haben. Bei den übrigen Fächern sind es 89%, und das betrachtet der WR als "Annäherung".
Die Philosophie gehört zu den Disziplinen, die der WR exemplarisch mit untersucht. Einige Feststellungen im Bericht können schon verblüffen. So meint der WR, dass, auch wenn Englisch die herausragende Wissenschaftssprache geworden ist, in der Philosophie wie in der Germanistik "herausragende Forschung ohne Kenntnis der deutschsprachigen Forschungsliteratur nicht betrieben werden kann". Das liege, im Unterschied zu den Altertumswissenschaften, wo es etwas mit der Geschichte der Disziplin zu tun habe, "in der Natur der Gegenstände" (S. 16). Tja, das leuchtet ein für die Germanistik, wo die Gegenstände ja auch auf Deutsch sind, aber in der Philosophie? Oder wird hier bloß das Bild der Philosophiegeschichte als Stärke der deutschen Universitätsphilosophie wiederholt?
Der WR meint, dass man Veröffentlichungen nicht einfach auf englisch abliefern könne, die deutsche Sprache sei "ein Konstituens von Denkstilen und damit Voraussetzung von intellektueller Vielfalt". Ich stelle mir vor, dass eine solche These einer Überprüfung zugänglich ist; und die würde mich auch sehr interessieren!
EIN PAAR ZAHLEN
Interessant ist auch der statistische Anhang. Daraus geht hervor, dass die Zahl der Studierenden des Faches von 1990 bis 2003 etwa so um 20.000 geschwankt hat. Dabei ist die Zahl der Studierenden der Geisteswissenschaften aber von 260.000 auf 360.000 gestiegen. Entsprechend sank der prozentuale Anteil von 7,7% auf 5,5%. Am meisten zugelegt haben Germanistik und Anglistik von den großen Fächern und die Bibliothekswissenschaft / Publizistik von den kleinen. -- Hätten Sie gedacht, dass es mehr Musikwissenschaftler als Philosophen (unter den Studierenden) gibt?
Die Zahl der Studienanfänger ist in der Philosophie allerdings nach anfänglichem Rückgang wieder gestiegen, von rd. 2350 (1990) auf 2.000 (1993) bis 2.900 (2003). Da könnte man, wenn man die Studiendauer nicht berücksichtigt, auf die Idee kommen, dass die Zahl der Abbrecher zugenommen haben muss... Aber das kann nicht stimmen, denn die Zahl der Abschlüsse hat auch zugenommen, von 315 (1990) auf 830 (2003). -- Bei einer angenommenen durchschnittlichen Studienzeit von, seien wir großzügig, zwölf Semestern, müsste man ja aus der Zahl der Studienbeginner und derjenigen der Abschließer die Abbruchquote ausrechnen können.
A propos Studienabbruch. Die Schwundbilanz der Sprach- und Kulturwissenschaften (unter diese ist in der Tabelle die Philosophie mit gefasst) spricht für sich. Abbruch und Studienplatzwechsel sind mit "Zuwanderung" verrechnet, die Schwundbilanz beträgt trotzdem 47% (2002), schon gesunken gegenüber 1999 (55%). Wenn also von den übriggebliebenen 53% nach 5 Jahren 73% der Absolventen eine feste Stelle haben, dann heißt das, dass 38% von denjenigen, die mal ein geisteswissenschaftliches Studium begonnen haben, schließlich auf einer festen Stelle landen (dabei bleiben jetzt die unberücksichtigt, die ihr Studium abbrechen, weil ihnen eine feste Stelle angeboten worden ist). Bei den Naturwissenschaften beträgt die Schwundbilanz 39%, so dass sich als gleicher Wert (feste Stelle nach begonnenem Studium) etwas über 50% ergibt. Die Medizin hat 2003 die tollste Schwundquote, nämlich 0%.
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19 Dezember 2005
Folter und Geheimdienste
Soll der deutsche Geheimdienst Erkenntnisse verwerten, die womöglich unter Folter erpresst worden sind? Peter Müller "schließt nicht aus", dass der Geheimdienst solche Informationen zur Gefahrenabwehr verwendet, auch wenn sie vor Gericht keinen Bestand hätten, teilt Spiegel online mit. Das klingt doch ganz pragmatisch, und es bedeutet im Klartext: Ich würde selbst nie foltern, und wenn andere das tun, dann ist das schlimm. Aber man wäre ja blöd, wenn man nicht die Erkenntnisse nutzen würde, die dabei herausspringen. Und da ist was wahres dran: man wäre wirklich blöd. Trotzdem ist zu fragen, ob diese Lösung nicht moralischer Faulheit entspringt. Wieviel ist das Bekenntnis gegen Folter wert, wenn man genau weiß, dass man diese bloß befreundeten Staaten zu überlassen braucht?
Ich spüre ein Unbehagen, wenn der (unser) Staat mit Terroristen und Fanatikern umgeht. Das hat damit zu tun, dass der Staat ihnen immer unterlegen ist: Die setzen ihr Leben ein. Womit kann man ihnen drohen? Wie kann man sie erreichen? Haben wir etwas vergleichbares dagegenzusetzen? Vermutlich nicht -- und womöglich liegt gerade darin die Überlegenheit unserer Gesellschaftsform.
Asymmetrie: Die sind bereit zu sterben, um ihr Ziel zu erreichen, die Vertreter des Staates nicht. Manche Staaten stellen so etwas wie Symmetrie wieder her, indem sie zumindest bereit sind zu töten -- oder was ihnen sonst so einfällt. Aber damit werden sie dem ähnlicher, was sie bekämpfen.
Und eine weitere Asymmetrie: Terroristen und Fanatiker sind immun gegen Irrtum in ihrem Tun. Wir hingegen irren. Deswegen gibt es ja ein langwieriges, regelgeleitetes System, um die Wahrheit herauszufinden z.B. in Gerichtsverhandlungen. Schon darum sollten wir die Regeln nicht aufgeben.
Ich spüre ein Unbehagen, wenn der (unser) Staat mit Terroristen und Fanatikern umgeht. Das hat damit zu tun, dass der Staat ihnen immer unterlegen ist: Die setzen ihr Leben ein. Womit kann man ihnen drohen? Wie kann man sie erreichen? Haben wir etwas vergleichbares dagegenzusetzen? Vermutlich nicht -- und womöglich liegt gerade darin die Überlegenheit unserer Gesellschaftsform.
Asymmetrie: Die sind bereit zu sterben, um ihr Ziel zu erreichen, die Vertreter des Staates nicht. Manche Staaten stellen so etwas wie Symmetrie wieder her, indem sie zumindest bereit sind zu töten -- oder was ihnen sonst so einfällt. Aber damit werden sie dem ähnlicher, was sie bekämpfen.
Und eine weitere Asymmetrie: Terroristen und Fanatiker sind immun gegen Irrtum in ihrem Tun. Wir hingegen irren. Deswegen gibt es ja ein langwieriges, regelgeleitetes System, um die Wahrheit herauszufinden z.B. in Gerichtsverhandlungen. Schon darum sollten wir die Regeln nicht aufgeben.
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18 November 2005
Deutsche philosophische Blogosphäre (3)
Bevor das untergeht, weils nur als Kommentar sichtbar ist, wiederhole ich hier den Hinweis von Julio Lambing, der selbst ein Blog als persönlichen Zettelkasten pflegt, auf:
- http://wolfgangschmid.twoday.net -- ein Blog des Flensburger Pädagogik-Profs, der Blogs auch in der Lehre einsetzt
- http://ereignisraum.twoday.net -- ein Blog von Adrian Hermann, der sich auch mit religionsphilosophischen Themen, vor allem aber mit "Ästhetik und Religion" beschäftigt
- http://bodyandblog.blogspot.com -- ein Blog mit sozialwissenschaftlichem Thema: "hegemoniale Besetzung des Körpers im Internet".
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14 Oktober 2005
Philosophie-Blogs in D (2)
Inzwischen habe ich das Blog Phainomena von Manuel Schölles gefunden, das er in Zusammenarbeit mit der Tübinger Gesellschaft für Phänomenologische Philosophie unterhält. Die Hauptthemen kann man sich denken. Wer in der Nähe von Tübingen wohnt, profitiert außerdem von den Veranstaltungshinweisen.
Patrick Baum, Referendar bei Bonn, hat hier im Kommentar auf sein Weblog hingewiesen; er beschäftigt sich auf weiteren Seiten mit dem Thema "Raum und Ort in Philosophie und Geisteswissenschaften". Baum hat eine Menge Erfahrung mit dem Medium (Internet im Allgemeinen wie Blog im besonderen); seine lesenswerte Rezension zu Sandbothes Pragmatischer Medienphilosophie zeigt dies. Baum bemängelt übrigens zu Recht die Statik auf den Webseiten des Medienphilosophen; "Alles steht", möchte man in Umkehrung von Heraklits Kosmologie feststellen. Der auf seiner Veröffentlichungs-Seite als zukünftig angezeigte Sammelband Systematische Medienphilosophie ist übrigens längst erschienen.
Patrick Baum, Referendar bei Bonn, hat hier im Kommentar auf sein Weblog hingewiesen; er beschäftigt sich auf weiteren Seiten mit dem Thema "Raum und Ort in Philosophie und Geisteswissenschaften". Baum hat eine Menge Erfahrung mit dem Medium (Internet im Allgemeinen wie Blog im besonderen); seine lesenswerte Rezension zu Sandbothes Pragmatischer Medienphilosophie zeigt dies. Baum bemängelt übrigens zu Recht die Statik auf den Webseiten des Medienphilosophen; "Alles steht", möchte man in Umkehrung von Heraklits Kosmologie feststellen. Der auf seiner Veröffentlichungs-Seite als zukünftig angezeigte Sammelband Systematische Medienphilosophie ist übrigens längst erschienen.
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10 Oktober 2005
Wo ist die deutsche philosophische Blogosphäre? (1)
Wahrscheinlich habe ich die falsche Suchmethode, um auf deutschsprachige philosophische Blogs zu stoßen. (Auch die Konzentration auf Google und Blogger wird ein wenig hinderlich sein.) Vielleicht hat jemand ein paar Tipps?
Immerhin sind mir schon ein paar schöne englischsprachige und italienische Blogs aufgefallen. Besonders beeindruckt bin ich vom inhaltsreichen Blog Certain Doubts, das es seit Juni 2004 gibt und das von der Universität von Missouri von Jonathan Kvanvig moderiert wird. Einer der jüngsten Posts widmet sich einem Lieblingsthema von mir, dem Skeptizismus. Kvanvig möchte zeigen, dass Ungers Skeptizismus auf einem Fehlschluss beruht. Und sieh sich einer die Kommentare dazu an!
Ein schönes Projekt ist Philosopher's Carnival -- und für alle, die gut genug englisch können, auch eine Möglichkeit, a) eigene philosophische Gedanken, b) das eigene Blog bekannter zu machen.
Blogs sind auch eine gute Möglichkeit, auf neue Online-Papers aufmerksam zu machen. Einigermaßen bekannt dürfte Weathersons Sammlung sein; bemerkenswert sind aber auch die Articoli filosofici, -- wie der Name schon vermuten lässt, eine italienische Sammlung. In einem der letzten verzeichneten Texte widmet sich Stefania De Donatis der Philosophie des Geschenks.
Immerhin sind mir schon ein paar schöne englischsprachige und italienische Blogs aufgefallen. Besonders beeindruckt bin ich vom inhaltsreichen Blog Certain Doubts, das es seit Juni 2004 gibt und das von der Universität von Missouri von Jonathan Kvanvig moderiert wird. Einer der jüngsten Posts widmet sich einem Lieblingsthema von mir, dem Skeptizismus. Kvanvig möchte zeigen, dass Ungers Skeptizismus auf einem Fehlschluss beruht. Und sieh sich einer die Kommentare dazu an!
Ein schönes Projekt ist Philosopher's Carnival -- und für alle, die gut genug englisch können, auch eine Möglichkeit, a) eigene philosophische Gedanken, b) das eigene Blog bekannter zu machen.
Blogs sind auch eine gute Möglichkeit, auf neue Online-Papers aufmerksam zu machen. Einigermaßen bekannt dürfte Weathersons Sammlung sein; bemerkenswert sind aber auch die Articoli filosofici, -- wie der Name schon vermuten lässt, eine italienische Sammlung. In einem der letzten verzeichneten Texte widmet sich Stefania De Donatis der Philosophie des Geschenks.
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