Der Argon-Verlag hat, zusammen mit der Frankfurter Rundschau, eine Reihe von "Hörbüchern" zur Einführung in Philosophen herausgebracht. Das sind von Sprechern gelesene Aufsätze bekannter Verfasser; so z.B. von Uwe Dreisholtkamp über Derrida aus dem WBG-Band "Philosophen der Gegenwart". Als Zugabe ist ein pdf mit tabellarischem Lebenslauf und Angaben zu Derridas Werken auf dem Datenträger. Eine echte CD ist es leider nicht: zwar spielt der CD-Player das ab, aber die Tracks lassen sich nicht ohne weiteres rippen und auf den eigenen MP-3-Player kopieren. Sehr schade, denn solche Einführungen sind klassischerweise etwas zum Nebenbei-Hören - dafür wünsche ich mir die Möglichkeit zur Formatkonversion.
Hhm, gerade ein bisschen in die Amazon-Rezensionen zur ganzen Reihe reingesehen: dort wird moniert, die Texte seien zu kompliziert zum Hören und zur Einführung.
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06 April 2009
04 September 2007
Analytische Philosophie und Literatur
Analytische Philosophie hat zur Literatur nicht viel zu sagen. Die wichtigsten Fragen waren bislang drei:
- Worauf referiert literarisches Sprechen? (oder: Was ist Fiktion?) Das hat wohl mit Freges Unterscheidung von Sinn und Bedeutung zu tun, die literarischem Sprechen nicht wirklich beikommt.
- Wie kommt es, dass Literatur Erkenntnis vermittelt, obwohl sie ja nicht "wahr" in Freges Sinn ist?
- Das Hekuba-Problem: Wie kommt es, dass Leser Anteil nehmen an dem, was sie lesen, obwohl sie wissen, dass es nicht wahr (nicht "wirklich") ist? ("Was ist ihm Hekuba, was ist er ihr, dass er um sie soll weinen?" fragt Hamlet, als er die Wirkung des Schauspiels sieht.)
Wie man sieht, gehen alle drei Fragen von demselben aus: dass Analytische Philosophie mit fiktionalem / literarischem Sprechen nichts anfangen kann. Das ist auch in jeder Theorie der Bedeutung, die ich kenne, bisher ein unbeackertes Thema.
Ist natürlich schön, wenn da mal wieder was neues erscheint, was ein bisschen Erkenntnisgewinn verspricht, wie der Sammelband A sense of the world : essays on fiction, narrative and knowledge, hg. von John Gibson u.a. (New York : Routledge, 2007). Und wenn da auch ein paar Leute mitschreiben, die wirklich was von Literatur verstehen, wie Wolfgang Iser. (Wusste gar nicht, dass der gestorben ist.) Oder die sich schon intelligent über Kunst geäußert haben, wie Catherine Z. Elgin.
[Update 14.9.] Bei Continuum ist soeben (2007) ein neuer Überblick erschienen, Aesthetics and literature, von David Davies, der allen genannten Fragen nachgeht.
[Udate 23.10.] A, P. Martin und Avrum Stoll haben bei Rowman & Littlefield (Lanham u.a., 2007) ein Buch mit dem schönen Titel Much ado about nonexistence : fiction and reference geschrieben. Der Klappentext lobt bereits, hier habe man das klarste und am besten entwickelte Buch übers Thema; Fiktion würde als Institution behandelt und "fictional facts as institutional facts". Man wird das Buch lesen müssen, um hier die Bedeutung von "institution" nachzuvollziehen.
- Worauf referiert literarisches Sprechen? (oder: Was ist Fiktion?) Das hat wohl mit Freges Unterscheidung von Sinn und Bedeutung zu tun, die literarischem Sprechen nicht wirklich beikommt.
- Wie kommt es, dass Literatur Erkenntnis vermittelt, obwohl sie ja nicht "wahr" in Freges Sinn ist?
- Das Hekuba-Problem: Wie kommt es, dass Leser Anteil nehmen an dem, was sie lesen, obwohl sie wissen, dass es nicht wahr (nicht "wirklich") ist? ("Was ist ihm Hekuba, was ist er ihr, dass er um sie soll weinen?" fragt Hamlet, als er die Wirkung des Schauspiels sieht.)
Wie man sieht, gehen alle drei Fragen von demselben aus: dass Analytische Philosophie mit fiktionalem / literarischem Sprechen nichts anfangen kann. Das ist auch in jeder Theorie der Bedeutung, die ich kenne, bisher ein unbeackertes Thema.
Ist natürlich schön, wenn da mal wieder was neues erscheint, was ein bisschen Erkenntnisgewinn verspricht, wie der Sammelband A sense of the world : essays on fiction, narrative and knowledge, hg. von John Gibson u.a. (New York : Routledge, 2007). Und wenn da auch ein paar Leute mitschreiben, die wirklich was von Literatur verstehen, wie Wolfgang Iser. (Wusste gar nicht, dass der gestorben ist.) Oder die sich schon intelligent über Kunst geäußert haben, wie Catherine Z. Elgin.
[Update 14.9.] Bei Continuum ist soeben (2007) ein neuer Überblick erschienen, Aesthetics and literature, von David Davies, der allen genannten Fragen nachgeht.
[Udate 23.10.] A, P. Martin und Avrum Stoll haben bei Rowman & Littlefield (Lanham u.a., 2007) ein Buch mit dem schönen Titel Much ado about nonexistence : fiction and reference geschrieben. Der Klappentext lobt bereits, hier habe man das klarste und am besten entwickelte Buch übers Thema; Fiktion würde als Institution behandelt und "fictional facts as institutional facts". Man wird das Buch lesen müssen, um hier die Bedeutung von "institution" nachzuvollziehen.
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Analytische Philosophie,
Literatur
27 September 2006
Analytische Dekonstruktion? Dekonstruktive Analyse?
Peter Bornedal ist bisher, bis auf ein paar Aufsätzen zu Nietzsche und seiner Diss Speech and System, nicht weiter aufgefallen. Nun legt er ein Buch vor, das sich den Beginnings of Theory zuwendet, Untertitel: Deconstruction broken logik in Grice, Habermas, and Stuart Mill (Lanham : University of America Press, 2006). Aus dem Klappentext:
Two of the essays discuss the works of Paul Grice and Jürgen Habermas and their theories on language and communication. In these essays, the author demonstrates that despite the attempts of Grice and Habermas to give ontological foundations for inherent communicative rationality, their endeavors are unsuccessful. The third essay discusses John Stuart Mill's utilitarianism and argues that Mill's attempts to decide what is in principle good remain futile and incomplete. Ultimately, Bornedal argues that we cannot give metaphysical reasons for rationality or the good life. We can only decide to pursue these ideals, but there is nothing beyond the decision that makes the pursuit necessary or inherent. According to this position, Deconstruction becomes a kind of Pragmatism; or, as the author states, by way of paradox, "Analytic Deconstruction gives Pragmatism a scientific foundation."Bin mir nicht sicher, ob das nun sympathisch klingt oder nicht: Einerseits ist es schön, wenn Dekonstruktion mehr ist als ein lustig-lustvolles Spiel der rhetorischen Analyse, andererseits kommt dabei anscheinend nichts heraus, was die analysierten Philosophen nicht auch schon gewusst hätten. -- Trotzdem finde ich den Versuch, Dekonstruktion mit den Mitteln der analytischen Philosophie zu betreiben, interessant genug.
24 April 2006
Vom Verstehen der Anderen
Eva Schmidt hatte in ihrem Blog Philosophie etc. danach gefragt, welche Philosophen am schlechtesten schreiben. Top Five! -- Natürlich nennt man in einem solchen Zusammenhang nicht die Autoren, die einem am Herzen liegen, und so ist es wohl kein Wunder, dass dann die Frage kontinental vs. analytisch dort aufbrach.
Frau Schmidt hat in diesem Streit Argumente vermisst -- das wundert nicht, denn häufig hält jeder der Einäugigen den andern für blind. Worin unterscheiden sich die Kontinentalen von den Analytikern? Keine neue Frage. Keine neuen Antworten:
In der Sprache, sicher. Aber auch in den Inhalten. Dafür zwei Beispiele. Zuvor muss man sich klar machen, dass genauso wie die Analytiker die Kontinentalen keine homogene Gruppe sind; sie sind eher noch heterogener als die anderen. Von analytischer Perspektive aus müsste es sonst seltsam erscheinen, dass Adorno Heidegger eines "Jargons der Eigentlichkeit" beschuldigen konnte, wo doch seine eigene Sprache alles andere als jargonfrei ist.
Aber zum Unterschied der Inhalte, zu meinen zwei Beispielen: Qualia und Metapherntheorie.
In der Theorie des Bewusstseins bei den Analytikern spielen die Qualia eine gewisse Rolle: Gibt es sie? Und sind sie vollständig reduzierbar auf physikalische Sachverhalte oder nicht? Oder taugen sie gar als Gegenargument gegen den Physikalismus (wie Frank Jacksons berühmtes Mary-Gedankenexperiment vorschlägt)? Qualia sind übrigens, das an dieser Stelle für die Nichtanalytiker, "phänomenale" mentale Inhalte -- die Zustände im Geist, die enthalten, wie es sich anfühlt, diese oder jene Erfahrung zu machen. Das Lieblingsbeispiel dafür sind Farben: Wissen, wie es ist, eine Farbe zu sehen, ist nicht dasselbe, wie die physikalischen Eigenschaften einer Farbe zu kennen (etwa: Wellenlänge des Lichts).
Die Analytiker beschäftigen sich also damit, ob es Qualia gibt, welche es gibt, und was das bedeutet, wenn es welche gibt.
Die kontinentale Philosophie, z.B. der Phänomenologen, bezweifelt nicht, dass es Qualia gibt; der Begriff macht dort keinen rechten Sinn. Es geht eher darum, welche Bewusstseinsinhalte wir haben und wie die sich zu uns als erkennenden Subjekten und zur Welt verhalten. Phänomenologen analysieren (u.a.), wie es sich anfühlt, diese oder jene Erfahrung zu machen. Heideggers Analytik des Daseins ist der Versuch, das Menschliche von Innen heraus zu bestimmen, die Grundlagen des Erlebens überhaupt zu beschreiben. Dabei geht er deutlich weiter als Kant, der ja nur von den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt handelte; Heidegger möchte wissen, was das menschliche Leben und Erkennen bedingt und beschränkt. Dabei kommen dann auch die berühmte "Angst" oder das "Verlieren ans Man" zur Sprache; das sind eben Versuche, konkret Züge des menschlichen Lebens zu beschreiben.
Das zweite Beispiel: Metapherntheorie. Die klassische Theorie der Metapher stammt aus der (antiken) Rhetorik. Sie scheint der Vorstellung zu gehorchen, dass sich alles, was sich sagen lässt, klar sagen lässt. :-) Der Redner überlegt sich, was er sagen will (Inhalt), dann überlegt er sich, wie er das wirkungsvoll rüberbringt. Dabei ersetzt er Teile seiner klaren aber schmucklosen Rede durch rhetorische Figuren: die sagen prinzipiell dasselbe, aber in anderer Form, oder Bühlersch gedacht: sie haben die gleiche Darstellungsfunktion, aber mehr Appell etc.
Dass diese Theorie nicht ganz hinreicht, ist vielleicht keine Überraschung. Die kontinentale Philosophie -- in Gestalt einiger ihrer postphänomenologischen Vertreter -- hat vorgeschlagen, alles Sprechen als metaphorisch zu verstehen, weil jedes sprachliche Zeichen sich als Substitution eines anderen Zeichens verstehen lässt. Sprachliche Zeichen kommen nie bei den Dingen an. Wie das gemeint ist, sieht man z.B. in einem Wörterbuch, wo die Bedeutung eines Worts mit weiteren Worten erklärt wird, und deren Bedeutung, macht man sich die Mühe, nachzuschlagen, natürlich ebenfalls mit weiteren Worten. Das gilt umso mehr für von vornherein übertragende Redeweisen wie die Metapher. Die Sprache gerät ins Schwimmen., zumal man nicht beschränken kann, auf welche Zeichen ein Zeichen verweist, da dieser Verweis ebensosehr konventionell wie willkürlich geschieht. Während in der klassischen Rhetorik die Vorstellung herrscht, dass, was eine Metapher bedeutet, komplett der Kontrolle des Rhetors unterliegt, kommt diese Theorie zum umgekehrten Schluss. Die These vom "Tod des Autors" hat da ihre Wurzeln (und ist natürlich eine Metapher).
Was sagt die analytische Theorie zur Metapher? Verschiedenes -- aber ich nehme das andere Extrembeispiel, nämlich Donald Davidsons What metaphors mean. Davidson meint, dass eine Metapher nichts anderes bedeutet, sondern einfach sich selbst. Sie ist keine Substitution. (Im Hintergrund muss man dies wohl mit Davidsons Sprachtheorie zusammendenken.)
Unterschiedlicher könnten die Standpunkte kaum sein. Ist vielleicht auch klar geworden, warum, plakativ gesprochen, Kontinentalphilosophen keine Angst vor Naturwissenschaften haben müssen. Wie es sich anfühlt, ein Mensch zu sein, darüber können Naturwissenschaften nichts sagen: das ist nicht reduzierbar auf physikalische Gehalte. Und überhaupt sieht eine Wissenschaft, deren Vorstellung vom Sprachgebrauch so simpel ist wie die Physik (eine Theorie ist ein Modell der Wirklichkeit), den komplexen Funktionszusammenhang der Sprache nicht. Auf der anderen Seite müssen solche Philosophen allerdings Angst haben vor den Betriebswirten, die die Lehre an der Uni auf Effizienz trimmen...
Frau Schmidt hat in diesem Streit Argumente vermisst -- das wundert nicht, denn häufig hält jeder der Einäugigen den andern für blind. Worin unterscheiden sich die Kontinentalen von den Analytikern? Keine neue Frage. Keine neuen Antworten:
In der Sprache, sicher. Aber auch in den Inhalten. Dafür zwei Beispiele. Zuvor muss man sich klar machen, dass genauso wie die Analytiker die Kontinentalen keine homogene Gruppe sind; sie sind eher noch heterogener als die anderen. Von analytischer Perspektive aus müsste es sonst seltsam erscheinen, dass Adorno Heidegger eines "Jargons der Eigentlichkeit" beschuldigen konnte, wo doch seine eigene Sprache alles andere als jargonfrei ist.
Aber zum Unterschied der Inhalte, zu meinen zwei Beispielen: Qualia und Metapherntheorie.
In der Theorie des Bewusstseins bei den Analytikern spielen die Qualia eine gewisse Rolle: Gibt es sie? Und sind sie vollständig reduzierbar auf physikalische Sachverhalte oder nicht? Oder taugen sie gar als Gegenargument gegen den Physikalismus (wie Frank Jacksons berühmtes Mary-Gedankenexperiment vorschlägt)? Qualia sind übrigens, das an dieser Stelle für die Nichtanalytiker, "phänomenale" mentale Inhalte -- die Zustände im Geist, die enthalten, wie es sich anfühlt, diese oder jene Erfahrung zu machen. Das Lieblingsbeispiel dafür sind Farben: Wissen, wie es ist, eine Farbe zu sehen, ist nicht dasselbe, wie die physikalischen Eigenschaften einer Farbe zu kennen (etwa: Wellenlänge des Lichts).
Die Analytiker beschäftigen sich also damit, ob es Qualia gibt, welche es gibt, und was das bedeutet, wenn es welche gibt.
Die kontinentale Philosophie, z.B. der Phänomenologen, bezweifelt nicht, dass es Qualia gibt; der Begriff macht dort keinen rechten Sinn. Es geht eher darum, welche Bewusstseinsinhalte wir haben und wie die sich zu uns als erkennenden Subjekten und zur Welt verhalten. Phänomenologen analysieren (u.a.), wie es sich anfühlt, diese oder jene Erfahrung zu machen. Heideggers Analytik des Daseins ist der Versuch, das Menschliche von Innen heraus zu bestimmen, die Grundlagen des Erlebens überhaupt zu beschreiben. Dabei geht er deutlich weiter als Kant, der ja nur von den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt handelte; Heidegger möchte wissen, was das menschliche Leben und Erkennen bedingt und beschränkt. Dabei kommen dann auch die berühmte "Angst" oder das "Verlieren ans Man" zur Sprache; das sind eben Versuche, konkret Züge des menschlichen Lebens zu beschreiben.
Das zweite Beispiel: Metapherntheorie. Die klassische Theorie der Metapher stammt aus der (antiken) Rhetorik. Sie scheint der Vorstellung zu gehorchen, dass sich alles, was sich sagen lässt, klar sagen lässt. :-) Der Redner überlegt sich, was er sagen will (Inhalt), dann überlegt er sich, wie er das wirkungsvoll rüberbringt. Dabei ersetzt er Teile seiner klaren aber schmucklosen Rede durch rhetorische Figuren: die sagen prinzipiell dasselbe, aber in anderer Form, oder Bühlersch gedacht: sie haben die gleiche Darstellungsfunktion, aber mehr Appell etc.
Dass diese Theorie nicht ganz hinreicht, ist vielleicht keine Überraschung. Die kontinentale Philosophie -- in Gestalt einiger ihrer postphänomenologischen Vertreter -- hat vorgeschlagen, alles Sprechen als metaphorisch zu verstehen, weil jedes sprachliche Zeichen sich als Substitution eines anderen Zeichens verstehen lässt. Sprachliche Zeichen kommen nie bei den Dingen an. Wie das gemeint ist, sieht man z.B. in einem Wörterbuch, wo die Bedeutung eines Worts mit weiteren Worten erklärt wird, und deren Bedeutung, macht man sich die Mühe, nachzuschlagen, natürlich ebenfalls mit weiteren Worten. Das gilt umso mehr für von vornherein übertragende Redeweisen wie die Metapher. Die Sprache gerät ins Schwimmen., zumal man nicht beschränken kann, auf welche Zeichen ein Zeichen verweist, da dieser Verweis ebensosehr konventionell wie willkürlich geschieht. Während in der klassischen Rhetorik die Vorstellung herrscht, dass, was eine Metapher bedeutet, komplett der Kontrolle des Rhetors unterliegt, kommt diese Theorie zum umgekehrten Schluss. Die These vom "Tod des Autors" hat da ihre Wurzeln (und ist natürlich eine Metapher).
Was sagt die analytische Theorie zur Metapher? Verschiedenes -- aber ich nehme das andere Extrembeispiel, nämlich Donald Davidsons What metaphors mean. Davidson meint, dass eine Metapher nichts anderes bedeutet, sondern einfach sich selbst. Sie ist keine Substitution. (Im Hintergrund muss man dies wohl mit Davidsons Sprachtheorie zusammendenken.)
Unterschiedlicher könnten die Standpunkte kaum sein. Ist vielleicht auch klar geworden, warum, plakativ gesprochen, Kontinentalphilosophen keine Angst vor Naturwissenschaften haben müssen. Wie es sich anfühlt, ein Mensch zu sein, darüber können Naturwissenschaften nichts sagen: das ist nicht reduzierbar auf physikalische Gehalte. Und überhaupt sieht eine Wissenschaft, deren Vorstellung vom Sprachgebrauch so simpel ist wie die Physik (eine Theorie ist ein Modell der Wirklichkeit), den komplexen Funktionszusammenhang der Sprache nicht. Auf der anderen Seite müssen solche Philosophen allerdings Angst haben vor den Betriebswirten, die die Lehre an der Uni auf Effizienz trimmen...
21 Januar 2006
Continental vs. analytisch
Die Philosophie eines Reifenherstellers? -- Die Brille, durch die man vom großen Teich und jenseits des Kanals auf die Philosophie hierzulande blickt, gleicht zuweilen der Lupe eines Insektensammlers: klassifizierend hier, zerpflückend dort. Über den Erfolg des Zerpflückens kann man streiten; die Kritik etwa von Scruton an Foucault oder von Putnam an Derrida (hier ein Interview mit Putnam von 1992, wo er kurz darauf eingeht) finde ich nachvollziehbar und bedenkenswert. Wie steht's mit dem Klassifizieren? Da kommt das neue Buch Continental philosophy : a contemporary introduction von Andrew Cutrofello gerade recht. Kenntnisreich in beiden Traditionen kann Cutrofello eine Perspektive einnehmen, die die Verwandtschaften und die Ähnlichkeit der Fragestellungen sichtbar macht: wir sind alle Erben Kants; wir haben nur jeweils einen anderen Teil der Erbschaft angenommen.
06 Dezember 2005
Wie sich Religion und Analytische Philosophie vertragen
Dass man gleichzeitig an Gott glauben und Philosoph sein kann, war früher nix besonderes -- man denke nur an die philosophischen Systeme, die Gott voraussetzen, wie die von Descartes, Leibniz oder Bischof Berkeley. Heutzutage ist das vielleicht nicht mehr ganz so selbstverständlich, und so tendieren einige, die ich kenne, dazu, per Autorität zu begründen: Wenn z.B. für Hilary Putnam Glaube und Philosophie vereinbar sind (vgl. diese Rezension von ihm, 4.letzter Absatz), dann doch für mich (kleines philosophisches Licht) erst recht.
Wer nicht ganz so viel auf die Autorität und mehr aufs Selberdenken geben möchte, findet ein paar Anregungen dazu in dem neuen Sammelband Faith and philosophical analysis : the impact of analytical philosophy on the philosophy of religion, hg. von Harriet A. Harris und Christopher J. Insole (hier eine Rezension von Benjamin Murphy im Online-Journal für Religionsphilosophie, Ars disputandi).
Wer nicht ganz so viel auf die Autorität und mehr aufs Selberdenken geben möchte, findet ein paar Anregungen dazu in dem neuen Sammelband Faith and philosophical analysis : the impact of analytical philosophy on the philosophy of religion, hg. von Harriet A. Harris und Christopher J. Insole (hier eine Rezension von Benjamin Murphy im Online-Journal für Religionsphilosophie, Ars disputandi).
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Analytische Philosophie,
Religion
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