Nina Gülcher und Irmela von der Lühe haben zusammen einen Aufsatzband herausgegeben: Ethik und Ästhetik des Mitleids. - Freiburg : Rombach, 2007. Frau von der Lühe mag ich sehr gern, seit ich sie in Göttingen kennengelernt habe, und das einzige, was mir von ihr fehlt, ist eigentlich mal wieder ein Buch. Aber es scheint, als ließe sich ihre Forschung nicht so monographisch zusammenfassen.
Das hier genannte Buch ist jedenfalls auch als Hinweis auf Käte Hamburgers Werk Das Mitleid zu verstehen, und tut damit mir den weiteren Dienst, mich an Hamburger zu erinnern. Von der habe ich nach der Logik der Dichtung nichts mehr gelesen.
Ist ein Zufall, dass das Buch gerade in der Woche auf meinem Schreibtisch liegt, da im ZEIT-Magazin ein Gespräch über die neurologischen Grundlagen von Mitleid und Mitgefühl zu lesen ist, unter anderem über die sogenannten Spiegelneuronen. Das sind Nervenzellen, die aktiv werden, wenn man eine Handlung beobachtet, und ihr Aktionsmuster gleicht dem des Selbertuns. Für Literaturtheoretiker ein gefundenes Fressen, denke ich, sofern sich zeigen ließe, dass es genügen würde, eine Handlung nur zu lesen (statt sie im Video zu sehen). Das würde eine der großen Fragen beantworten, das Hekuba-Problem.
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15 Mai 2008
17 März 2008
Sind Gefühle modular aufgebaut?
Und was bedeutet das?
Das Supplementary Volume 32 zum Canadian Journal of Philosophy trägt den Titel The modularity of emotions (Calgary : University of Calgary Press, 2008), herausgegeben von Luc Faucher und Christine Tappolet. Die Beiträge des Bandes gehen der "meistdiskutierten" Frage in der Gefühlstheorie nach, ob Gefühle nämlich "modular" seien. Dazu werden anfangs verschiedene Konzeptionen von Modularität vorgestellt, unter anderem von Chomsky, von Fodor. Im Fodorschen Sinne scheint erst einmal nicht gemeint, dass Gefühle zueinander modular sind, also dass mehrere Basismodule Gefühle sich zu einem aktuell gefühlten Gefühlsmischmasch zusammensetzen lassen, sondern dass die Module bestimmte voneinander unterscheidbare Eigenschaften und Funktionen haben. Fodor als Funktionalist meinte außerdem (fassen die Herausgeber zusammen), dass sich diese Module unterschiedlich in der Hardware Gehirn wiederfinden, so dass z.B. ein Gehirnschaden nur die Gefühlsmodule beeinträchtigen würde, die in der beschädigten Region liegen. -- Anscheinend gibt es auch ein evolutionstheoretisch geprägtes Verständnis von Modularität, dass Einheiten unterscheidet, deren Herausbildung einzeln mit evolutionären Vorteilen erklärt werden kann.
Abhängig davon, wie Modularität überhaupt verstanden wird, geht es den Autoren dann um die Standardfragen, also z.B. die, ob Gefühle irrational sind oder nicht. -- Der Verlag hat's leider nicht fertig gebracht, das Inhaltsverzeichnis auf seiner Homepage anzuzeigen, und die Umschlaggestaltung ist auch nicht das Gelbe vom Ei.
Das Supplementary Volume 32 zum Canadian Journal of Philosophy trägt den Titel The modularity of emotions (Calgary : University of Calgary Press, 2008), herausgegeben von Luc Faucher und Christine Tappolet. Die Beiträge des Bandes gehen der "meistdiskutierten" Frage in der Gefühlstheorie nach, ob Gefühle nämlich "modular" seien. Dazu werden anfangs verschiedene Konzeptionen von Modularität vorgestellt, unter anderem von Chomsky, von Fodor. Im Fodorschen Sinne scheint erst einmal nicht gemeint, dass Gefühle zueinander modular sind, also dass mehrere Basismodule Gefühle sich zu einem aktuell gefühlten Gefühlsmischmasch zusammensetzen lassen, sondern dass die Module bestimmte voneinander unterscheidbare Eigenschaften und Funktionen haben. Fodor als Funktionalist meinte außerdem (fassen die Herausgeber zusammen), dass sich diese Module unterschiedlich in der Hardware Gehirn wiederfinden, so dass z.B. ein Gehirnschaden nur die Gefühlsmodule beeinträchtigen würde, die in der beschädigten Region liegen. -- Anscheinend gibt es auch ein evolutionstheoretisch geprägtes Verständnis von Modularität, dass Einheiten unterscheidet, deren Herausbildung einzeln mit evolutionären Vorteilen erklärt werden kann.
Abhängig davon, wie Modularität überhaupt verstanden wird, geht es den Autoren dann um die Standardfragen, also z.B. die, ob Gefühle irrational sind oder nicht. -- Der Verlag hat's leider nicht fertig gebracht, das Inhaltsverzeichnis auf seiner Homepage anzuzeigen, und die Umschlaggestaltung ist auch nicht das Gelbe vom Ei.
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Gefühl
25 Juni 2007
Gefühle
In den letzten Jahren gibt's mehr und mehr philosophische Publikationen zum Thema: die rationalen Forscher entdecken das 'Andere' der Vernunft. Besonders hervorzuheben ist vielleicht der Band von Simo Knuuttila, Emotions in ancient and medieval philosophy (Oxford : Clarendon, 2004), wiewohl er natürlich keinen Überblick gibt darüber, wie Gefühle jetzt betrachtet werden.
Das tut aber der gerade bei Metzler erschienene Band Philosophie der Gefühle, den Christoph Demmerling und Hilge Landweer verfasst haben. Man findet dort neben einer systematischen Einleitung eine alphabetisch geordnete Sammlung zu 'zentralen' Gefühlen wie Achtung, Angst, Ekel, Freude, Liebe, Zorn, die jeweils umfangreich diskutiert werden. Die Autoren scheinen dabei sowohl mit der eher phänomenologischen Betrachtung als auch mit der analytischen Philosophie hinreichend vertraut, widmen sogar ein paar Seiten der Reflexion der Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Interessant finde ich auch den Rückbezug der "Gefühlstheorie" eines bestimmten Autors an das paradigmatische Gefühl, an dem sie entwickelt wurde; Demmerling und Landweer mühen sich, sowohl komplexen Gefühlen (wie Liebe) als auch einfachen Empfindungen (wie Ärger) gerecht zu werden; "Gefühlsdispositionen" und "Einstellungen" ebenso zu behandeln wie "akute Gefühle". Personen- und Sachregister sowie ausführliche Bibliographie runden das Buch ab. --
Im Kapitel über "Scham und Schuld" hätte ich mir eine Rückbindung an die öffentliche Diskussion des Scham-Begriffs in der Debatte nach Walsers Friedenspreis-Rede gewünscht; hier könnte das Buch ruhig etwas weiter weg sein von der akademischen Analyse.
[Update 22.1.2008] Den Trend bestätigt auch der Sonderband 14 der Deutschen Zeitschrift für Philosophie: Gefühle - Struktur und Funktion, hg. von Hilge Landweer: und darin natürlich auch einen Aufsatz von Demmerling. Landweer stellt einleitend fest, dass es zwar einen Haufen Publikationen gebe, aber ein "Resümee der bisherigen Debatten" ebenso ausstehe wie eine "Bündelung auf die strittigen Fragen hin". Das soll das Werk nun leisten.
[Update 3.12.08] Von Landweer und Ursula Renz herausgegeben ist soeben bei de Gruyter ein Band "Klassische Emotionstheorien" erschienen.
Das tut aber der gerade bei Metzler erschienene Band Philosophie der Gefühle, den Christoph Demmerling und Hilge Landweer verfasst haben. Man findet dort neben einer systematischen Einleitung eine alphabetisch geordnete Sammlung zu 'zentralen' Gefühlen wie Achtung, Angst, Ekel, Freude, Liebe, Zorn, die jeweils umfangreich diskutiert werden. Die Autoren scheinen dabei sowohl mit der eher phänomenologischen Betrachtung als auch mit der analytischen Philosophie hinreichend vertraut, widmen sogar ein paar Seiten der Reflexion der Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Interessant finde ich auch den Rückbezug der "Gefühlstheorie" eines bestimmten Autors an das paradigmatische Gefühl, an dem sie entwickelt wurde; Demmerling und Landweer mühen sich, sowohl komplexen Gefühlen (wie Liebe) als auch einfachen Empfindungen (wie Ärger) gerecht zu werden; "Gefühlsdispositionen" und "Einstellungen" ebenso zu behandeln wie "akute Gefühle". Personen- und Sachregister sowie ausführliche Bibliographie runden das Buch ab. --
Im Kapitel über "Scham und Schuld" hätte ich mir eine Rückbindung an die öffentliche Diskussion des Scham-Begriffs in der Debatte nach Walsers Friedenspreis-Rede gewünscht; hier könnte das Buch ruhig etwas weiter weg sein von der akademischen Analyse.
[Update 22.1.2008] Den Trend bestätigt auch der Sonderband 14 der Deutschen Zeitschrift für Philosophie: Gefühle - Struktur und Funktion, hg. von Hilge Landweer: und darin natürlich auch einen Aufsatz von Demmerling. Landweer stellt einleitend fest, dass es zwar einen Haufen Publikationen gebe, aber ein "Resümee der bisherigen Debatten" ebenso ausstehe wie eine "Bündelung auf die strittigen Fragen hin". Das soll das Werk nun leisten.
[Update 3.12.08] Von Landweer und Ursula Renz herausgegeben ist soeben bei de Gruyter ein Band "Klassische Emotionstheorien" erschienen.
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Gefühl
20 November 2006
Die Tugend der Eifersucht
Der Isländer Kristján Kristjánsson schreibt in seinem Buch Justifying Emotions : Pride and Jealousy (London : Routledge u.a., 2002, 2006 als Paperback) von der Rolle, die Gefühle in der Moral spielen. Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es ihm darum, die Gefühle gegen die Ansicht zu verteidigen, sie würden nur das moralische Urteil vernebeln und seien darum hinderlich. Kristjánsson hält hingegen Gefühle für essentiell, und das scheint mir zu stimmen: erstens um der Rolle willen, die Gefühle in der Handlungsmotivation spielen, zweitens um des Anteils der Gefühle am Charakter willen. Kristjánsson versucht außerdem zu zeigen, dass eine gefühlsmäßige Reaktion oft eine rationale Reaktion ist, dass Gefühle also die Wahrnehmung bestimmter Erfahrungen unterstützen und damit die Grundlage für moralische Entscheidungen verbessern. Vor diesem Hintergrund sind die ausführlichen Kapitel über Eifersucht und Stolz zu lesen und das Unterkapitel über "Jealousy as a virtue" (S. 161ff.).
22 Februar 2006
Die hässlichen Empfindungen
Friedhelm Decher nimmt in schöner Regelmäßigkeit Themen unter die philosophische Lupe, die jedem bekannt sind und gerade darum der Reflexion bedürfen. Das neueste Werk -- nach solchen zur Langeweile, zur Verzweiflung oder zum Selbstmord -- gilt dem Neid, von Decher "das gelbe Monster" genannt. Neben der philosophiehistorisch beschlagenen Geschichte des Nachdenkens über den Neid bietet Decher auch -- praktischer Philosoph, der er ist -- etwas für die Frage, wie man mit ihm zurechtkommen könnte.
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