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01 April 2008

Siedenbergs kosmologisches Axiom

Das ist eine dieser Kuriositäten. Ein Markus Siedenberg, der sich laut Klappentext "seit 20 Jahren systematisch mit philosophischen Fragen" beschäftigt, legt im "Europäischen Universitätsverlag", der sich auf seiner Webseite auch "Bochumer Universitätsverlag" nennt, ein Schriftchen von 52 Seiten vor, indem er die "schwierigste Frage der Philosophie" löst. Die Frage lautet "Warum existiert nicht Nichts?".
Als Antwort schlägt Siedenberg ein "neues kosmologisches Axiom" vor. Darum heißt das Buch auch "Siedenbergs kosmologisches Axiom"! Eigenlob im Klappentext: "Bei dieser originellen und verblüffenden Lösung der bisher ungelösten Jahrtausende alten Frage wird unser liebgewordenes, modernes "Weltbild" einer Kritik unterzogen, wie es sie so umfassend noch nicht gegeben hat."

Jawoll!
Was ist denn nun dieses Axiom? Tja, Siedenberg stellt sich zwei "Grenzen" des Kosmos vor, nämlich die "Materietotalität", in der man sich den Raum total ausgefüllt denken müsse, und die Abwesenheit jeglicher Materie (was er nicht so genau formuliert). Dann schreibt er: "Der untere kosmologische Grenzwert kann nicht erreicht werden, da nicht evident ist, wie Materie bzw. Strahlung vollständig verschwinden soll." (S. 13)
Weiter braucht man gar nicht zu lesen. Denn daraus folgt offensichtlich, dass nach Siedenbergs Auffassung die schwierigste Frage eigentlich lautet: "Warum ist immer noch etwas und nicht vielmehr nichts/Nichts?" Und die Antwort: Weil nicht evident ist, wie alles verschwinden soll.

Tja, auf der Impressums-Seite des Buches vermerkt der Verlag, dass die Serie "Denk-Schriften" des Verlags "non peer-reviewed papers" veröffentlicht. Kann man vielleicht auch übersetzen in die Feststellung, dass Autoren hier einfach dafür bezahlen, ihre Gedanken in die Öffentlichkeit zu tragen. Immerhin hat das Buch schon einen enthusiastischen Rezensenten bei Amazon gefunden, der fast wörtlich die Position des Autors zusammenfasst.

06 Dezember 2007

"Dieses Buch ist voller Fehler"

schreibt ein gewisser Holger Pinter über Wittgensteins Tractatus, und fährt fort: "Die meisten hat Wittgenstein selbst erkannt und in Philosophische Untersuchungen verbessert. Wenn Sie ein hochgebildeter Mensch sind, wird der poetische Nutzen des Tractatus für Sie größer sein als der wissenschaftliche". So als Fn. 14 in seinem Werk "Macht, Erfolg und andere Werte : sozialdarwinistische Ethik in Theorie und Praxis", welches in einem Verlag mit dem vielsagenden Namen Edition Esoterick 2007 erschienen ist.
Hhm. Vielleicht taugt das als Bildungstest? Für mich war der wissenschaftliche Nutzen von LWs Tractatus auch immer gering.
Hochmut kommt vor dem Fall. Pinter hat eine MySpace-Seite, auf der er sich in unverstellter Unverfrorenheit als der Weisheit letzter Verteidiger (und Nietzsche-Abklatsch) vorstellt. Da fragt er sich selbst: "Sie sind wahrscheinlich der letzte Philosoph, der Wert auf humanistische Bildung legt. Welchen akademischen Abschluss haben Sie?" Antwort, natürlich: Keinen. Er hat sich nämlich für so viel interessiert, dass er nix zu Ende gebracht hat.
Haha. Ich denke, es stimmt weder die explizite noch die implizite These: natürlich ist Pinter nicht der letzte Philosoph, der Wert auf humanistische Bildung legt, und sein Buch, das mir vorliegt, ist auch nicht wirklich Philosophie, sondern eher eine Art Ratgeber, dessen Tonlage dieses Zitat der ersten Seiten "Wissen ist Macht und Macht ist geil" ganz gut wiedergibt. Da schreibt Pinter dann auch, er wolle sich nicht an die Regeln halten, nach denen wissenschaftliche Aufsätze verfasst würden, weil er "die Regeln von einem konstruktivistischen Standpunkt aus für nicht mehr vertretbar" halte. Ok ok. Braucht niemand einen wissenschaftlichen Aufsatz zu schreiben. Aber wer solche Sätze schreibt, also die vage Pflicht spürt, begründen zu müssen, warum er nicht wissenschaftlich schreibt, sollte sich doch einen besseren Grund ausdenken: Wäre mir neu, dass der Konstruktivismus vertritt, dass es keine Wissenschaft mehr gibt, und keine Methoden.
In typischem Besserwissergestus ist auf seiner MySpace-Seite festgestellt, dass er neben diesem und jenem auch Leute nicht mag, die mit der Grammatik nicht zurecht kommen. Solches kann ich nun wieder nicht ausstehen: diese Eigenart, auf Äußerungen von anderen zu reagieren mit: "Hey, das finde ich falsch, und außerdem hast Du's nicht mal richtig geschrieben".

15 Juli 2006

BlaBla

"Die Sprachverfasstheit jedweder menschlicher Intersubjektivität individueller Neuromentalsysteme erweist sich als offenkundig, sobald sich deren Kommunizierbarkeit verständigungspraktisch erzwingt."

Aaaah, Neuromentalsystem überlastet, zu viel Information ...
Lösch, lösch, lösch.

27 Februar 2006

Möglichst breite Ansätze

Möchten Sie ein Buch lesen, dass solche verspricht? Es heißt Bunte Vertiefungen : ein geistiges Weltbild und stammt von Reinhard Wieltschnig, erschienen im Gleit Verlag. Ich zitiere aus dem Klappentext; aus Versehen habe ich das für Philosophie gehalten:
Ziel sind möglichst breite Ansätze, sei es mit Blick auf die Welt oder in der Hinwendung zu wesentlichen Fragen. Das stützt jeden, der nicht nur sein eigenes Leben ergründen will, sondern auch auf Gott, die ganz tiefe Vergangenheit, das gegenwärtige Sein und die Zukunft eingehen will. Das sichert dem Werk in der Literatur für geistiges Leben einen hervorragenden Platz. Es wird zum wertvollen Geschenk, auch an sich. Ihr Motto: Jetzt aber (wieder) einmal was ganz Feines, etwas mit Tiefgang. Ob das eine oder das andere, Sie möchten keine alltägliche Leberwurst erstehen.
In verblüffend anschaulicher Weise wird man mit sich selbst und darüber hinaus mit vielen Urgründen bekannt. Sie berühren in diesem neuen Renner tiefste Anschauungen. Die Vertrautheit mit ihnen ermöglicht es, verborgenen Zusammenänge erkennen zu können, die in ihrer Bedeutung viel wesentlicher sind, als es im ersten Augenblick erscheinen mag. Der Leser stellt dann nicht unberechtigt fest, dass mit Hilfe innerer Einstellung bei der Bewältigung von Schwierigkeiten wichtige Unterstützung erfahren ist.
Das ist der Klappentext. Ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, dass Pseudophilosophie häufig in schlechtem Stil vorgetragen wird?