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12 Februar 2007

Philosophie in Deutschland 1933-1945

Marion Heinz und Goran Gretic haben bei Königshausen und Neumann die Frucht zweier Tagungen an der Uni Siegen herausgegeben, die sich dem Thema Philosophie und Nationalsozialismus widmeten: als Sammelband Philosophie und Zeitgeist im Nationalsozialismus, Würzburg 2006 (hier Inhaltsverzeichnis). Ich finde besonders den ersten der drei Teile, "zeitgeschichtliche Resonanzen" interessant; dort geht z.B. Olivier Agard auf die "Resonanz" der deutschen Philosophie der Zeit in Frankreich ein, und Ilse Korotin beleuchtet, wie der Sicherheitsdienst des Reichsführer SS deutsche und österreichische Philosophen beobachtete. Ein bisschen zu fehlen scheint mir die Perspektive des Übergangs von der Weimarer in die NS-Zeit und die Institutionengeschichte, etwa im Wandel von Zeitschriften, z.B. des Logos, die bis 1933 Internationale Zeitschrift für Philosophie der Kultur im Untertitel hieß und für die es auch Pläne für internationale Parallelausgaben gab. Darin schrieb, wer Rang und Namen hatte. Flugs wurde sie 1933 umbenannt zur Zeitschrift für Deutsche Kulturphilosophie. Was sich in der Namensänderung zeigt, ließe sich ja sicherlich auch ausführlicher in den Beiträgen festmachen.

05 November 2006

Wer ist der Vater der Amerikanischen Philosophie?

Na?
John Locke natürlich. Meint Morton White, im ersten Kapitel seiner Anthologie Documents in the history of American philosophy, die 1972 bei Oxford UP erschienen war. Locke "probably exerted more influence on early America thought than any other single man". Aber dann geht es im 18. Jahrhundert mit Jonathan Edwards und James Wilson los, Prediger der eine, Politiker der andere. Für das 19. Jahrhundert hält sich White weiterhin an die Idee "that philosophy in America is not merely philosophy written by Americans", und bringt Auszüge aus dem Werk Coleridges, bevor man George Ripley, Ralph Waldo Emerson und Theodore Parker lesen kann. Bis auf Emerson sind mir vor allem die Namen der Briten vertraut... Erst wenn, nach Herbert Spencer (wieder ein bekannter Engländer), John Fiske, Chauncey Wright, J. B. Stallo, endlich die Pragmatiker Peirce und James sowie der Idealist Royce genannt werden, schließlich Santayana und Dewey, kommen die mir bekannten Namen. Amerikanische Philosophie: eine unbekannte Geschichte.

[Update 6.11.] Gerade gesehen, dass White auch noch ein eigenes Buch zur Amerikanischen Philosophie veröffentlicht hat: Science and sentiment in America : philosophical thought from Jonathan Edwards to John Dewey (OUP 1972), sozusagen der Kommentar zum Reader.

01 Oktober 2006

Johann Daniel Friedrich Rumpf 1833 über Intelligent Design

Der preußische Hofrath verfasste eine Argumentationslehre. Bei den Beispielen handelt er auch die Gottesbeweise ab. Den aus der Zweckmäßigkeit der Welt nennt er den "Physiko-theologischen Beweis" und schreibt dazu:
... so ist freilich nicht zu läugnen, daß eine Menge von Gegenständen in der Sinnenwelt von der Art sind, daß wir ihre Einrichtung nicht anders begreifen können, als wenn wir einen Zweck, einen Absicht aufsuchen, weshalb sie so eingerichtet sind. Es ist also die Zweckmäßigkeit für uns ein Erklärungsgrund, wenn wir mit den mechanischen Ursachen nicht ausreichen; allein aus dem Unstande, daß wir die Einrichtung gewisser Dinge nicht anders begreifen können, als wenn wir annehmen, daß sie nach einem bestimmten Zwecke hervorgebracht sind, folgt noch gar nicht, daß ein solches Ding wirklich einen vernünftigen Urheber habe. Es ist dies nichts als eine Hypothese, also kein Beweisgrund. Man würde ja sonst schließen, "was ich nicht erklären kann, ist so," und das wird doch wohl Niemand behaupten.
Ferner erschleicht der physiko-theologische Beweis die Annahme Eines Urhebers der Welt, denn er vergleicht die Natur als ein zweckmäßiges Ganzes mit einem menschlichen Kunstwerke, und nimmt analogisch an, weil das, was wir von der Welt kennen, zusammenstimmend ist, so wird Alles zusammenstimmend sein, ob wir gleich die Natur nur dem kleinsten Theile nach kennen, mithin durch einen gewaltigen Sprung im Schließen, aus der Zweckmäßgikeit des bekannten Theils auf die durchgängige Zweckmäßigkeit des unbekannten Theils einen Schluß machen. Dies ist hier um so mehr der Fall, da uns in der Welt Manches als unzweckmäßig, selbst als ein Übel erscheint; man müßte sich durchaus auch darauf einlassen, dieses anscheinend Zweckwidrige in der Welt zu erklären und die Gottheit zu rechtfertigen. Man würde sich aber nicht auf die Unmöglichkeit berufen dürfen, die Weisheit Gottes zu ergründen, denn sonst würde man einen Zirkel im Beweise machen. Man würde nämlich von der Zweckmäßigkeit der Sinnenwelt auf das Dasein eines allweisen Urhebers, und von diesem schließen, daß Alles, was in der Welt sich findet, -- auch das anscheinend Unzweckmäßige -- zweckmäßig sein müsse.
Aber gesetzt auch, die Welt sei von einem vernünftigen Wesen hervorgebracht, so können wir doch höchstens nur annehmen, dieses Wesen habe so viel Kraft und so viel Verstand gehabt, als dazu gehört, um diese Welt zu machen, nicht aber, daß es den höchsten Verstand, und die höchste Kraft besitze. Wir würden von der Welt höchstens nur auf einen mächtigen, weisen und gütigen Bildner oder Baumeister schließen können, der wie ein menschlicher Künstler einem gegebenen Stoff eine zweckmäßige Form ertheilte, keinesweges aber auf ein allerhöchstes Wesen.
Der physiko-theologische Beweis kann also nicht als strenger Beweis für das Dasein Gottes gelten.
Johann Daniel Friedrich Rumpf: Die Disputir- und Vortragskunst : eine praktische Anleitung zum logischen Beweisen und Widerlegen und zum folgerichtigen Gedankenvortrage; gemeinfasslich dargestellt und durch Beispiele anschaulich gemacht. - Berlin : Hayn, 1833, hier S. 153-154.

05 September 2006

Medientheorie der Aufklärung

Georg Stanitzek und Hartmut Winkler haben ein Kuriosum ausgegraben: die Fragmente über den Ideenumlauf des Auklärers Josias Ludwig Gosch, 1789 in Kopenhagen erschienen. Gosch ist so unbekannt, dass von ihm weder Wikipedia noch der aktuelle Brockhaus etwas wissen. Das Vorwort immerhin erläutert ihn als "schillernde Figur", und die nun im neu gesetzten Nachdruck vorliegenden Fragmente seien "in mehrerer Hinsicht von großem Interesse": als Quelle für das Medienverständnis der Aufklärung ebenso wie als ein neuentdeckter Klassiker mit durchaus modernen Ansätzen. Der Blick auf die Zirkulation der Ideen, für Gosch die Voraussetzung für ihre "ewige Dauer", ist in einer Zeit, die mehr den Ideen selbst zugewandt ist, jedenfalls etwas Originelles!

25 Juli 2006

Vorurteile 1801

Gerade habe ich hier ein kurioses kleines Büchlein, die Anthropologischen Abhandlungen von Karl Ludwig Pörschke, noch zu Lebzeiten Kants 1801 in Königsberg veröffentlicht (und hier für 3 Euro als Scan zu kaufen). Pörschke meint, wenn man die "herrschende Neigung oder Leidenschaft" eines Menschen kenne, bereits "das Hauptmittel, ihn zu erforschen" besitze. Und trägt dann vor, was er für die "herrschenden Neigungen" der Völker hält; schließlich müsste sich ja angeben lassen, wenn einzelne Menschen solche Leidenschaften hätten, welche in einem Volk die stärkste sei.
Ich fasse das mal zusammen :-), nicht gerade ad usum delphini...
Nach Pörschke ist die herrschende Neigung der Spanier die Ruhe: "da sie in dem heißen Klima den Hang zur Unthätigkeit zu einem Bestandtheile ihres Wesens gemacht zu haben scheinen" (S. 214).
Von den Engländern meint Pörschke: "ihre herrschende Neigung ist offenbar das Eigenthum, (und der Genuß desselben,) um dessentwillen sie die Gerechtigkeit und Menschlichkeit nicht selten mit Füßen treten, und gern alle Völker tyrannisieren möchten" (S. 218-219). Positiv gesprochen: Frühe Kolonialismuskritik?
Franzosen: "die Geselligkeit ist ihr Bedürfniß, sie theilen sich gern und mit Leichtigkeit mit" (S. 225). Das hat leider dazu geführt, dass die Franzosen "die Disciplin der Weiber und de[n] Wohlstand oft vernachläßigt" haben. (S. 232)
Deutsche: "die Neigung zur Ehre" beherrsche die Deutschen, was dazu führe, dass sie gegenüber anderen Völkern, deren Meinung sie höher achteten als die eigene, "unterwürfig" seien.
Italiener: ihre herrschende Neigung sei der "Geschmack", gemeint: die Neigung "zu Genüssen der Werke der Einbildungskraft, oder ein Wohlgefallen an dem Schönen". Das schlage sich auch in den Umgangsformen nieder, die sehr fein ausgebildet seien.

Ein paar Konstanten zu heutigen Vorurteilen kann man schon erkennen...

16 Juli 2006

Bewusstsein, historisch

Den Versuch einer echten Geistes-Geschichte macht Vwadek P. Marciniak in seinem 500-Seiten-Wälzer Towards a history of consciousness : space, time, and death (New York : Lang, 2006). Es handle sich, meint Marciniak selbstbewusst, um den in der Ideengeschichte am meisten vernachlässigten Gegenstand, außerdem sei Bewusstsein "the most ambiguous of terms". Entsprechend ist die Ideen- zugleich Begriffsgeschichte.
Die muss man aber gegen etwas halten: zum Beispiel gegen das eigene Verständnis des gemeinten Phänomens. Nützlich wäre also zu wissen, bei dem Thema, was Bewusstsein eigentlich ist. Da greift Marciniak sinnvollerweise über die Grenzen seiner Disziplin hinaus, dabei zugleich die Entwicklung der zeitgenössischen Diskussion reflektierend.
Das Buch folgt der interpretierbaren Quellenüberlieferung, beginnt also vor der europäischen Antike, und endet, im Prinzip, in der Gegenwart. Das ist für sich schon eine eindrucksvolle Leistung, finde ich. Marciniaks These: Neben der Reflexion von Erkenntnisvorgängen spielt die Angst vor dem Tod eine wichtige Rolle bei der Entstehung des "inneren Lebens".
Das eigentliche Ende des Buches ist aber eine Reihe von Fragen, die Marciniak stimuliert zu haben hofft, von denen ein Teil sich so zusammenfassen lässt: sind höhere Formen von Bewusstsein möglich als die von uns erreichten? Wie sähen die aus?

Das ist eine bemerkenswerte Frage, finde ich, weil sie einen Schritt über Grenzen versucht, die wir noch gar nicht sehen können und die möglicherweise gar nicht da sind. Anscheinend träumt Marciniak von einem "poly-conscious state of mind". Naja, der Klappentext verspricht ja auch "provocative directions" für den "serious student and thinker".

17 Juni 2006

Kants Quellen

Von wem hat Kant gelernt? Wo ist er seinen Vorläufern im 17. und 18. Jahrhundert näher, als es die Selbststilisierung von der kopernikanischen Wende der Philosophie vermuten lässt? Ein paar Antworten darauf hat der prallvolle Sammelband Les sources de la philosophie kantienne, herausgegeben von Robert Theis und Lukas K. Sosoe (Paris : Vrin, 2005). Er enthält die Vorträge eines Kolloquiums 2003. Neben üblichen Verdächtigen (wie Leibniz oder Baumgarten) werden dort auch unbekanntere als Anreger genannt, z.B. die "Juristen seiner Zeit" (Aufsatz von Simone Goyard-Fabre). Dass die lutherische Theologie eine Quelle der kritischen Philosophie sei (Hilmar Lorenz), hat mich überrascht; und auch der Blick in die zeitgenössische Naturwissenschaft fördert Erhellendes zutage, etwa wenn Christiaan Doude von Troostwijk fragt, ob Buffon mit seiner großen Naturgeschichte "catalyseur de la critique" sei.

Leider bietet der Verlag kein komplettes Inhaltsverzeichnis auf seinen Seiten und macht auch aus technischen Gründen den Link auf die Katalogseite unmöglich.

04 Mai 2006

Die Geschichte der "Wahrheit"

Markus Enders und Jan Szaif haben soeben ein Buch herausgegeben, das ich schon lange vermisst habe: statt der üblichen systematischen Übersicht über Wahrheitstheorien, wie man sie z.B. von Lorenz Puntel kennt, bieten sie einen Sammelband Die Geschichte des philosophischen Begriffs der Wahrheit. Enders lehrt christliche Religionsphilosophie in Freiburg und hat schon Anselms "Über die Wahrheit" (erschienen bei Meiner) übersetzt; Szaif ist Privatdozent in Bonn. In 17 Kapiteln wird eine recht umfassende Geschichte des Wahrheitsbegriff in der abendländischen Philosophie geboten; das Buch taugt daher zugleich als kleine Geistesgeschichte. Besonders spannend ist es, unterschiedliche aber synchron gebrauchte Wahrheitsbegriffe nebeneinander zu halten, wie man das anhand der letzten Kapitel zu Husserl, Heidegger und Gadamer (von Holger Zaborowski) und zur analytischen und pragmatischen Tradition (von Richard Schantz) tun kann. Aber auch in den Kapiteln zur frühen Geschichte lassen sich z.B. Neuplatonismus (Ludwig Fladerer) und Frühes Christentum (Ludwig Böhm) mit Gewinn nebeneinander halten
Der Band versteht sich als "Referenzwerk", und das ist er geworden!

27 April 2006

Was ist Philosophie?

Vielleicht reicht's ja, notwenige und hinreichende Bedingungen dafür anzuführen, wann etwas Philosophie ist? :-) Oder wir definieren ostensiv (ideal im Hyperspace: der Link taugt dafür bestens): also dieses Stück Text dort ist jedenfalls Philosophie (aber doch nicht der Text, doch die Gedanken, ich höre förmlich Wittgenstein sagen: "Versuche auf den Gedanken zu zeigen").
Reclam (Stuttgart) hat ein kleines Büchlein rausgebracht, dass, nein, nicht Antworten sammelt, aber Textauszüge, die sich als Antworten interpretieren lassen. Es heißt Was ist Philosophie? : Programmatische Texte von Platon bis Derrida, Rolf Elberfeld ist der Herausgeber. Natürlich geht es nur um unsere, die westliche Philosophie, natürlich fängt die bei den alten Griechen an, nicht ganz so natürlich hat Derrida das letzte Wort. Die Analytiker kommen darin übrigens kaum zu Wort, wenn man mal von Carnap und Russell absieht, der ja -- ein anderes Thema -- 1950 den Nobelpreis für Literatur bekommen hat und damit vielleicht ein Kandidat zumindest für den Posten des höchstgeehrten philosophischen Stilisten ist.
Der Sammelband verrät einem nicht, was Philosophie ist -- da die Texte nicht dazu geschrieben wurden, diese Frage zu beantworten. So ist hier von Popper ein Textle aus der Logik der Forschung zitiert, bei dem man den Eindruck gewinnen könnte, für Popper ist Philosophie über die Fragen bestimmt, die sie zu beantworten versucht, und für ihn ist nur die "Kosmologie" eine interessante Frage. Woraus stracks folgt, dass die Logik der Forschung selbst keine Philosophie ist...

09 April 2006

Rassismus in der modernen Philosophie

Andrew Valls hat ein Buch zusammengestellt mit dem Titel Race and racism in modern philosophy (Ithaca : Cornell UP, 2005) (Inhaltsverzeichnis als pdf). Die darin enthaltenen Aufsätze gehen den Spuren rassistischen Denkens im Werk einzelner Philosophen nach, von Descartes über Leibniz und Hume bis Marx und Nietzsche. Zudem beschäftigen sie sich mit der Frage, ob die rassistischen Theorien eines Philosophen -- z.B. Kants Ansichten über die verschiedenen Menschenrassen in seinen Vorlesungen -- etwas zum Verständnis seiner übrigen Theorien (Ethik, Erkenntnistheorie) beitragen oder diese diskreditieren. Sie fragen, ob z.B. Rationalismus oder Empirismus eher anfällig sind (waren) für rassistisches Denken; Argumente werden gegenüber beiden Seiten vorgetragen. Usw.
Ein spannendes Buch, auch für Nichthistoriker!

22 März 2006

Wer hat Angst vor Gespenstern?

David Ratmoko heißt der Autor einer soeben erschienenen Studie On spectrality : Fantasies of redemption in the Western Canon (New York : Lang, 2006). "Spectrality", Geisterhaftigkeit, fungiert hier als Eigenschaftensammlung, die Ratmoko in verschiedenen geistesgeschichtlichen Zusammenhängen aufweist: im Begriff der Schuld (daher wohl auch der Untertitel), im Geschichtskonzept, schließlich auch u.a. im Konzept des Geldes als eine der "phantom formations after the renaissance". Eines der Bücher, wo nach dem Blick ins Inhaltsverzeichnis noch nicht klar ist, für welchen Zweck man die vertretenen Erkenntnisse selbst vielleicht brauchen könnte, die aber untergründig am eigenen Verständnis der Welt mitwirken. Kulturtheorie im besten Sinne also.

20 Februar 2006

Bild und Wissenschaft

Es gibt ja die Zeitschrift Bild der Wissenschaft, wobei ich mir nicht helfen kann; ich muss unwillkürlich an "Bild dir deine Meinung" denken. Auf die will ich aber nicht hinweisen, sondern auf den interessanten, von Martina Heßler herausgegebenen Sammelband Konstruierte Sichtbarkeiten : Wissenschafts- und Technikbilder seit der Frühen Neuzeit. Und weil Bernd Blaschke dazu schon eine Rezension verfasst hat, brauche ich hier weiter nichts zu sagen, außer, dass das Buch aufwendig gemacht ist, mit gutem Papier für die Bilder, und dass die 'Bilder', um die es geht, nicht nur beschrieben werden, sondern auch und vor allem die Bildindienstnahme bedacht wird. Ein letzter Aufsatz widmet sich zudem der Kritik an den Bildern von wissenschaftlicher Seite.

17 Oktober 2005

Wie ein Japaner die Entstehung des moralischen Denkens Europas nachzeichnet

Wenn ein Japaner auf die Entstehung des moralischen Denkens bei den alten Griechen und den alten Israeliten blickt, was kommt dann dabei heraus? Eine komparatistische Studie (auch mit Inhaltsverzeichnis)! Seizo Sekine, der die Comparative study of the origins of ethical thought : hellenism and hebraism (Oxford : Rowman & Littlefield, 2005 -- übersetzt von Judy Wakabayashi) verfasst hat, ist Professor für Ethik und Altes Testament an der Uni Tokio; der Klappentext meint, dass sein eigener kultureller Rahmen der östlichen Philosophie ihm weitergehende Einsichten erlaubt. Ich denke, allein schon der ungewöhnliche Ansatz der Studie ist hier eine Erwähnung wert!

03 Oktober 2005

Die Kunst der Analyse von "Denkräumen"

"Konstellationsforschung ist eine von Dieter Henrich entwickelte Methode, in der Theorieentwicklung und kreative Impulse untersucht werden, die aus dem Zusammenwirken von unterschiedlichen Denkern in einem gemeinsamen "Denkraum" entstehen."
So leiten die Herausgeber Martin Mulsow und Marcelo Stamm in den neuen Sammelband "Konstellationsforschung" ein, der grad bei Suhrkamp als Taschenbuch erschienen ist. Was Konstellationsforschung sein soll, hatte Henrich in seinem Grundlegung aus dem Ich: Untersuchungen zur Vorgeschichte des Idealismus. Tübingen - Jena [1790- 1794] beispielhaft vorgemacht. Ich fühle mich an die Diskursanalyse einerseits, an den New Historicism andererseits erinnert. Von der Diskursanalyse unterscheidet die Konstellationsforschung das Ausgehen von Personen, vom New Historicism, dass es um Philosophie geht :-).
Der Sammelband bietet neben Anwendungsfällen auch eine Schärfung des theoretischen Programms der Konstellationsforschung: also eine willkommene Anregung dafür, was Philosophiegeschichte auch sein kann.