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09 Dezember 2008

Husserl unterrichtet Allgemeine Pädagogik

In Erlangen gibt es in der UB eine Mitschrift einer Vorlesung Allgemeine Geschichte der Pädagogik, die "Husserl" gehalten hat.



Die Mitschrift hat in der UB Erlangen-Nürnberg die Signatur H62/Ms 2826. Handelt es sich etwa um Edmund Husserl? Der war doch kein Pädagoge?
Kurze Googelei bringt mich auf die Seiten der Husserl-Chronik von Karl Schuhmann, wo auf S. 184 festgehalten ist, dass Edmund Husserl am 29. Oktober 1913 in Göttingen mit einer Vorlesung Allgemeine Geschichte der Pädagogik begonnen hat. Also ist Edmund Husserl der Verfasser der Vorlesung. Tatsächlich ist die Existenz der Mitschrift dem Husserl-Archiv in Leuven bekannt, dort gibt's ein Mikrofiche davon.

Wieso hat Husserl dort über das Thema gelesen?
Hans-Georg Herrlitz schreibt in seinem Aufsatz "Von Herbart zu Nohl -- Göttinger Pädagogik im 19. Jahrhundert" (in: Pädagogik an der Georg August-Universität zu Göttingen. Eine Vorlesungsreihe. Hg. von Dietrich Hoffmann. - Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 1987. - S. 83-107, hier S. 88), dass Husserl in Göttingen viermal "eine Allgemeine Geschichte der Pädagogik vorgetragen" habe, und zwar in den WS 1903/04, 1909/10, 1913/14 und 1915/16. Husserl habe dies übernehmen müssen als Teil seiner Göttinger Aufgaben; er war, zitiert Herrlitz Plessner, "gegen den Willen der Göttinger Fakultät" in Göttingen aufgenommen worden und musste da dann anscheinend auch Kärrnerarbeit verrichten.
Eine interessante Frage ist, von wem die Mitschrift stammt. Das könnte der Krakel unter dem Namen "Husserl" anzeigen -- aber leider nicht sehr leserlich. Vorschläge? Oder wie kriegt man das raus?

07 Oktober 2006

Systemtheorie und Phänomenologie

Wie verhalten sich die beiden zueinander? Oder Husserl zu Luhmann? Das muss eine interessante und drängende Frage sein: so sehr, dass Sven-Eric Knudsen seine soziologische Dissertation darüber geschrieben hat und Jaromir Brejdak u.a. einen Sammelband darüber herausgeben. Knudsens Buch heißt Luhmann und Husserl : Systemtheorie im Verhältnis zur Phänomenologie (Würzburg : Königshausen und Neumann, 2006) und handelt vom Verhältnis des Subjekts zur Gesellschaft, wie es sich in beiden Theorien darstellt: nämlich jeweils defizitär. Die eine hat bekanntermaßen ihre Stärke in der Beschreibung des Subjekts, die andere ... Knudsen ist gleich versucht, von "Bewusstseinssystemen" zu schreiben; der Leser muss also schon eine gewissen terminologische Bewegung mitmachen.
Brejdaks Band, im gleichen Jahr beim gleichen Verlag unter dem Titel Phänomenologie und Systemtheorie erschienen, geht es um die "Rahmenbedingungen eines Dialogs zwischen" den beiden Theorien, die doch schließlich, so der Klappentext, dasselbe wollen: die "Überwindung der Subjekt-Objekt-Dichotomie". Die werden anhand von einzelnen Themen wie 'Geschichte' oder 'Zeit' aufgerissen. Und Hans Reiner Sepp schreibt über "Luhmann liest Husserl", anhand von Luhmanns 1996er Wiener Vortrag über -- richtig -- Husserls Wiener Vortrag von 1935.