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04 Februar 2009

Oxford Handbook Philosophy of Mind

ist da -- und erstaunlicherweise sind zwei von drei Herausgebern deutsch! Sven Walter und Ansgar Beckermann sind aber ansonsten auch die einzigen deutschen Beiträger; Walter mit einem Kapitel über Epiphänomenalismus, Beckermann über "Property physicalism". (Der dritte Herausgeber ist Brian McLaughlin.)

Das Buch ist noch so neu, dass Oxford University Press es nicht geschafft hat, auf der Webseite der Philosophy Handbooks etwas mehr Information dazu anzubieten; dafür hier. Hier die Liste der Beiträge und Beiträger.
Sollte man haben.

07 Januar 2009

Kann ein Telefon den Geist erweitern?

David Chalmers bekennt im Vorwort zu Andy Clarks Supersizing the mind (Oxford : OUP, 2008), er habe ein Iphone gekauft und benutze es regelmäßig; es habe bereits einige zentrale Funktionen seines Gehirns übernommen! "My iPhone is not my tool, or at least it is not wholly my tool. Parts of it have become parts of me." (S. X). Darin vertritt Chalmers die These des Erweiterten Geistes (extended mind): "When parts of the environment are coupled to the brain in the right way, they become parts of the mind". Clarks Buch stellt dar, was das bedeutet, und argumentiert für diese Betrachtungsweise des Geistes. Gegenargumente sollte man wohl erst formulieren, wenn man Clarks Argumente gelesen hat...

16 Juni 2008

Qualia und Religionsphilosophie

Yujin Nagasawa hat ein Buch geschrieben, in der er der Ähnlichkeit nachgeht zwischen zwei Argumenten aus der Philosophy of mind und zwei religionsphilosophischen über die Existenz Gottes. Das Buch heißt God and phenomenal consciousness (Oxford : UP 2008). Die Philosophy of mind-Argumente sind Thomas Nagels Fledermaus und Frank Jacksons Mary. Nagasawa meint, Nagels Fledermaus-Argument, verstanden als ein Argument gegen den Physikalismus, laufe darauf hinaus, dass man, um "alle" physikalischen Fakten wissen zu können, wissen können müsste, wie es ist, eine Fledermaus zu sein, was aber nur Fledermäuse wissen könnten. Das vergleicht Nagasawa mit dem Argument aus der Allmacht Gottes: das Gott nicht Dinge tun könne, die widersprüchlich seien, also z.B. einen verheirateten Junggesellen erschaffen, oder einen eckigen Kreis malen. Nagasawa meint, dass man derlei Dinge sinnvollerweise aus der Definition von Allmacht ausschließe, und ganz analog Fledermaustypisches Wissen sinnvollerweise aus der Definition von Alles wissen im Sinne des Physikalismus auszuschließen habe.
Kommt mir zwar auf die Schnelle nicht überzeugend vor, aber Nagasawa hat ja noch mehr Ideen.

02 Februar 2008

Das Leib-Seele-Problem im Mittelalter

hat es nicht gegeben. Schreibt Peter King in einem im Sammelband Forming the mind : essays on the internal senses and the mind/body problem from Avicenna to the medical enlightenment (hg. von Henrik Lagerlund. - Dordrecht : Springer, 2007) abgedruckten Aufsatz (187-205). Er meint, das liege daran, dass die so erfolgreiche Unterscheidung zwischen primären und sekundären Qualitäten erst später eingeschlagen sei. Und erst das Konzept der sekundären Qualitäten habe die Frage aufgeworfen, wo denn eigentlich diese Eigenschaften beheimatet seien, wenn nicht in den Dingen selbst. Und auch 'Schmerz' als Standardfall der 'Sensation' wurde im Mittelalter nicht als rein mentales Geschehen betrachtet, sondern als Anzeichen eines beschädigten oder überlasteten Sinnesorgans. Damit ist Schmerz genauso rätselhaft wie die übrigen Sinnesdaten und wirft dieselben Fragen auf.

05 Dezember 2006

Philosophie des Geistes, 1835

John Abercrombie (1780-1844) war ein "schottischer Arzt und Philosoph": sagt die deutsche Wikipedia, ein tiefergehender Eintrag fehlt bislang. In der englischen -- man ersetze einfach das "de" in der Browserzeile durch "en" -- erfährt man ein bisschen mehr, wenn auch nicht sehr schmeichelhaftes, über die philosophische Tätigkeit:
He also found time for philosophical speculations, and in 1830 he published his Inquiries concerning the Intellectual Powers of Man and the Investigation of Truth, which was followed in 1833 by a sequel, The Philosophy of the Moral Feelings. Both works showed little originality of thought; they achieved wide popularity at the time of their publication, but have long been superseded.

Das erstgenannte, die Inquiries, liegt mir gerade vor, in der 5. Auflage von 1835: wirklich ein Bestseller. Auf dem Titelblatt wird Abercrombie nicht nur "M.D. F.R.S.E." genannt --was ist das bloß? --, sondern auch "fellow of the Royal College of physicians of Edinburgh, &c. and first physician to his majesty in Scotland": ein erfolgreicher Arzt. Die Inquiries finde ich deswegen bemerkenswert, weil das Inhaltsverzeichnis bestätigt, was der Verfasser im Vorwort verspricht: das hier die philosophische Untersuchung des Geistes zielt auf "useful purpose" und "application". Während also die erkenntnistheoretischen und sonstigen philosophischen Theorien im Rahmen des vom Empirismus gewöhnten sein dürften und mit vielleicht "little originality" vorgetragen werden, scheint mir die Ausweitung auf Abercrombies Erfahrung als Mediziner und die Kombination mit damals bekannten medizinischen Theorien und Fakten über Bewusstsein, spektralen Illusionen, Delirium, Erinnerung, Traum, Schlafwandelei, und geistiger Behinderung alles andere als unoriginell. Außerdem ergänzt Abercrombie seine Reflexionen zu Ursache und Wirkung für seine Mitmediziner um Regeln zur Forschung!
Alles in allem taugt das Buch, denke ich, durch seine (originelle) Kombination von Spekulation und Empirie sehr gut als Überblick über den Kenntnisstand zum Thema 'Bewusstsein' in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

21 November 2006

Philosophie des Geistes im Grundkurs

Es mag ein paar ältere Leute geben, die beim Stichwort "Philosophie des Geistes" an Hegel denken. Die meisten werden aber zu Recht vermuten, dass sich dahinter etwas über Bewusstsein, Identität, Person undsoweiter verbirgt. Wie groß das Gebiet dahinter ist, war bislang den des Englischen mächtigen Lesern sehr viel leichter zu erahnen gewesen; im Grunde gab es mit Bieris Analytische Philosophie des Geistes nur eine einführende deutschsprachige Textsammlung. Thomas Metzinger, der rührige Mainzer Experte auf diesem Gebiet, hat nun einen Grundkurs als einführende Textsammlung zusammengestellt, dessen erster Band (von dreien) bei mentis soeben erschienen ist. Neben der didaktischen Aufbereitung: der Einteilung in Modulen, den einführenden Bemerkungen, den Philosophenbildern, dem "Serviceteil" mit Lektüreempfehlungen in Schwierigkeitsgraden (!) ist sicher die Stärke der Konzeption, eben einen deutschsprachigen Überblick zu bieten. So treffen wir im ersten Band neben guten Bekannten, die längst auf deutsch vorliegen, wie Peter Bieris "Was macht Bewusstsein zu einem Rätsel?", Daniel Dennetts "Qualia eliminieren" oder Frank Jacksons "Epiphänomenale Qualia" auch ein paar Texte, denen ich bisher nicht auf deutsch begegnet bin, so z.B. Paul Churchlands "Die Wiederentdeckung des Lichts". Dass es gewisse Überschneidungen mit dem früheren Metzingerschen Sammelband Bewusstsein gibt, liegt auf der Hand, gilt doch dieser erste Band des Grundkurses dem "Phänomenalen Bewusstsein". Band zwei gilt dem Leib-Seele-Problem, Band drei der Intentionalität.
Metzingers Grundkurs bietet, wie ich finde, eine verdienstvolle Zusammenfassung: und vom Verlag zu einem ordentlichen Preis angeboten: unter 30,- € pro Band.