Dagmar Fenner hat ein Buch über das "Gute Leben" in der Reihe Grundthemen Philosophie bei de Gruyter geschrieben. Die DNB hat das Werk verschlagwortet mit "Hedonismus" (und sonst nix). Wie kommen die darauf? Philosophisch betrachtet ist der Hedonismus ja nur eine von vielen Antworten auf die Frage danach, wie sich gut leben lässt. Und schlägt man Fenners Werk auf, dann sieht man schon am Inhaltsverzeichnis, dass sie einen weiteren Begriff von Gutem Leben hat als den hedonistischen. Da die Sacherschließung der DNB an alle Verbünde ausgeliefert wird und, wie Klaus Haller in der Ausbildung meinte, "Normdatencharakter" hat ...
Na, für den BVB kann ich's korrigieren; mein Vorschlag ist: "Gutes Leben" (ja, das gibt es als Schlagwort!) und "Lebensführung / Philosophie".
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06 Februar 2009
02 Dezember 2008
Anmerkungen zur SWD (1)
Ja, ich habe schon ein paar Bemerkungen zur SWD gemacht, ich weiß.
Mir liegt natürlich der Philosophie-Wortschatz am Herzen. Und oft fällt mir auf, dass ich Schwierigkeiten habe, eine Verschlagwortung zu verstehen, weil ich die intendierte Bedeutung des Schlagworts nicht nachsehen kann. Das geht mir nun wieder so mit dem Buch von Carsten Seck, Theorien und Tatsachen, das die Verschlagwortung "Moritz Schlick" (klar) und "Wissenschaftsphilosophie" mitbringt. Ich hätte das Buch mit ""Wissenschaftstheorie" verschlagwortet, aber das liegt einfach daran, dass der Ausdruck "Wissenschaftsphilosophie" nicht zu meinem aktiven Wortschatz gehört. Was bedeutet er?
Als Quelle gibt die SWD "Speck unter Wissenschaftsforschung" an, und als Verweisungsform gibt es noch "Epistemologie". "Wissenschaftstheorie" ist ein verwandter Begriff.
Beim Nachsehen geht mir nun auf, dass der Speck für die Philosophie an 4. Stelle in der Liste der Nachschlagewerke steht -- nach "Ritter", "Kröner" und "Enz Wiss". Und "Speck" ist das "Handbuch wissenschaftstheoretischer Begriffe" von 1980, 3 Bände, UTB. Das atmet auch den Geist der 70er. Ich habe gerade nachgesehen und gelernt, dass die "Wissenschaftsforschung" sich in 5 Teilgebiete untergliedern lässt, nämlich in W.-philosophie, W-Psychologie, W-Organisation und Planung, W-Geschichte und W-Soziologie. Nach Ossowska und Ossowski. Da das gleiche Lexikon auch einen Eintrag "Wissenschaftstheorie" enthält, habe ich dort nachgesehen und gelernt, dass bei Speck die Wissenschaftstheorie, auch wenn jüngst, also 1980, die Forschung sogar empirische Impulse aufnimmt (gemeint ist Kuhns Theorie wissenschaftlicher Revolutionen), auf eine "logische Analyse der Wissenschaft im apragmatischen Sinne" zielt. Hhm. Der Eintrag "Wissenschaftsforschung" gibt übrigens auch keine Definition, man kann also nur raten aus der Abgrenzung zu den anderen 4 Disziplinen, was die Wissenschaftsphilosophie sein soll.
Der SWD-Eintrag zur "Wissenschaftstheorie" gibt als Quelle "M" an, also den Meyer von 1971. Auch nicht gerade die allerneueste Quelle,habe ich nicht geprüft. Der aktuelle Online-Meyer liefert in der Tat eine Definition, wie sie ungefähr meinem Verständnis entspricht -- und auf deren Grundlage ich das Buch von Seck mit "Wissenschaftstheorie" verschlagworten würde. Und den Begriff "Wissenschaftsphilosophie" würde ich überhaupt in die Tonne treten.
Was sagt eigentlich der Ritter dazu? Das Handwörterbuch, ist klar, war vermutlich mit dem Band W noch nicht erschienen, als das Schlagwort angesetzt wurde. Aber das kanonische erste Nachschlagewerk zur Philosophie hat einen Artikel "Wissenschaftstheorie, Wissenschaftsphilosophie", also: die denken, dass mit den Begriffen dasselbe gemeint ist. (Enz Wiss als das umfangreichste deutsche Begriffswörterbuch der Philosophie hat keinen Eintrag zur Wissenschaftsphilosophie.)
Mir liegt natürlich der Philosophie-Wortschatz am Herzen. Und oft fällt mir auf, dass ich Schwierigkeiten habe, eine Verschlagwortung zu verstehen, weil ich die intendierte Bedeutung des Schlagworts nicht nachsehen kann. Das geht mir nun wieder so mit dem Buch von Carsten Seck, Theorien und Tatsachen, das die Verschlagwortung "Moritz Schlick" (klar) und "Wissenschaftsphilosophie" mitbringt. Ich hätte das Buch mit ""Wissenschaftstheorie" verschlagwortet, aber das liegt einfach daran, dass der Ausdruck "Wissenschaftsphilosophie" nicht zu meinem aktiven Wortschatz gehört. Was bedeutet er?
Als Quelle gibt die SWD "Speck unter Wissenschaftsforschung" an, und als Verweisungsform gibt es noch "Epistemologie
Beim Nachsehen geht mir nun auf, dass der Speck für die Philosophie an 4. Stelle in der Liste der Nachschlagewerke steht -- nach "Ritter", "Kröner" und "Enz Wiss". Und "Speck" ist das "Handbuch wissenschaftstheoretischer Begriffe" von 1980, 3 Bände, UTB. Das atmet auch den Geist der 70er. Ich habe gerade nachgesehen und gelernt, dass die "Wissenschaftsforschung" sich in 5 Teilgebiete untergliedern lässt, nämlich in W.-philosophie, W-Psychologie, W-Organisation und Planung, W-Geschichte und W-Soziologie. Nach Ossowska und Ossowski. Da das gleiche Lexikon auch einen Eintrag "Wissenschaftstheorie" enthält, habe ich dort nachgesehen und gelernt, dass bei Speck die Wissenschaftstheorie, auch wenn jüngst, also 1980, die Forschung sogar empirische Impulse aufnimmt (gemeint ist Kuhns Theorie wissenschaftlicher Revolutionen), auf eine "logische Analyse der Wissenschaft im apragmatischen Sinne" zielt. Hhm. Der Eintrag "Wissenschaftsforschung" gibt übrigens auch keine Definition, man kann also nur raten aus der Abgrenzung zu den anderen 4 Disziplinen, was die Wissenschaftsphilosophie sein soll.
Der SWD-Eintrag zur "Wissenschaftstheorie" gibt als Quelle "M" an, also den Meyer von 1971. Auch nicht gerade die allerneueste Quelle,habe ich nicht geprüft. Der aktuelle Online-Meyer liefert in der Tat eine Definition, wie sie ungefähr meinem Verständnis entspricht -- und auf deren Grundlage ich das Buch von Seck mit "Wissenschaftstheorie" verschlagworten würde. Und den Begriff "Wissenschaftsphilosophie" würde ich überhaupt in die Tonne treten.
Was sagt eigentlich der Ritter dazu? Das Handwörterbuch, ist klar, war vermutlich mit dem Band W noch nicht erschienen, als das Schlagwort angesetzt wurde. Aber das kanonische erste Nachschlagewerk zur Philosophie hat einen Artikel "Wissenschaftstheorie, Wissenschaftsphilosophie", also: die denken, dass mit den Begriffen dasselbe gemeint ist. (Enz Wiss als das umfangreichste deutsche Begriffswörterbuch der Philosophie hat keinen Eintrag zur Wissenschaftsphilosophie.)
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19 August 2008
Bayerische SWD, Sortierreihenfolge
Die Registerfunktion des Aleph-Katalogs des BVB ist, gelinde gesagt, nicht optimal. Man gewöhnt sich mit der Zeit daran, dass die Homonymenzusätze mit einsortiert werden, so dass z.B. "Kind <0-1>" lange vor dem Hauptsatz "Kind" kommt, da nämlich als zweites Sortierkriterium die Identnummer des Satzes in der Datenbank fungiert, und die beginnt in der Regel mit "4".

Lästig.
Aber noch lästiger finde ich, dass gleichlautende Verweisungsformen und Ansetzungsformen so angeboten werden, dass die Verweisungsform zuerst steht. Will man etwa mit "Socrates" erschließen -- gemeint ist der Philosoph, der hier RSWK-konform in lateinischer Form eingetragen werden muss --, dann bietet das Register:
Rot habe ich die beiden Socrates-Einträge markiert. Für den oberen sieht man darunter die Details, und das Feld 800 "Ansetzungsform" verrät, dass dieser Socrates eigentlich Francois Hemsterhuis ist. Warum kann nicht die "Tmp02"-Form, d.h. die Verweisungsform, die später einsortierte sein?
Dieser Fall ist mir gerade wieder eingefallen wegen eines italienischen Buches über einen gewissen Tommaso Cornelio:
Hatte arglos zunächst mit dem ersten verknüpfen wollen, in der Annahme, dass meine italienische Veröffentlichung Tommaso Cornelio : Appunti per una biografia eben die italienische Form des Namens gewählt habe. Ging mir erst danach auf, dass hier vielleicht zwei Leute ungefähr gleich heißen. (In diesem Fall kommt noch hinzu, dass die SWD-Identnummern der Sätze sehr ähnlich sind.)
Also: Warum muss die Verweisungsform für Corneille vor dem eigentlichen Cornelio stehen?
Lästig.
Aber noch lästiger finde ich, dass gleichlautende Verweisungsformen und Ansetzungsformen so angeboten werden, dass die Verweisungsform zuerst steht. Will man etwa mit "Socrates" erschließen -- gemeint ist der Philosoph, der hier RSWK-konform in lateinischer Form eingetragen werden muss --, dann bietet das Register:
Dieser Fall ist mir gerade wieder eingefallen wegen eines italienischen Buches über einen gewissen Tommaso Cornelio:
Also: Warum muss die Verweisungsform für Corneille vor dem eigentlichen Cornelio stehen?
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07 August 2008
Nietzsche am Rand
Reading Nietzsche at the margins / hg. von Steven V. Hicks, Alan Rosenberg. - West Lafayette, Ind. : Purdue UP, 2008.
Das Katalogisat enthält bereits Schlagwörter: Nietzsche, Friedrich ; Randbemerkung ; Aufsatzsammlung. Liest man die Editorial introduction, dann erfährt man, dass die Nietzsche-Rezeption in den letzten zwanzig Jahren in der Wahrnehmung der Herausgeber eine Konzentration auf einen eng umrissenen Themenkreis erfahren hat: auf die Umwertung der Werte, das Übermensch-Konzept etc. Der Aufsatzband will sich demgegenüber Themen zuwenden, die nicht als zentral wahrgenommen wurden. Handelt es bei diesen Themen um "Randbemerkungen" Nietzsches (im Sinne der SWD)?
Sicher nicht. Denn die SWD ist da, wie eigentlich immer, wörtlich zu verstehen. Eine Randbemerkung ist etwas, was am Rand von etwas (anderem) steht.
Das Buch, auf das die Sacherschließung passt, muss also wohl erst noch erscheinen. Immerhin gibt es ja ein Werk von Martin Stingelin über Nietzsches Lichtenberg-Rezeption, wo sicher auch die eine oder andere Randbemerkung Nietzsches Berücksichtigung findet...
Das Katalogisat enthält bereits Schlagwörter: Nietzsche, Friedrich ; Randbemerkung ; Aufsatzsammlung. Liest man die Editorial introduction, dann erfährt man, dass die Nietzsche-Rezeption in den letzten zwanzig Jahren in der Wahrnehmung der Herausgeber eine Konzentration auf einen eng umrissenen Themenkreis erfahren hat: auf die Umwertung der Werte, das Übermensch-Konzept etc. Der Aufsatzband will sich demgegenüber Themen zuwenden, die nicht als zentral wahrgenommen wurden. Handelt es bei diesen Themen um "Randbemerkungen" Nietzsches (im Sinne der SWD)?
Sicher nicht. Denn die SWD ist da, wie eigentlich immer, wörtlich zu verstehen. Eine Randbemerkung ist etwas, was am Rand von etwas (anderem) steht.
Das Buch, auf das die Sacherschließung passt, muss also wohl erst noch erscheinen. Immerhin gibt es ja ein Werk von Martin Stingelin über Nietzsches Lichtenberg-Rezeption, wo sicher auch die eine oder andere Randbemerkung Nietzsches Berücksichtigung findet...
09 Juli 2008
Was ist eine Singularität?
Bibliothekarisches Thema: Sacherschließung. Vor mir liegt das Buch von Francesco Vitale: Spettografie : Jacques Derrida ; singolarità e scrittura. - Genova : il melangolo, 2008. Sieht man in's Inhaltsverzeichnis, stellt man fest, dass der Begriff "Singularität" für das Buch wirklich wichtig ist, und da keimt der Verdacht, dass es sich um einen Derridaismus handelt. Hat die SWD ein entsprechendes Schlagwort? Ja, und zwar das folgende: "Singularität (HZ: Philosophie)". Denn, das versteht sich von selbst, der philosophische Gebrauch ist sicher verschieden von dem wohldefinierten der Astrophysik oder Mathematik. Leider enthält die SWD keine Definition, wie denn der philosophische Gebrauch ist. Die Quellenangabe dort weist auf das Historische Wörterbuch der Philosophie, und dort gibt es in der Tat einen Eintrag "singulär, Singularität". Da wird als erstes festgestellt, dass der Begriff deckungs- und bedeutungsgleich verwendet werde bis in die Gegenwart mit "Individualität". Was lehren die RSWK über Bedeutungsgleichheit? Dass man nicht ein neues Schlagwort ansetzen soll, wenn's schon ein passendes gibt. Also beruht das Schlagwort entweder auf einem Irrtum, oder die Ansetzer haben an die übrigen Verwendungen gedacht.
Dummerweise gibt das HWPhil, wie es seine Aufgabe ist, keine Definition, sondern zeichnet die Verwendung des Wortes durch die Philosophiegeschichte nach (allerdings nur den Strang, wo Singularität und Individualität unterschieden werden). Bis in die Neuzeit zwar, wobei aber die Neuzeit hier mit Cusanus anfängt und endet.
Zusammengefasst: Dem Schlagwortsatz kann man nicht entnehmen, was das Schlagwort bedeutet, und der Quelle für die Ansetzung kann man es auch nicht entnehmen. Was tun?
Hab die im BVB damit verknüpften Titel mir angesehen, sind ganz wenige. Hilft aber auch nicht weiter, da jeweils unterschiedlich. Hab dann trotzdem damit verschlagwortet.
Dummerweise gibt das HWPhil, wie es seine Aufgabe ist, keine Definition, sondern zeichnet die Verwendung des Wortes durch die Philosophiegeschichte nach (allerdings nur den Strang, wo Singularität und Individualität unterschieden werden). Bis in die Neuzeit zwar, wobei aber die Neuzeit hier mit Cusanus anfängt und endet.
Zusammengefasst: Dem Schlagwortsatz kann man nicht entnehmen, was das Schlagwort bedeutet, und der Quelle für die Ansetzung kann man es auch nicht entnehmen. Was tun?
Hab die im BVB damit verknüpften Titel mir angesehen, sind ganz wenige. Hilft aber auch nicht weiter, da jeweils unterschiedlich. Hab dann trotzdem damit verschlagwortet.
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18 Mai 2008
SWD: "Persistenz"
Die DNB hat schon einmal ein Schlagwort namens "Persistenz " ansetzen wollen. Ich habe seinerzeit (Sept. 2006) dagegen protestiert. Nun sehe ich, dass die DNB das Buch Persistence, hg. von Christian Kanzian (Heusenstamm : ontos, 2008), mit der Kette s. Persistenz, s. Philosophie, f. Aufsatzsammlung verschlagwortet hat, ergänzend eine zweite s. Dauer, s. Ontologie. Ist das sinnvoll?
2006 hatte ich Anstoß genommen an der philosophischen Ansetzung von "Persistenz". Da war als Quelle angegeben "W philos. Begriffe", leider keine Definition (kann man nicht die Redaktionen verpflichten, neue Schlagwörter mit Definitionen zu versehen?).
Ich hatte die Definition im angegebenen Werk überprüft. Es gibt dort keinen Eintrag "Persistenz", wohl aber "persistent": "lat., 'beharrend', unveränderlich; dazu _Persistenz_, die Beharrlichkeit (siehe dort), Unveränderlichkeit." Bin also dem Verweis gefolgt zu "Beharrlichkeit / Beharrungsvermögen, auch Trägheit (lat. vis inertiae); die Eigenschaft der Körper, im Zustand der Ruhe oder einer gleichförmigen geradlinigen Bewegung unverändert zu bleiben, bis dieser Zustand durch das Einwirken irgendeiner Kraft geändert wird, nach dem von I. Newton und G. Galilei aufgestellten Beharrungsgesetz ..." Klingt für mich ganz nach dem vertrauten Phänomen der Trägheit.
B 2005 definiert "Beharrungsvermögen" (im Artikel Trägheit, 1. Absatz: Physik): "Beharrungsvermögen, die Eigenschaft jedes massebehafteten Körpers, dem Versuch einer Änderung der Größe oder Richtung seines Bewegungszustands einen Widerstand entgegenzusetzen (Trägheitskraft). Der Inbegriff dieses Widerstands ist die träge Masse. Da nach dem einsteinschen Gesetz die Energie der Masse äquivalent ist (Masse-Energie-Äquivalenz), kommt auch jeder Energie eine Trägheit zu". Gibt auch ein Schlagwort "Trägheit" in der SWD, für den als Synonym "Beharrungsvermögen" angegeben ist. Scheint mir also, als sei das, was "Persistenz" laut seiner Quelle ausdrücken sollte, vollständig durch "Trägheit" ausgedrückt! Fragt sich, was für ein Buch damit beschlagwortet wurde.
Im Katalog der DNB findet man: Persistence through time, and across possible worlds / Jiri Benovsky (Heusenstamm u.a. : Ontos, 2006). Inhalt:
"How do ordinary objects persist through time and across possible worlds ? How do they manage to have their temporal and modal properties ?
Langer Rede kurzer Sinn: Das Schlagwort wurde mit einer bestimmten Definition neu angesetzt, die seiner konkreten Verwendung überhaupt nicht entspricht, dafür ist die Definition aber äquivalent mit der eines schon existierenden Schlagwort, nämlich "Trägheit".
Gemeint ist, scheint mir anhand der Buchbeschreibung, eher etwas im Sinne von "Beständigkeit" über Raum und Zeit (perdurance), als besonderer Typ von Identität. Beständigkeit gibts bisher nicht als Schlagwort; da käme auch komplizierend hinzu, dass es die mittelalterliche Tugend der 'Constantia' gibt, die konventionell mit 'Beständigkeit' übersetzt wird.
Das neue Buch, das Kanzian herausgegeben hat, fällt inhaltlich in dieselbe Kategorie: es hat mit Dauer und Identität zu tun (aus dem Vorwort): "The problem of persistence is as old as the tradition of systematic ontology: How can we explain that the middle-sized standard objects of everyday's life like tables, cats or human beings are regarded normally as remaining 'the same', even if they change their properties and their material constitutents?"
Ist das nun mit "s. Persistenz" richtig verschlagwortet? Die Quellenangabe in der Definition dort weist auf M, 1. und 2. Absatz (die SWD-Notation ordnet als Sachgebiete 5.3: Sozial-, Kultur- und Völkerpsychologie und 27.4: Allgemeine Pathologie zu). Ich habe den Meyer hier nicht zur Verfügung, aber die Erfahrung lehrt, dass die Definition im Brockhaus in neueren Ausgaben identisch sind (zuweilen verschiebt sich die Absatznummerierung). B 2005 online hat zwei Absätze zur "Persistenz", der erste ist "Chemie": "Stabilität chemischer Verbindungen in der Umwelt", der zweite "Medizin": "Fortbestehen einer fetalen Entwicklungsstufe ..." Mir scheint, dass dieses Verständnis von Persistenz nicht zum Buch passt! Und das wird auch nicht besser, wenn man diese "Persistenz" um das Schlagwort "Philosophie" ergänzt.
Ich halte dies für einen strukturellen Fehler der SWD, der sich auch an anderen Stellen zeigt. Die Verwendung eines Schlagworts entspricht oft nicht der Definition in der angegebenen Quelle, und es ist mir häufig nicht klar, welche Freiheiten man in der Schlagwortvergabe sich sinnvollerweise nehmen sollte. Warum den DNB-Kollegen das Schlagwort "Persistenz" hier richtig erscheint, ist klar: schließlich ist das auch das englische Wort im Titel der beiden Veröffentlichungen. Aber müsste man nicht die Definition des Schlagwortes dafür ändern?
2006 hatte ich Anstoß genommen an der philosophischen Ansetzung von "Persistenz". Da war als Quelle angegeben "W philos. Begriffe", leider keine Definition (kann man nicht die Redaktionen verpflichten, neue Schlagwörter mit Definitionen zu versehen?).
Ich hatte die Definition im angegebenen Werk überprüft. Es gibt dort keinen Eintrag "Persistenz", wohl aber "persistent": "lat., 'beharrend', unveränderlich; dazu _Persistenz_, die Beharrlichkeit (siehe dort), Unveränderlichkeit." Bin also dem Verweis gefolgt zu "Beharrlichkeit / Beharrungsvermögen, auch Trägheit (lat. vis inertiae); die Eigenschaft der Körper, im Zustand der Ruhe oder einer gleichförmigen geradlinigen Bewegung unverändert zu bleiben, bis dieser Zustand durch das Einwirken irgendeiner Kraft geändert wird, nach dem von I. Newton und G. Galilei aufgestellten Beharrungsgesetz ..." Klingt für mich ganz nach dem vertrauten Phänomen der Trägheit.
B 2005 definiert "Beharrungsvermögen" (im Artikel Trägheit, 1. Absatz: Physik): "Beharrungsvermögen, die Eigenschaft jedes massebehafteten Körpers, dem Versuch einer Änderung der Größe oder Richtung seines Bewegungszustands einen Widerstand entgegenzusetzen (Trägheitskraft). Der Inbegriff dieses Widerstands ist die träge Masse. Da nach dem einsteinschen Gesetz die Energie der Masse äquivalent ist (Masse-Energie-Äquivalenz), kommt auch jeder Energie eine Trägheit zu". Gibt auch ein Schlagwort "Trägheit" in der SWD, für den als Synonym "Beharrungsvermögen" angegeben ist. Scheint mir also, als sei das, was "Persistenz
Im Katalog der DNB findet man: Persistence through time, and across possible worlds / Jiri Benovsky (Heusenstamm u.a. : Ontos, 2006). Inhalt:
"How do ordinary objects persist through time and across possible worlds ? How do they manage to have their temporal and modal properties ?
Langer Rede kurzer Sinn: Das Schlagwort wurde mit einer bestimmten Definition neu angesetzt, die seiner konkreten Verwendung überhaupt nicht entspricht, dafür ist die Definition aber äquivalent mit der eines schon existierenden Schlagwort, nämlich "Trägheit".
Gemeint ist, scheint mir anhand der Buchbeschreibung, eher etwas im Sinne von "Beständigkeit" über Raum und Zeit (perdurance), als besonderer Typ von Identität. Beständigkeit gibts bisher nicht als Schlagwort; da käme auch komplizierend hinzu, dass es die mittelalterliche Tugend der 'Constantia' gibt, die konventionell mit 'Beständigkeit' übersetzt wird.
Das neue Buch, das Kanzian herausgegeben hat, fällt inhaltlich in dieselbe Kategorie: es hat mit Dauer und Identität zu tun (aus dem Vorwort): "The problem of persistence is as old as the tradition of systematic ontology: How can we explain that the middle-sized standard objects of everyday's life like tables, cats or human beings are regarded normally as remaining 'the same', even if they change their properties and their material constitutents?"
Ist das nun mit "s. Persistenz" richtig verschlagwortet? Die Quellenangabe in der Definition dort weist auf M, 1. und 2. Absatz (die SWD-Notation ordnet als Sachgebiete 5.3: Sozial-, Kultur- und Völkerpsychologie und 27.4: Allgemeine Pathologie zu). Ich habe den Meyer hier nicht zur Verfügung, aber die Erfahrung lehrt, dass die Definition im Brockhaus in neueren Ausgaben identisch sind (zuweilen verschiebt sich die Absatznummerierung). B 2005 online hat zwei Absätze zur "Persistenz", der erste ist "Chemie": "Stabilität chemischer Verbindungen in der Umwelt", der zweite "Medizin": "Fortbestehen einer fetalen Entwicklungsstufe ..." Mir scheint, dass dieses Verständnis von Persistenz nicht zum Buch passt! Und das wird auch nicht besser, wenn man diese "Persistenz" um das Schlagwort "Philosophie" ergänzt.
Ich halte dies für einen strukturellen Fehler der SWD, der sich auch an anderen Stellen zeigt. Die Verwendung eines Schlagworts entspricht oft nicht der Definition in der angegebenen Quelle, und es ist mir häufig nicht klar, welche Freiheiten man in der Schlagwortvergabe sich sinnvollerweise nehmen sollte. Warum den DNB-Kollegen das Schlagwort "Persistenz" hier richtig erscheint, ist klar: schließlich ist das auch das englische Wort im Titel der beiden Veröffentlichungen. Aber müsste man nicht die Definition des Schlagwortes dafür ändern?
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22 April 2008
Ich hasse die SWD
Die SWD ist ein Graus: man kann sie im Zweifel nicht vernünftig benutzen, weil sie in der Regel keine Definitionen enthält, sondern nur einen Verweis auf die Quelle des Begriffs. Das ist ja dann kein Problem, wenn die Definition aus dem Brockhaus oder Meyer stammt, weil man annehmen kann, dass es da eine gewisse Konstanz zu den inzwischen online verfügbaren Versionen gibt. Aber was macht man bitte mit einer Verschlagwortung "Weltproblematik", für das als Quelle angegeben ist "Pipers W. Pol. Bd. 5 unter Globalmodelle"? Hin und wieder geben einem die Synonyme oder Verwandte Begriffe / Oberbegriffe einen Hinweis darauf, wie der Begriff gemeint ist. Da haben wir hier: "Menschheitsproblem", "Weltproblem". Ist mir keine Hilfe. Natürlich stammt das Schlagwort zu dem Buch (übrigens Woher? Wohin? Was tun? von Klaus-Peter Dahm) von der DNB, aber meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass man die Verschlagwortung der DNB besser nicht betrachtet, als habe sie "Normdatencharakter". (Das hat Klaus Haller allen Ernstes im Unterricht an der Bayerischen Bibliotheksschule seinerzeit vorgeschlagen.)
Naja, vielleicht bedeutet das Wort einfach, dass es in dem Buch um "Alles" geht. Dann wäre es Metaphysik.
Wer hat noch gesagt: "Die Frage der Metaphysik ist ganz einfach: Was ist? Und die Antwort ist sogar noch einfacher: "Alles."
Naja, vielleicht bedeutet das Wort einfach, dass es in dem Buch um "Alles" geht. Dann wäre es Metaphysik.
Wer hat noch gesagt: "Die Frage der Metaphysik ist ganz einfach: Was ist? Und die Antwort ist sogar noch einfacher: "Alles."
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