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08 Juni 2009

Gründlicher Kontextualismus

Keith DeRose denkt schon etwas länger über das Thema Kontextualismus nach und ist daher sicher einigen ein Begriff. Der Kontextualismus besagt, vereinfacht ausgedrückt, dass ob eine Aussage wahr oder falsch ist abhängig ist vom Kontext, in dem sie betrachtet wird. Das bedeutet nicht, dass hier Beliebigkeit regiert, sondern dass die Wahrheitsbedingungen mal enger, mal weiter ausgelegt werden müssen. Der Kontextualismus reagiert damit auf die skeptische Herausforderung, die absolute Sicherheit und Wahrheit bestreitet, mit der in beruhigendem Tonfall vorgetragenen Entgegnung "Brauchen wir nicht!"
Kontextualismus bringt damit auch etwas Bewegung in die Frage, was als Wissen zählen darf. DeRose hat nun einen ersten Band seiner Aufsätze zum Thema vorgelegt bei Oxford UP, The case for contextualism. Da "Vol. 1" genannt, darf man also mit einem zweiten rechnen. Auf seiner Webseite kann man nachlesen, dass dieser vermutlich "Solving the sceptical problem" heißen wird, nach einem der enthaltenen Aufsätze (JSTOR-Link).

05 September 2005

Kontextualismus besiegt Skeptizismus durch technischen K.O.

Können wir etwas über die Welt wissen? Der Skeptiker sagt "Nein", denn um etwas zu wissen, müssten wir sicher sein, dass wir nicht träumen (Descartes) oder Gehirne im Tank sind (Putnam). Der Mooreaner sagt: "Ja", denn Skeptizismus ist sinnlos. Der Kontextualist sagt "Jein".
Kontextualismus ist eine neuere unter den Theorien von Wissen und Wahrheit, und sie wird einflussreicher. Vor ein paar Jahren noch schien die Idee, dass die Standards dessen, was Wissen ausmacht, vom Kontext abhängen sollten, in dem Wissen gefragt ist, etwas sehr relativistisch zu sein. Inzwischen gewinnt diese Konzeption Anhänger. Die neuesten Ideen und Standpunkte sind nun zusammengefasst im aktuellen Band der Grazer Philosophischen Studien 69 (2005) (Inhaltsverzeichnis). Man begegnet alten Bekannten in Igour Douvens A contextualist solution to the Gettier problem und findet möglicherweise neue Freunde in Tim Blacks und Peter Murphys Avoiding the dogmatic commitments of contextualism (hier online als Preprint-PDF). Wer darin Keith DeRose vermisst, den ich zumindest als seit Jahren eifrigen Vertreter des Kontextualismus schon kannte, findet hier seine neuesten Arbeiten als Preprints.