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23 Mai 2007

"Unaussprechlich spannend"

Was kann unaussprechlich spannend sein? Kino? Beziehungskisten? Ach nö: für den Grünen Omid Nouripour ist es die "Französische Phänomenologie"! (via taz) Was das bedeutet, kann man wohl aus dem davor in der Selbstdarstellung Nouripours stehenden Satz schließen, nämlich: "Lektüre von Philosophie beschäftigt mich seit Kindesbeinen". Ist das nun sympathisch, weil "Philosophie" per se gut ist? Oder streberhaft, weil Philosophie per se schlau ist? Oder oberflächlich, weil hier zu wenig darüber steht, was er da eigentlich gelesen hat? Nouripour setzt sogar zwei Links zur Phänomenologie, denen allerdings irgendwie der Fokus aufs Französische verlorenging. Na, das sehen wir nicht so eng. Für einen Europapolitiker vereint die "Französische Phänomenologie" als Steckenpferd jedenfalls zwei wichtige Eigenschaften, die bestimmt bei Wählern gut ankommen: 1. sie ist kontinental (wider den amerikanischen Imperialismus!), 2. sie ist international (wider die deutsche Beschränktheit!).

09 April 2007

Phänomenologische Kausalität

Eine weitere Intuition der Phänomenologie zu Beginn besteht darin, dass das Erscheinen wesentlicher als das Sein ist: nur weil eine Sache erscheint, ist sie auch in der Lage zu sein.
So steht's auf Lebensphaenomenologie.at, in einem Aufsatz von Michel Henry. Ich muss zugeben, dass ich dies nicht verstehe. Entweder hat die Phänomenologie nur die Erscheinungen, die alles sind vom Sein: dann ist das eine nicht wesentlicher als das andere. Oder, wenn ein Weg vom "Sein" zu den Erscheinungen führt, geht er andersrum. Oder wie muss ich das "weil" verstehen? (Aber vielleicht ist das ja auch einfach schlecht übersetzt?)

07 Oktober 2006

Systemtheorie und Phänomenologie

Wie verhalten sich die beiden zueinander? Oder Husserl zu Luhmann? Das muss eine interessante und drängende Frage sein: so sehr, dass Sven-Eric Knudsen seine soziologische Dissertation darüber geschrieben hat und Jaromir Brejdak u.a. einen Sammelband darüber herausgeben. Knudsens Buch heißt Luhmann und Husserl : Systemtheorie im Verhältnis zur Phänomenologie (Würzburg : Königshausen und Neumann, 2006) und handelt vom Verhältnis des Subjekts zur Gesellschaft, wie es sich in beiden Theorien darstellt: nämlich jeweils defizitär. Die eine hat bekanntermaßen ihre Stärke in der Beschreibung des Subjekts, die andere ... Knudsen ist gleich versucht, von "Bewusstseinssystemen" zu schreiben; der Leser muss also schon eine gewissen terminologische Bewegung mitmachen.
Brejdaks Band, im gleichen Jahr beim gleichen Verlag unter dem Titel Phänomenologie und Systemtheorie erschienen, geht es um die "Rahmenbedingungen eines Dialogs zwischen" den beiden Theorien, die doch schließlich, so der Klappentext, dasselbe wollen: die "Überwindung der Subjekt-Objekt-Dichotomie". Die werden anhand von einzelnen Themen wie 'Geschichte' oder 'Zeit' aufgerissen. Und Hans Reiner Sepp schreibt über "Luhmann liest Husserl", anhand von Luhmanns 1996er Wiener Vortrag über -- richtig -- Husserls Wiener Vortrag von 1935.