Filme eignen sich wohl ganz gut für den Philosophie-Unterricht, behaupte ich mal, obwohl ich diesen Unterricht nur von Schülerseite erlebt habe, und da hätte ich einen Film hin und wieder wohl ganz nett gefunden. Etwas mehr Material als die bloße Nennung von Filmen ist da schon ganz nett. Im Buchner Verlag Bamberg ist ein Heft mit Materialien erschienen: Philosophie im Film, das sich an Lehrer richtet. Es stellt themenzentriert geeignete Filme vor und bereitet den Einsatz didaktisch vor, etwa mit Szenentranskiptionen und Vorschlägen für Aufgaben.
Das Material hier kann man ganz gut ergänzen mit der schönen Webseite Philosophical Films, die James Fieser von der University of Tennessee at Martin aufgebaut hat. Auch diese richtet sich an Lehrer, die Filme in ihren Unterricht einbauen wollen.
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21 Januar 2008
28 September 2006
Die Alligator-Geschichte
Patrick Baum berichtet in seinem Weblog Philosophus davon, wie die Figuren einer seltsamen Liebesgeschichte mit Alligatoren im Unterricht von Schülern der 12. Klasse beurteilt werden.
Dazu kommentiert Katja:
Wirklich? In dieser Allgemeinheit? Die moralische Beurteilung eines anderen ist im Grunde unmöglich?
Was die Moral angeht, bin ich Davidsonianer, das heißt: ich glaube nicht, dass man selbst Moral haben kann, wenn man nicht auch das Verhalten anderer moralisch beurteilen kann. Wenn es also unmöglich ist, das Verhalten anderer moralisch zu beurteilen, dann ist es auch unmöglich, selbst moralisch zu sein!
Diese Folge halte ich für absurd. Aber dass das moralische Beurteilen von anderen schwierig ist und nicht immer richtig liegt, ist eine andere Sache.
Die Alligator-Geschichte war mir neu, und hier gilt, wie meist, eine Lektion von Richard Mervyn Hare: Wenn einem die Story komisch vorkommt, kann das ja daran liegen, dass sie zu wenig Details enthält. Zum Beispiel: Hat Ivan ein Boot? Könnte er Abigail so rüberfahren? Warum kann Abigail nicht warten, bis die Brücke wieder aufgebaut ist? Kennt Abigail Slug schon oder ist das eine neue Bekanntschaft? Was weiß Slug?
Usf.
Außerdem muss man sich darüber im klaren sein, dass man schnell mit unbewussten Interpretationen bei der Hand ist:
Die Geschichte behauptet, dass Abigail Gregory liebt, aber ist das eigene Konzept von Liebe verträglich mit der Bereitschaft, mit jemand anderem zu schlafen? Ist das nicht Prostitution und damit moralisch verwerflich? Ist umgekehrt Sindbad ein Erpresser (pfui), oder verkauft er nur Abigail etwas (ok)? Ist jemand, der jemand anderen auf der Grundlage von Hörensagen verprügelt, nicht ein bösartiger Schläger? Usf. Weil die Geschichte unterbestimmt ist, kann man dann natürlich auch trefflich drüber streiten, weil die Lücken unterschiedlich gefüllt werden.
Dazu kommentiert Katja:
Ich glaube, das Beispiel zeigt ganz deutlich, dass die moralische Beurteilung eines anderen im Grunde unmöglich ist. Wobei es stimmt, dass wir auch in der Realität das immer wieder versuchen. Wäre es nicht eine Lösung, jeden nach den subjektiven Konsequenzen seiner Handlungen zu bewerten? Wenn Abigail z. B. das Erlebnis mit Sinbad als traumatischer als die Zurückweisung durch Gregory empfunden hat, dann ist er auch (aus ihrer Sicht) am stärksten zu verurteilen.Weil man sich zum Kommentieren registrieren muss, ziehe ich es vor, hier darauf zu antworten:
Wirklich? In dieser Allgemeinheit? Die moralische Beurteilung eines anderen ist im Grunde unmöglich?
Was die Moral angeht, bin ich Davidsonianer, das heißt: ich glaube nicht, dass man selbst Moral haben kann, wenn man nicht auch das Verhalten anderer moralisch beurteilen kann. Wenn es also unmöglich ist, das Verhalten anderer moralisch zu beurteilen, dann ist es auch unmöglich, selbst moralisch zu sein!
Diese Folge halte ich für absurd. Aber dass das moralische Beurteilen von anderen schwierig ist und nicht immer richtig liegt, ist eine andere Sache.
Die Alligator-Geschichte war mir neu, und hier gilt, wie meist, eine Lektion von Richard Mervyn Hare: Wenn einem die Story komisch vorkommt, kann das ja daran liegen, dass sie zu wenig Details enthält. Zum Beispiel: Hat Ivan ein Boot? Könnte er Abigail so rüberfahren? Warum kann Abigail nicht warten, bis die Brücke wieder aufgebaut ist? Kennt Abigail Slug schon oder ist das eine neue Bekanntschaft? Was weiß Slug?
Usf.
Außerdem muss man sich darüber im klaren sein, dass man schnell mit unbewussten Interpretationen bei der Hand ist:
Die Geschichte behauptet, dass Abigail Gregory liebt, aber ist das eigene Konzept von Liebe verträglich mit der Bereitschaft, mit jemand anderem zu schlafen? Ist das nicht Prostitution und damit moralisch verwerflich? Ist umgekehrt Sindbad ein Erpresser (pfui), oder verkauft er nur Abigail etwas (ok)? Ist jemand, der jemand anderen auf der Grundlage von Hörensagen verprügelt, nicht ein bösartiger Schläger? Usf. Weil die Geschichte unterbestimmt ist, kann man dann natürlich auch trefflich drüber streiten, weil die Lücken unterschiedlich gefüllt werden.
28 August 2005
Philosophie unterrichten als DADA-Konzept?
Was hat Philosophie-Unterricht mit DADA zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel: Philosophie ist rational, argumentativ, DADA eher nicht: "Was wir DaDa nennen, ist ein Narrenspiel aus dem Nichts, in das alle höheren Fragen verwickelt sind", meint Hugo Ball (hier zitiert aus DaDa Online).
Dale Jacquette, Philosoph an der Pennsylvania State University und mit zahlreichen Publikationen für Studierende, Textsammlungen und methodische Einführungen hervorgetreten, geht in einem Editorial zum American Philosophical Quarterly 42 (2005) 1 dieser Frage, nun, nicht direkt nach. Aber er betont doch eine Eigentümlichkeit des Philosophieunterrichts, welche den Rationalitätsanspruch infragestellt und ihn in die Nähe dadaistischer Botschaften rückt: Wie bringt man den Schülern bei, dass verschiedene Theorien ganz verschiedene Standpunkte zu einzelnen Fragen vertreten, ohne dass die eigene, die Lieblingstheorie am Ende als die Richtige dasteht, und ohne dass totes Lexikonwissen verwaltet wird?
Und sollte einem das gelingen, wie schafft man es, dass die Belehrten danach nicht verwirrter sind als vorher? Das sokratische Gespräch, gern als Beispiel für den erfolgreichen Philosophieunterricht verwandt, eignet sich nicht gut als Vorbild; dort geht es ja erstmal darum, vermeintliche Gewissheiten infragezustellen (jedenfalls da, wo Platon nicht mit rhetorischernTricks für die eigenen Lieblingsideen einnimmt). Jacquette meint, am besten würde von einem Team von Lehrern unterrichtet, deren Meinungsverschiedenheiten bekannt seien. Das halte ich für eine gute Idee: dann könnte zugleich der hohe Ton des höflichen und respektvollen Streits geübt werden...
Dale Jacquette, Philosoph an der Pennsylvania State University und mit zahlreichen Publikationen für Studierende, Textsammlungen und methodische Einführungen hervorgetreten, geht in einem Editorial zum American Philosophical Quarterly 42 (2005) 1 dieser Frage, nun, nicht direkt nach. Aber er betont doch eine Eigentümlichkeit des Philosophieunterrichts, welche den Rationalitätsanspruch infragestellt und ihn in die Nähe dadaistischer Botschaften rückt: Wie bringt man den Schülern bei, dass verschiedene Theorien ganz verschiedene Standpunkte zu einzelnen Fragen vertreten, ohne dass die eigene, die Lieblingstheorie am Ende als die Richtige dasteht, und ohne dass totes Lexikonwissen verwaltet wird?
Und sollte einem das gelingen, wie schafft man es, dass die Belehrten danach nicht verwirrter sind als vorher? Das sokratische Gespräch, gern als Beispiel für den erfolgreichen Philosophieunterricht verwandt, eignet sich nicht gut als Vorbild; dort geht es ja erstmal darum, vermeintliche Gewissheiten infragezustellen (jedenfalls da, wo Platon nicht mit rhetorischernTricks für die eigenen Lieblingsideen einnimmt). Jacquette meint, am besten würde von einem Team von Lehrern unterrichtet, deren Meinungsverschiedenheiten bekannt seien. Das halte ich für eine gute Idee: dann könnte zugleich der hohe Ton des höflichen und respektvollen Streits geübt werden...
Tags:
Dada,
Philosophieunterricht
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