Bisher ist mir der Adlibri-Verlag nicht aufgefallen. Eine kurze Googelei findet nur die Einträge in den Branchenverzeichnissen; eine Webpräsenz scheint es nicht zu geben.
Adlibri veröffentlicht neuerdings Reprints von philosophischen Titeln. Angekündigt sind z.B. Max Müller, Philosophische Anthropologie (war mal bei Alber in den 70er Jahren), oder Wilhelm Perpeet: Ästhetik im Mittelalter (war auch mal bei Alber), oder Otto F. Bollnow, Studien zur Hermeneutik 1 (war auch mal bei Alber).
[Update 13.10.] Titel des Postings geändert, klang zu negativ. -- Inzwischen habe ich erfahren, dass Adlibri eine Lizenzvereinbarung mit Alber hat über die Veröffentlichung von ein paar Titeln getroffen hat (wobei die Rechte an Perpeets Werk wieder bei der Erbin liegen). Adlibri ist dabei wohl auf Alber zugekommen.
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12 September 2008
28 Mai 2008
Es ist schon schwer...
VDM, der berühmte Verlag, hat sich des Werks von African Spir angenommen. Mir liegen hier zwei Reprints vor, und zwar die Kleinen Schriften und Moralität und Religion. Während ich mich freue, sagen zu können, dass der Verlag es diesmal geschafft hat, ohne Kopierstreifen auszukommen, so dass man, wäre die Scanqualität nicht von recht geringer Auflösung, von ansehnlichen Reprints sprechen könnte (allerdings stören einige Artefakte hin und wieder), bleibt es wieder einmal den Lesern überlassen zu erraten, welche Ausgabe hier eigentlich reprinted wurde, denn man hat von der Reprint-Wiedergabe des Titelblattes Verlagsort und Jahreszahl entfernt. Die Schrift Moralität und Religion hat hier 156 Seiten; es könnte sich um die Erstausgabe (Leipzig 1874?) handeln. Von den Kleinen Schriften scheint nur eine Ausgabe 1870 erschienen zu sein, so dass der Reprint vermutlich von dieser rührt.
Beide Bücher haben übrigens denselben Klappentext, der mit einem Hinweis auf Nietzsche beginnt: "Das 1873 erschienene Buch "Denken und Wirklichkeit. Versuch einer Erneuerung der kritischen Philosophie" von Spir hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Denken Friedrich Nietzsches ausgeübt". Das heißt ja wohl: ihr, die ihr Nietzsche lest, solltet auch Spir lesen.
Allerdings bin ich mir da nicht so sicher: denn was ein origineller Denker aus seinen Einflüssen macht, muss ja nichts mit dem zu tun haben, was diese Einflüsse tatsächlich sind. Und dass der Klappentext auf andere Werke Spirs verweist, spricht ja nun auch dafür, dass der Verlag selbst seinem Reprint kein originäres Interesse abgewinnen kann.
Der englische Wikipedia-Artikel über Spir enthält übrigens am Ende ein kleine Bibliographie über das Verhältnis von Nietzsche und Spir.
Beide Bücher haben übrigens denselben Klappentext, der mit einem Hinweis auf Nietzsche beginnt: "Das 1873 erschienene Buch "Denken und Wirklichkeit. Versuch einer Erneuerung der kritischen Philosophie" von Spir hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Denken Friedrich Nietzsches ausgeübt". Das heißt ja wohl: ihr, die ihr Nietzsche lest, solltet auch Spir lesen.
Allerdings bin ich mir da nicht so sicher: denn was ein origineller Denker aus seinen Einflüssen macht, muss ja nichts mit dem zu tun haben, was diese Einflüsse tatsächlich sind. Und dass der Klappentext auf andere Werke Spirs verweist, spricht ja nun auch dafür, dass der Verlag selbst seinem Reprint kein originäres Interesse abgewinnen kann.
Der englische Wikipedia-Artikel über Spir enthält übrigens am Ende ein kleine Bibliographie über das Verhältnis von Nietzsche und Spir.
16 Februar 2008
Max Adler u.a. bei Literatur-Agentur Danowski
Ich habe ja schon mal vor dieser Literatur-Agentur gewarnt. Auch jetzt sehe ich gerade wieder einen ungekennzeichneten Reprint angezeigt: aus den 44 Seiten der 1919 erschienen Würdigung Georg Simmels von Max Adler (Georg Simmels Bedeutung für die Geistesgeschichte. Wien) macht die Agentur 88 Blatt, die "geh." sind: ein einseitig kopierter Reprint also, zusammengeheftet. Die Deutsche Nationalbibliographie macht keine Preisangabe des Danowski-Reprints, aber antiquarisch kann man das Werk noch für 20,- € kaufen. Das dürfte in jedem Fall billiger sein! Wenn man nicht auf Google Books warten möchte...
Danowski bietet auch 79 Blatt "Philosophen-Porträtaufnahmen" an. Entweder handelt es sich darin um gemeinfreie Bilder: dann sinds vermutlich nur Porträtaufnahmen in dem Sinne, dass es Aufnahmen von Porträts sind. Oder es handelt sich um Fotografien von Personen: dann steht zu befürchten, dass Danowski sich hier einfach irgendwo bedient hat (was man ja nicht darf). Zu schade, dass es im Web keine weiteren Informationen gibt: weder über den Preis noch über sonstige Merkmale des Inhalts. So ganz professionell funktioniert der Vertrieb der Literatur-Agentur offenbar nicht...
Danowski bietet auch 79 Blatt "Philosophen-Porträtaufnahmen" an. Entweder handelt es sich darin um gemeinfreie Bilder: dann sinds vermutlich nur Porträtaufnahmen in dem Sinne, dass es Aufnahmen von Porträts sind. Oder es handelt sich um Fotografien von Personen: dann steht zu befürchten, dass Danowski sich hier einfach irgendwo bedient hat (was man ja nicht darf). Zu schade, dass es im Web keine weiteren Informationen gibt: weder über den Preis noch über sonstige Merkmale des Inhalts. So ganz professionell funktioniert der Vertrieb der Literatur-Agentur offenbar nicht...
Tags:
Literatur Agentur Danowski,
Reprint,
Warnung
28 Januar 2008
VDM Reprint, x
Man kann sich schon an den kleinen Dingen freuen, so z.B., dass VDM es gelungen ist, seinen Reprint von Bartholomäus von Carneris Entwicklung und Glückseligkeit in einer etwas besseren Qualität herzustellen als die andern bisher von mir gesehenen "Edition Classic"-Bände: keine Kopierstreifen am Rand, das als Vorlage benutzte Exemplar hat auch keine Bleistiftanstreichungen. Die Seiten hängen nur minimal schief. Erstaunlich finde ich immer noch die Scanqualität: die könnten sicher mit einer höheren Auflösung arbeiten und bräuchten keine pixeligen Buchstaben anzubieten.
Ärgerlich auch hier, dass die Titelseite des Originals bearbeitet beigegeben wurde (Druckort und -jahr entfernt), so dass man recherchieren muss, um festzustellen, dass dieses 1886 in Stuttgart im Verlag Schweizerbart erschienen ist. Und dass damit natürlich die Copyright-Bemerkung des Verlags falsch ist. Das Buch ist hergestellt bei Books on Demand in Nordersted: wieso muss es dann 49,- € kosten? Diesmal konnte ich allerdings kein antiquarisches Angebot ausmachen. Trotzdem würde ich jedem, der Geduld hat, vom Kauf abraten: die Bayerische Staatsbibliothek besitzt ein Exemplar von 1886, und das wird durch den BSB-Google-Deal irgendwann online sein.
Ärgerlich auch hier, dass die Titelseite des Originals bearbeitet beigegeben wurde (Druckort und -jahr entfernt), so dass man recherchieren muss, um festzustellen, dass dieses 1886 in Stuttgart im Verlag Schweizerbart erschienen ist. Und dass damit natürlich die Copyright-Bemerkung des Verlags falsch ist. Das Buch ist hergestellt bei Books on Demand in Nordersted: wieso muss es dann 49,- € kosten? Diesmal konnte ich allerdings kein antiquarisches Angebot ausmachen. Trotzdem würde ich jedem, der Geduld hat, vom Kauf abraten: die Bayerische Staatsbibliothek besitzt ein Exemplar von 1886, und das wird durch den BSB-Google-Deal irgendwann online sein.
05 Dezember 2007
VDM again
Ernst Laas: Kants Analogien der Erfahrung. 59,- € bei VDM. Aber natürlich wieder ein Reprint, bei dem auf der Titelseite Ort und Zeit des Originals entfernt wurden, mit dem bei VDM obligatorischen und falschen Copyright-Hinweis; mit dem obligatorischen Hinweis, die schlechte Qualität des Reprints erkläre sich dadurch, dass hier ein altes und wertvolles Buch nachgedruckt würde. Also bitte! Andere Verlage können das doch auch, ohne Bleistiftanstreichungen wiederzugeben. Da muss man eben mal ein paar Seiten digital nachbearbeiten, statt die schlicht auf den Kopierer zu legen, falls es wirklich unmöglich sein sollte, eine einwandfreie Vorlage zu kriegen! "Auch ist eine leichte Unschärfe im Schriftbild bei alten Vorlagen normal." Wie bitte? Vielleicht einfach etwas höher auflösen!
Der Band ist ein Reprint der Originalausgabe von 1876, Berlin : Weidmann. Antiquarisch konnte ich zur Zeit das Buch nicht nachweisen.
PS In letzter Zeit erhalte ich Anfragen von Leuten, die Auskunft bei mir darüber suchen, wie ein Veröffentlichungsangebot des VDM-Verlags zu beurteilen sei. Da kann ich nur sagen: ich weiß nicht, wie VDM lebende Autoren behandelt. Ich habe dazu auch keine Meinung. Und die Ratschläge, die ich dazu geben kann, sind: Lesen Sie den angebotenen Vertrag sorgfältig durch. Fragen Sie jemanden, der sich damit auskennt.
Der Band ist ein Reprint der Originalausgabe von 1876, Berlin : Weidmann. Antiquarisch konnte ich zur Zeit das Buch nicht nachweisen.
PS In letzter Zeit erhalte ich Anfragen von Leuten, die Auskunft bei mir darüber suchen, wie ein Veröffentlichungsangebot des VDM-Verlags zu beurteilen sei. Da kann ich nur sagen: ich weiß nicht, wie VDM lebende Autoren behandelt. Ich habe dazu auch keine Meinung. Und die Ratschläge, die ich dazu geben kann, sind: Lesen Sie den angebotenen Vertrag sorgfältig durch. Fragen Sie jemanden, der sich damit auskennt.
21 November 2007
Literatur-Agentur Danowski veröffentlicht Schelling-Bibliographie
Sieht aus wie ein Schweizer Verlag, ist aber bloß eine Kopierstation. Die sogenannte Literatur-Agentur Danowski vertreibt z.B. eine "Bibliographie der Schriften von und über" Friedrich Schelling "bis 1926", von Johann Jost, 2006 angeblich in Zürich erschienen. Angezeigt war dies so im Neuerscheinungsdienst der Deutschen Nationalbibliothek, welches Bibliothekaren und anderen beim Bücherkaufen hilft. Nicht sehen konnte man allerdings in diesem Heft die Information, die die DNB inzwischen in ihrem Katalog ergänzt hat, dass es sich nämlich um ein Werk handelt, das schon früher erschienen ist, und zwar als Kopie dieser früheren Ausgabe. Die DNB schreibt vornehm "Reprint" dazu, nämlich der Ausgabe Bonn : Cohen 1927.
Und wie teuer ist der Spaß?
Offenbar hat Danowski dasselbe schon einmal 1998 angeboten, heftweise. Das "Heft 1" mit 24 S. hat eine Preisangabe von 99,- $ im Katalog der DNB. Vermutlich ist es diesmal also noch teurer. Inzwischen habe ich außerdem andere "Bücher" gesehen, die Danowski vertrieben hat: 1seitig bedruckte, gelochte mit einem Faden zusammengebundene Loseblattsammlungen, für horrende Preise. Immerhin behauptet das DNB-Katalogisat, in den 54 Seiten des Reprints (gegenüber den 50 des Originals) sei noch ein "Nachtrag bis 2006 von Marian Danowski" enthalten. Na, so einen Nachtrag erstelle ich doch mit links! 390 Monographien zu Schelling weist allein der OPAC der UB Erlangen nach (Schlagwort). Antiquarisch ist der alte Jost übrigens für gut 30,- € zu haben.
Danowski ist ein immerhin auch der Wikipedia bekannter seltsamer Vogel.
Und wie teuer ist der Spaß?
Offenbar hat Danowski dasselbe schon einmal 1998 angeboten, heftweise. Das "Heft 1" mit 24 S. hat eine Preisangabe von 99,- $ im Katalog der DNB. Vermutlich ist es diesmal also noch teurer. Inzwischen habe ich außerdem andere "Bücher" gesehen, die Danowski vertrieben hat: 1seitig bedruckte, gelochte mit einem Faden zusammengebundene Loseblattsammlungen, für horrende Preise. Immerhin behauptet das DNB-Katalogisat, in den 54 Seiten des Reprints (gegenüber den 50 des Originals) sei noch ein "Nachtrag bis 2006 von Marian Danowski" enthalten. Na, so einen Nachtrag erstelle ich doch mit links! 390 Monographien zu Schelling weist allein der OPAC der UB Erlangen nach (Schlagwort). Antiquarisch ist der alte Jost übrigens für gut 30,- € zu haben.
Danowski ist ein immerhin auch der Wikipedia bekannter seltsamer Vogel.
20 November 2007
VDMs Reprints (4): "Edition Classic"
Eigentlich wissen wir ja schon gut über VDMs Reprint-Praxis Bescheid. Nun habe ich mich letztens davon irritieren lassen, dass VDM einige Werke durch den Vermerk "hg. von Esther von Krosigk" wie eine Neuausgabe erscheinen lässt. Und so haben wir Wilhelm Schuppes Grundzüge der Ethik und Rechtsphilosophie hier. Also: Sind keine Neuausgaben. Stattdessen handelt es sich um einen Reprint vermutlich der Ausgabe von 1881, die übrigens auch schon der Scientia-Verlag 1963 nachgedruckt hatte. Wie immer bei den von mir gesehenen VDM-Reprints ist die Druckqualität mäßig, wenn auch nicht ganz so schlecht wie sonst. Warum VDM zwar eine Titelblattkopie bringt, dort aber Verlagsort und Druckjahr entfernt hat, bleibt deren Geheimnis.
Esther von Krosigk, die bekannte Expertin (ist es diese hier?) für die Geschichte, erledigt ihre Herausgeberarbeit mit einem 2seitigen Reihenvorwort. Darf ich mal ein bisschen zitieren?
"Ein Großteil der Erkenntnisse, auf denen unsere Wissenschaften heute aufbauen, gründen im Forscherdrang des 19. Jahrhunderts". Hhm, ja. Ein Großteil der Erkenntnisse, auf denen unsere Wissenschaften heute aufbauen, gründen auch auf dem Forscherdrang der [hier Epoche Ihrer Wahl einsetzen]. Für von Krosigk ist das 19. Jahrhundert so eine Art Gründerzeit der Wissenschaften, "und so entstand eine große Menge an grundlegenden Werken - häufig so einfach und plausibel geschrieben, dass es selbst für Laien spannend ist darin zu lesen. Noch heute."
Ah, hier ist also die Zielgruppe von VDM: die Laien! Die blechen vielleicht 54,- € für ein hässliches Paperback, weil sie nicht darauf warten wollen , dass Google Books erkennt, wie urheberrechtsfrei Schuppes (gestorben 1913) Werke sind. Und die sowohl Scientias als auch Elibrons Reprint verpasst haben. Den kann man übrigens bei Amazon.co.uk noch bekommen, für 8,77 Pfund.
Esther von Krosigk, die bekannte Expertin (ist es diese hier?) für die Geschichte, erledigt ihre Herausgeberarbeit mit einem 2seitigen Reihenvorwort. Darf ich mal ein bisschen zitieren?
"Ein Großteil der Erkenntnisse, auf denen unsere Wissenschaften heute aufbauen, gründen im Forscherdrang des 19. Jahrhunderts". Hhm, ja. Ein Großteil der Erkenntnisse, auf denen unsere Wissenschaften heute aufbauen, gründen auch auf dem Forscherdrang der [hier Epoche Ihrer Wahl einsetzen]. Für von Krosigk ist das 19. Jahrhundert so eine Art Gründerzeit der Wissenschaften, "und so entstand eine große Menge an grundlegenden Werken - häufig so einfach und plausibel geschrieben, dass es selbst für Laien spannend ist darin zu lesen. Noch heute."
Ah, hier ist also die Zielgruppe von VDM: die Laien! Die blechen vielleicht 54,- € für ein hässliches Paperback, weil sie nicht darauf warten wollen , dass Google Books erkennt, wie urheberrechtsfrei Schuppes (gestorben 1913) Werke sind. Und die sowohl Scientias als auch Elibrons Reprint verpasst haben. Den kann man übrigens bei Amazon.co.uk noch bekommen, für 8,77 Pfund.
18 September 2007
VDMs Reprints (3), mal wieder
Ich habe hier wieder zwei Bände vorliegen, die der VDM-Verlag produziert hat. Ungekennzeichnete Reprints alle beide. Mit "ungekennzeichnet" meine ich, dass man es im Katalog nicht sehen kann. VDM hat auf seinen Seiten keinen eigenen Katalog, sondern verweist auf Amazon. Da sieht man angezeigt eine Neuausgabe von Wissen, Glaube und Ahndung von Jakob Friedrich Fries, für 72,- €. Im Buch steht nur drin:
Man muss also schon selbst ein bisschen blättern, um zu erkennen, dass es sich um den Reprint der 2. Auflage der Neuausgabe, 1931 erschienen, handelt. Das Buch ist erstmals 1805 erschienen (und diese Ausgabe antiquarisch für ca. 120,- € zu haben) und online verfügbar: bei Google Books. Es gibt eine moderne Werkausgabe, die in Aalen bei Scientia seit den 60ern erscheint, dort ist das Werk Teil des 3. Bandes der 1. Abteilung. Die Neuausgabe von Leonard Nelson 1905 und deren zweite Auflage von Paul Bernays 1931 sind beide antiquarisch zu haben, letztere für 25,- €. Es gab schon einen Reprint (der Erstausgabe von 1805) bei Vandenhoeck und Ruprecht, der ebenfalls antiquarisch zu haben ist, für wenig Geld. Warum also das Ganze für 72,- €? Natürlich hat VDM auch wieder seine drohende Copyright-Notiz reingesetzt. Das ist besonders prickelnd, weil Paul Bernays als Herausgeber der Ausgabe von 1931 eine Vorbemerkung schrieb, das hier mit reprinted wurde. Bernays starb 1977: sein Vorwort ist nicht urheberrechtsfrei. Wenn VDM sich nicht eine Lizenz besorgt hat (was ich bezweifle, da dies nirgendwo angegeben ist), haben die hier das Copyright verletzt.
Das zweite Buch, was ich hier anzeige, um davor zu warnen, ist die VDM-Ausgabe von Heinrich Rickerts Grundproblemen der Philosophie. Auch das ist ein im Katalog nicht als solcher zu erkennender Reprint, und zwar der Erstausgabe von 1934, die bei Mohr Siebeck erschien. 59,- € will VDM dafür haben; überflüssig zu schreiben, dass die Erstausgabe antiquarisch billiger zu haben ist und dass die Qualität des Reprints sehr schlecht ist (jedenfalls verglichen mit solchen Reprint-Künstlern wie Olms). Warum VDM hier wie die Original-Titelseite weggelassen hat, kann man nur raten: vielleicht, weil es den Verlag noch gibt, der die Erstausgabe anbot.
Dies ist ein Reprint. Ein Buch also, dessen Vorlage ein meist sehr wertvolles und altes Werk ist. An manchen Stellen mögen sich daher Spuren des Gebrauchs finden oder kleine Beschädigungen. Auch ist eine Unschärfe im Schriftbild bei alten Vorlagen normal.
Man muss also schon selbst ein bisschen blättern, um zu erkennen, dass es sich um den Reprint der 2. Auflage der Neuausgabe, 1931 erschienen, handelt. Das Buch ist erstmals 1805 erschienen (und diese Ausgabe antiquarisch für ca. 120,- € zu haben) und online verfügbar: bei Google Books. Es gibt eine moderne Werkausgabe, die in Aalen bei Scientia seit den 60ern erscheint, dort ist das Werk Teil des 3. Bandes der 1. Abteilung. Die Neuausgabe von Leonard Nelson 1905 und deren zweite Auflage von Paul Bernays 1931 sind beide antiquarisch zu haben, letztere für 25,- €. Es gab schon einen Reprint (der Erstausgabe von 1805) bei Vandenhoeck und Ruprecht, der ebenfalls antiquarisch zu haben ist, für wenig Geld. Warum also das Ganze für 72,- €? Natürlich hat VDM auch wieder seine drohende Copyright-Notiz reingesetzt. Das ist besonders prickelnd, weil Paul Bernays als Herausgeber der Ausgabe von 1931 eine Vorbemerkung schrieb, das hier mit reprinted wurde. Bernays starb 1977: sein Vorwort ist nicht urheberrechtsfrei. Wenn VDM sich nicht eine Lizenz besorgt hat (was ich bezweifle, da dies nirgendwo angegeben ist), haben die hier das Copyright verletzt.
Das zweite Buch, was ich hier anzeige, um davor zu warnen, ist die VDM-Ausgabe von Heinrich Rickerts Grundproblemen der Philosophie. Auch das ist ein im Katalog nicht als solcher zu erkennender Reprint, und zwar der Erstausgabe von 1934, die bei Mohr Siebeck erschien. 59,- € will VDM dafür haben; überflüssig zu schreiben, dass die Erstausgabe antiquarisch billiger zu haben ist und dass die Qualität des Reprints sehr schlecht ist (jedenfalls verglichen mit solchen Reprint-Künstlern wie Olms). Warum VDM hier wie die Original-Titelseite weggelassen hat, kann man nur raten: vielleicht, weil es den Verlag noch gibt, der die Erstausgabe anbot.
01 April 2007
VDMs Nachdrucke (2)
Habe wieder herzlich über den VDM, den Verlag Dr. Müller, gelacht. Neulich hatte ich im Vorauseilenden Gehorsam eine "geschäftsschädigende" Äußerung vom Netz genommen, die eine Information enthielt, die ich nicht hätte haben dürfen, meinte VDM. Aber es kann ja nicht in diesem Sinne geschäftsschädigend sein, wenn ich hier ein paar frei verfügbare Information zusammentrage. So gibt es bei VDM einen Band von Moritz Schlick Gesammelte Aufsätze 1926-1936 (Saarbrücken 2006). Man geht nicht fehl in der Annahme, wenn man hier vermutet, dass 2006 die Werke Schlicks urheberrechtsfrei geworden sind, so dass VDM diese verwenden darf. Das stimmt auch, denn bekanntermaßen gewährt das Urheberrecht in D Schutz vor Verwertung bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Und Schlick wurde bekanntermaßen 1936 in Wien erschossen.
VDM hat auch hier eine mehr schlechte als rechte Kopie vorgelegt, mit deutlich erkennbaren Kopierstreifen am Rand, und sie haben sich nicht mal die Mühe gemacht, sich etwas zum Nachdrucken zu besorgen, was frei von Markierungen früherer Leser ist. Wenn man die Kataloge bemüht, findet man, dass die VDM-Ausgabe ein Reprint der Ausgabe Wien : Gerold, 1938 ist -- haben jedenfalls die Kollegen der Deutschen Nationalbibliothek ermittelt. Ich persönlich halte das für ein Unding, dass VDM nicht angibt, a) dass es sich überhaupt um einen Reprint handelt, b) welche Ausgabe nachgedruckt wurde.
Seltsam, dass gerade ein solcher Reprint mit so massivem Hinweis auf das Urheberrecht versehen ist. So heißt es im Buch:
Na, lieber Herr Dr. Müller, wer sind denn die Lizenzgeber? Vielleicht der Olms-Verlag, der dasselbe Werk, dieselbe Ausgabe schon 1969 im Reprint anbot? Der übrigens erheblich sorgfältiger gearbeitet war: und außerdem in Leinen gebunden.
VDM hat auch hier eine mehr schlechte als rechte Kopie vorgelegt, mit deutlich erkennbaren Kopierstreifen am Rand, und sie haben sich nicht mal die Mühe gemacht, sich etwas zum Nachdrucken zu besorgen, was frei von Markierungen früherer Leser ist. Wenn man die Kataloge bemüht, findet man, dass die VDM-Ausgabe ein Reprint der Ausgabe Wien : Gerold, 1938 ist -- haben jedenfalls die Kollegen der Deutschen Nationalbibliothek ermittelt. Ich persönlich halte das für ein Unding, dass VDM nicht angibt, a) dass es sich überhaupt um einen Reprint handelt, b) welche Ausgabe nachgedruckt wurde.
Seltsam, dass gerade ein solcher Reprint mit so massivem Hinweis auf das Urheberrecht versehen ist. So heißt es im Buch:
Das Werk ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. [...] Copyright 2006 VDM Verlag Dr. Müller e.K. und Lizenzgeber
Na, lieber Herr Dr. Müller, wer sind denn die Lizenzgeber? Vielleicht der Olms-Verlag, der dasselbe Werk, dieselbe Ausgabe schon 1969 im Reprint anbot? Der übrigens erheblich sorgfältiger gearbeitet war: und außerdem in Leinen gebunden.
Tags:
Buchkritik,
Reprint,
Schlick,
VDM
06 Februar 2007
Freges Kleine Schriften im VDM-Verlag
Der Verlag Dr. Müller oder kurz VDM wirft seit einiger Zeit philosophische Werke auf den Buchmarkt, die man sich vielleicht schon mal in Neuausgaben gewünscht hat. Jüngst aufgefallen sind mir Freges Kleine Schriften und Erkenntnis und Irrtum von Ernst Mach. Was man den hier verlinkten Amazon-Buchdaten aber nicht entnehmen kann, ist, dass es sich in der Frege-Ausgabe um eine schlechte Kopie der OLMS-Ausgabe von 1967 (oder der zweiten Auflage von 1990?) handelt! Schlecht ist die Kopie, weil die Kopierstreifen noch deutlich zu sehen sind, und weil VDM, aus urheberrechtlichen Gründen, die VII Seiten Vorwort des Herausgebers der OLMS-Ausgabe weggelassen hat. Die OLMS-Ausgabe ist noch im Handel und kostet 74,- €: das ist fadengeheftet und in Leinen gebunden. Die VDM-Ausgabe ist Paperback und geleimt.
Ich weiß nicht, wie es sich bei dem Mach-Buch verhält. Das kostet bei VDM 68,- €. Es gibt aber eine gute Neuausgabe mit Seitenkonkordanz im Parerga-Verlag: für 22,80 €. Kommt Ihnen das VDM-Angebot nicht auch etwas überteuert vor?
[Nachtrag 5.3.07]
[Nachtrag 26.3.07] Im obigen Nachtrag stand was, das der VDM-Verlag als "geschäftsschädigend" betrachtet hat. Zwar hat es der Verlag nicht fertig gebracht, mir dies selbst mitzuteilen (das wäre ja über die Kommentarfunktion ganz leicht gewesen), aber ich entferne es freiwillig, denn dies ist ja nur ein kleines Philosophie-Blog, das keine wirtschaftlichen Absichten hat: schon gar nicht die, jemandes Geschäfte zu schädigen. Hier liegt mir eine Reflexion nahe, was denn "Schaden" überhaupt ist; aber die Philosophie schweigt besser, denn wie jeder weiß, sprechen, Juristen eine andere Sprache, die über die philosophische Reflexion gar nicht erreicht wird.
Ich weiß nicht, wie es sich bei dem Mach-Buch verhält. Das kostet bei VDM 68,- €. Es gibt aber eine gute Neuausgabe mit Seitenkonkordanz im Parerga-Verlag: für 22,80 €. Kommt Ihnen das VDM-Angebot nicht auch etwas überteuert vor?
[Nachtrag 5.3.07]
[Nachtrag 26.3.07] Im obigen Nachtrag stand was, das der VDM-Verlag als "geschäftsschädigend" betrachtet hat. Zwar hat es der Verlag nicht fertig gebracht, mir dies selbst mitzuteilen (das wäre ja über die Kommentarfunktion ganz leicht gewesen), aber ich entferne es freiwillig, denn dies ist ja nur ein kleines Philosophie-Blog, das keine wirtschaftlichen Absichten hat: schon gar nicht die, jemandes Geschäfte zu schädigen. Hier liegt mir eine Reflexion nahe, was denn "Schaden" überhaupt ist; aber die Philosophie schweigt besser, denn wie jeder weiß, sprechen, Juristen eine andere Sprache, die über die philosophische Reflexion gar nicht erreicht wird.
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