Die Print-on-Demand-Verlage vermehren sich -- ist das wirklich ein gutes Geschäftsmodell?
Kaufen wir von Thomas Ebke Plessners Doppelaspekt des Lebens und Heideggers Zwiefachheit der physis, München: AVM, 2008 (83 Seiten), 29,90 € ?
Nein.
Und auch nicht Ebkes "Zwischen Abgrund und Abgrund" bei Grin (Druck einer Hauptseminararbeit), in zwei verschiedenen Ausgaben!
Und auch nicht Ebkes Schwebe der Körper, Stammeln der Sprache bei Grin (Druck einer Hauptseminararbeit).
Und auch nicht Ebkes Homo absconditus bei Grin, was zwar auch nur 28 Seiten hat, wo uns aber die Note der (vermutlich) Seminararbeit nicht mitgeteilt wird.
Und auch nicht Ebkes Kino des Gehirns bei Grin mit ca. 60 Seiten.
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03 März 2009
11 Februar 2009
Die Angst des Roland Reuß vor Open Access (Teil 1)
(Aufmerksam geworden durch Steinhauers Wissenschaftsurheberrechtsblog)
Hier geht's zu Teil 2.
Roland Reuß hat in der FAZ heute den Teufel an die Wand gemalt: die Open Access-Bewegung sei eine „klammheimliche technokratische Machtergreifung“. Er versucht seinen Lesern zu erklären, warum Open Access schlecht ist: aus „kulturelle[n], rechtliche[n] und finanzielle[n] Gründe[n]“, nämlich. Außerdem bringt er es fertig, durch seine Wortwahl das Kritisierte in die Nähe sowohl des Faschismus („Machtergreifung“) als auch des Kommunismus („staatsmonopolistischer Verwertungskreislauf“) zu stellen. Open Access-Vertreter sind, folgt daraus, fanatisch. Mit Verlaub: das ist unfair. Ich kann mir solche Rhetorik nur so erklären, dass Reuß wirklich echt und tiefempfunden Angst hat vor dem, was er da heraufziehen sieht. Angst ist etwas Irrationales, und so bringt Reuß seine Angst wohl auch dazu, sich an die Fakten nicht zu kehren.
Roland Reuß
Wer ist dieser Roland Reuß? Auf der Webseite seines „Instituts für Textkritik“ erfährt man, dass er seit 2007 in Heidelberg als Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft wirkt, 1994 das besagte Institut mit begründet hat, 1958 geboren ist. Seine Forschungsinteressen sind: „Theorie der Edition, Hölderlin, Kafka, Kleist, Romantik, Paul Celan, Digitale Medien“.
Die Publikationsliste nennt zwei Publikationen (wenn ich nicht was übersehen habe), die etwas mit „Digitalen Medien“ zu tun haben, ein Aufsatz „Digitalisierung ohne Daumen“ (oder vielleicht zwei titelgleiche) und „Textkritische Editionen und Datenformate“ im Jahrbuch der Computerphilologie 1999, den zu verlinken er sich nicht die Mühe macht.
Die anderen Forschungsinteressen sagen mir als studiertem Germanisten, dass wir es hier mit einem zu tun haben, der die ‘Theorie’ liebt: Hölderlin, Kleist, Romantik, Kafka, Celan: das sind die typischen Spielwiesen der Literaturtheoretiker. Die schwierigen, vieldeutigen Autoren. Reuß hat auch Kafka und Kleist ediert und gibt die Zeitschrift TEXT heraus, bei der er fleißig selbst schreibt.
Reuß’ Editionen im Stroemfeld-Verlag sind Faksimile-Editionen, d.h. solche, die das Manuskript und auf der gegenüberliegenden Seite einen Transkriptionsvorschlag zeigen. Damit hat Reuß methodisch die Editionsphilologie vorangebracht; mit seinem streitfreudigen Eintreten für diese Form der Edition und gegen alle anderen aber auch seinen wissenschaftlichen Solipismus gezeigt. Reuß ist einer, der nicht gern auf andere Meinungen hört, aber immerzu von andern fordert, sie möchten auf ihn hören.
David gegen Goliath: Reuß gegen DFG, WR und KMK
Ich verneige mich vor der Chuzpe, mit der Reuß sich zum Underdog macht: er steht nämlich auf gegen Kultusministerkonferenz, Wissenschaftsrat UND Deutsche Forschungsgemeinschaft, die im Verein „partiell und mit Billigung der unkundigen und hilflosen Opfer“ diesen Open Access aufzwingen. David Reuß gegen Goliath Politik. Die DFG zum Beispiel gibt in ihren Richtlinien vor, zitiert Reuß, „dass die mit ihren Mitteln finanzierten Forschungsergebnisse publiziert und dabei möglichst auch digital veröffentlicht und für den entgeltfreien Zugriff im Internet verfügbar gemacht werden“. Ähnliches sieht Reuß (vermutlich) auch bei der KMK am Werk, und da die Unis aus Ländermitteln bezahlt werden, fürchtet er, dass Uniangehörige von ihrer Hochschule verpflichtet würden, ihre Forschungsergebnisse auf dem Hochschulserver abzulegen. Der Streit geht nicht darum, ob das stimmt (für die DFG kann das jeder auf deren Webseiten nachlesen), sondern wie das zu bewerten ist. Warum soll das schlecht sein? Sehen wir uns Reuß’ Gründe an.
Die finanziellen Gründe gegen Open Access nach Reuß -- und Kommentar
Ad 1. Typographie
Dass das für ihn als typographischen Feinschmecker von Belang ist, muss man ihm nachsehen. Dass es aber nicht stimmt, sollte man schon mit in die Bewertung einbeziehen. Es stimmt beides nicht: OA ist nicht notwendig hässlich. (Belege kann man sich schenken, da Reuß Behauptung ohnehin nur Polemik ist.) Und Verlage erbringen nicht immer diese Leistungen. Ich rede nicht von Peter Lang oder VDM. Ich habe die Produktion von Dissertationen, Tagungsbänden und Professorenmonographien mitbekommen, und Veröffentlichungen bei den Verlagen Mohr Siebeck, Vandenhoeck und Ruprecht, Carl Winter, Neukirchener, Königshausen & Neumann, Niemeyer, de Gruyter. Die verlangten Druckkostenzuschüsse sind natürlich unterschiedlich hoch, bilden aber schon jeweils eine stolze Summe. Bei Niemeyer musste ich meinen eigenen Text komplett zum Satz vorbereiten. De Gruyter hat einem Autor eine Word-Dokumentvorlage gegeben; Mohr Siebeck eine Formatierungsvorschrift auf Papier. Beide haben das druckfertige Manuskript zum Abfotografieren (CRC-Verfahren) bekommen. Sammelbände werden in der Regel von den Hilfskräften der Herausgeber korrekturgelesen und oft auch gesetzt.
Ad 2. Durchsetzen
Von welchen Werken redet Reuß? Der Verdacht liegt nahe: von seinen eigenen Editionsvorhaben im Stroemfeld-Verlag, die ja in der Tat umstritten sind und für die der Verlag sicher Mut gebraucht hat. Aber sonst?
Ad 3. Qualitätsfilter vs. Wissenschaftsdarwinismus
Das Argument Qualitätsfilter bringt Reuß gerade im Zusammenhang mit Dissertationen: die „besseren“ lägen gedruckt vor, nur die „mittelmäßigen“ landeten auf dem Hochschulschriftenserver. Dazu ist verschiedenes anzumerken. Welcher Verlag sucht sich die Dissertationen selbst aus, die er druckt? In der Regel, bei den mittelständischen Verlagen, um die es geht, gibt es Reihen und Reihenherausgeber, das heißt Wissenschaftler. Die könnten diesen Dienst an der Wissenschaft natürlich auch bei OA-Publikationen erbringen. Da besteht kein notwendiger Zusammenhang. -- Glaube ich an den hier von Reuß vertretenen Wissenschaftsdarwinismus: Qualität wird gedruckt? Nein, ich halte das für eine zynische Sicht. Ich kenne einige bestens bewertete Dissertationen, die allein darum auf dem Hochschulschriftenserver landeten, weil die Autoren das Geld für Druckkostenzuschüsse nicht aufbringen wollten und nicht die Geduld hatten, auf die Entscheidung von VG Wort oder DFG oder Boehringer Ingelheim oder eine der anderen Fördereinrichtungen zu warten. Die Veröffentlichung auf dem Hochschulschriftenserver hingegen kostet den Verfasser in der Regel nichts.
Reuß verweist hier auf eine in seiner eigenen Zeitschrift erschienenen Text vom nicht gerade als neutralen Beobachter ausgewiesenen Konstanzer Bibliothekar Uwe Jochum. Der ist, sagt Reuß, „den Dingen auf den Grund“ gegangen in einem Beitrag über Nationallizenzen, und hat „erstaunliches“ festgestellt. Was kann das sein, dieses Erstaunliche? Dass die Uni Yale ihren Angehörigen die Publikation beim OA-Verlag BioMed Central nicht mehr bezahlt, weil sie dafür im Jahr 2005 4648 Dollar, im Jahr 2007 aber schon 64.000 Dollar hätten zahlen müssen, was immerhin, weiß Reuß, „den Abonnementkosten von rund vierzehn biomedizinischen Fachzeitschriften entspricht“.
Was ich hier wiedergegeben habe, rundet sich nicht zum Argument, ganz egal, wie man es dreht und wendet. Hier fehlen z.B. die Zahlen, wieviele Yale-Autoren in den entsprechenden Jahren überhaupt bei Biomed Central veröffentlicht haben. Denn was bei Reuß aussieht wie „explodierende Kosten“, d.h. mehr Geld für gleichbleibende Leistung, ist in Wirklichkeit mehr Geld für mehr Leistung. Ohnehin lohnt ein Blick auf die Antwort von Biomed Central und der Vergleich mit den von anderen Verlagen erhobenen Gebüren.
Ohnehin verfehlt dieser Blick die „gesamtgesellschaftlichen Kosten“. Denn hier sollten nicht die Abonnementkosten einer Institution mit den Gebühren verglichen werden, die dieselbe Institution zahlt. Sondern die Gebühren dieser einen Institution und aller anderen müssen verrechnet werden mit den Abonnementkosten dieser Institution und aller anderen. OA heißt, dass es zugänglich für alle ist. Niemand zahlt mehr das Abo für BioMed Central.
Zum 2. Beleg: Versteckte Kosten
Ich muss gestehen, dass ich Reußens Argumentation da nicht ganz verstanden habe. Aber ich nehme an, dass er meint, OA koste dann zwar keine Abo-Gebühren mehr, aber dafür müssten die Institutionen, die sonst die Abos bezahlten, nun Geld für Hilfskräfte und Technik ausgeben, um den Internetzugang zu haben und um selbst als OA-Verlag (Hochschulschriftenserver) aufzutreten.
Hier nimmt Reuß das zentrale OA-Argument nicht zur Kenntnis: In der gegenwärtigen Publikationspraxis bezahlt die Gesellschaft die Forschung doppelt. Sie zahlt, wenn staatlich bestallte Wissenschaftler an staatlichen Unis und in staatlichen Forschungseinrichtungen in staatlichen Laboren und Büros Forschungsergebnisse produzieren, und sie zahlt dann noch einmal, um diese Forschungsergebnisse, die die Wissenschaftler in der Regel kostenfrei Verlagen überlassen (wenn sie nicht sogar für die Veröffentlichung bezahlen), in Form der in Verlagen produzierten Veröffentlichungen zurückzukaufen. Der Gedanke liegt doch auf der Hand, dass Geld gespart wird, wenn die Gesellschaft nur einmal zahlt und sich um die Veröffentlichung selbst kümmert!
Und auch sonst: Auf dem Hochschulschriftenserver der UB Erlangen-Nürnberg wurden 2007 165 Dissertationen veröffentlicht. Nehmen wir mal an, die wären alle gedruckt worden, mit einem Druckkostenzuschuss der Autoren, wie es üblich ist. Kalkulieren wir vorsichtig mit 500,- € pro Stück (4.000,- €, wie ich es von einigen der oben genannten Verlage schon gehört habe). Dann hat die Veröffentlichung auf dem Schriftenserver 82.500,- € gespart: nicht der Uni, aber der „Gesamtgesellschaft“. Demgegenüber stehen die Ausgaben für den Betrieb des Servers und der Diplomkraft, die die Autoren mit einem Teil ihrer Arbeitszeit betreut. Es ist leicht auszubuchstabieren, was billiger ist für die Gesellschaft!
(Update 19.2.) Antwort von Gudrun Gersmann auf Reuß' Artikel in der FAZ, zu lesen bei Archivalia.
(Update 18.8.09) Gerade entdeckt, dass es einen "Infobrief" über "Das für und Wider der urheberrechtlichen Diskussion im Zusammenhang mit dem Heidelberger Appell" des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages gibt, den Roger Cloes und Christopher Schappert verfassten. Hier das pdf: http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2009/heidelbergerappell.pdf. Wer bis zum Literaturverzeichnis liest, wird feststellen können, dass dort dieser Eintrag und Teil 2 zusammen 4 mal angeführt werden -- allerdings unter dem Namen von "Gudrun Gersmann"! Warum nur? Ist doch nicht so, dass ich meinen eigenen Namen versteckt hätte?
Hier geht's zu Teil 2.
Roland Reuß hat in der FAZ heute den Teufel an die Wand gemalt: die Open Access-Bewegung sei eine „klammheimliche technokratische Machtergreifung“. Er versucht seinen Lesern zu erklären, warum Open Access schlecht ist: aus „kulturelle[n], rechtliche[n] und finanzielle[n] Gründe[n]“, nämlich. Außerdem bringt er es fertig, durch seine Wortwahl das Kritisierte in die Nähe sowohl des Faschismus („Machtergreifung“) als auch des Kommunismus („staatsmonopolistischer Verwertungskreislauf“) zu stellen. Open Access-Vertreter sind, folgt daraus, fanatisch. Mit Verlaub: das ist unfair. Ich kann mir solche Rhetorik nur so erklären, dass Reuß wirklich echt und tiefempfunden Angst hat vor dem, was er da heraufziehen sieht. Angst ist etwas Irrationales, und so bringt Reuß seine Angst wohl auch dazu, sich an die Fakten nicht zu kehren.
Roland Reuß
Wer ist dieser Roland Reuß? Auf der Webseite seines „Instituts für Textkritik“ erfährt man, dass er seit 2007 in Heidelberg als Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft wirkt, 1994 das besagte Institut mit begründet hat, 1958 geboren ist. Seine Forschungsinteressen sind: „Theorie der Edition, Hölderlin, Kafka, Kleist, Romantik, Paul Celan, Digitale Medien“.
Die Publikationsliste nennt zwei Publikationen (wenn ich nicht was übersehen habe), die etwas mit „Digitalen Medien“ zu tun haben, ein Aufsatz „Digitalisierung ohne Daumen“ (oder vielleicht zwei titelgleiche) und „Textkritische Editionen und Datenformate“ im Jahrbuch der Computerphilologie 1999, den zu verlinken er sich nicht die Mühe macht.
Die anderen Forschungsinteressen sagen mir als studiertem Germanisten, dass wir es hier mit einem zu tun haben, der die ‘Theorie’ liebt: Hölderlin, Kleist, Romantik, Kafka, Celan: das sind die typischen Spielwiesen der Literaturtheoretiker. Die schwierigen, vieldeutigen Autoren. Reuß hat auch Kafka und Kleist ediert und gibt die Zeitschrift TEXT heraus, bei der er fleißig selbst schreibt.
Reuß’ Editionen im Stroemfeld-Verlag sind Faksimile-Editionen, d.h. solche, die das Manuskript und auf der gegenüberliegenden Seite einen Transkriptionsvorschlag zeigen. Damit hat Reuß methodisch die Editionsphilologie vorangebracht; mit seinem streitfreudigen Eintreten für diese Form der Edition und gegen alle anderen aber auch seinen wissenschaftlichen Solipismus gezeigt. Reuß ist einer, der nicht gern auf andere Meinungen hört, aber immerzu von andern fordert, sie möchten auf ihn hören.
David gegen Goliath: Reuß gegen DFG, WR und KMK
Ich verneige mich vor der Chuzpe, mit der Reuß sich zum Underdog macht: er steht nämlich auf gegen Kultusministerkonferenz, Wissenschaftsrat UND Deutsche Forschungsgemeinschaft, die im Verein „partiell und mit Billigung der unkundigen und hilflosen Opfer“ diesen Open Access aufzwingen. David Reuß gegen Goliath Politik. Die DFG zum Beispiel gibt in ihren Richtlinien vor, zitiert Reuß, „dass die mit ihren Mitteln finanzierten Forschungsergebnisse publiziert und dabei möglichst auch digital veröffentlicht und für den entgeltfreien Zugriff im Internet verfügbar gemacht werden“. Ähnliches sieht Reuß (vermutlich) auch bei der KMK am Werk, und da die Unis aus Ländermitteln bezahlt werden, fürchtet er, dass Uniangehörige von ihrer Hochschule verpflichtet würden, ihre Forschungsergebnisse auf dem Hochschulserver abzulegen. Der Streit geht nicht darum, ob das stimmt (für die DFG kann das jeder auf deren Webseiten nachlesen), sondern wie das zu bewerten ist. Warum soll das schlecht sein? Sehen wir uns Reuß’ Gründe an.
Die finanziellen Gründe gegen Open Access nach Reuß -- und Kommentar
- OA setzt „leichtfertig“ die „bewährte Infrastruktur mittelständischer Wissenschaftsverlage“ auf Spiel.
- Verlage, die nicht mehr da sind, können dann auch nicht ihre wesentlichen Leistungen für die Wissenschaft erbringen.
Ad 1. Typographie
Dass das für ihn als typographischen Feinschmecker von Belang ist, muss man ihm nachsehen. Dass es aber nicht stimmt, sollte man schon mit in die Bewertung einbeziehen. Es stimmt beides nicht: OA ist nicht notwendig hässlich. (Belege kann man sich schenken, da Reuß Behauptung ohnehin nur Polemik ist.) Und Verlage erbringen nicht immer diese Leistungen. Ich rede nicht von Peter Lang oder VDM. Ich habe die Produktion von Dissertationen, Tagungsbänden und Professorenmonographien mitbekommen, und Veröffentlichungen bei den Verlagen Mohr Siebeck, Vandenhoeck und Ruprecht, Carl Winter, Neukirchener, Königshausen & Neumann, Niemeyer, de Gruyter. Die verlangten Druckkostenzuschüsse sind natürlich unterschiedlich hoch, bilden aber schon jeweils eine stolze Summe. Bei Niemeyer musste ich meinen eigenen Text komplett zum Satz vorbereiten. De Gruyter hat einem Autor eine Word-Dokumentvorlage gegeben; Mohr Siebeck eine Formatierungsvorschrift auf Papier. Beide haben das druckfertige Manuskript zum Abfotografieren (CRC-Verfahren) bekommen. Sammelbände werden in der Regel von den Hilfskräften der Herausgeber korrekturgelesen und oft auch gesetzt.
Ad 2. Durchsetzen
Von welchen Werken redet Reuß? Der Verdacht liegt nahe: von seinen eigenen Editionsvorhaben im Stroemfeld-Verlag, die ja in der Tat umstritten sind und für die der Verlag sicher Mut gebraucht hat. Aber sonst?
Ad 3. Qualitätsfilter vs. Wissenschaftsdarwinismus
Das Argument Qualitätsfilter bringt Reuß gerade im Zusammenhang mit Dissertationen: die „besseren“ lägen gedruckt vor, nur die „mittelmäßigen“ landeten auf dem Hochschulschriftenserver. Dazu ist verschiedenes anzumerken. Welcher Verlag sucht sich die Dissertationen selbst aus, die er druckt? In der Regel, bei den mittelständischen Verlagen, um die es geht, gibt es Reihen und Reihenherausgeber, das heißt Wissenschaftler. Die könnten diesen Dienst an der Wissenschaft natürlich auch bei OA-Publikationen erbringen. Da besteht kein notwendiger Zusammenhang. -- Glaube ich an den hier von Reuß vertretenen Wissenschaftsdarwinismus: Qualität wird gedruckt? Nein, ich halte das für eine zynische Sicht. Ich kenne einige bestens bewertete Dissertationen, die allein darum auf dem Hochschulschriftenserver landeten, weil die Autoren das Geld für Druckkostenzuschüsse nicht aufbringen wollten und nicht die Geduld hatten, auf die Entscheidung von VG Wort oder DFG oder Boehringer Ingelheim oder eine der anderen Fördereinrichtungen zu warten. Die Veröffentlichung auf dem Hochschulschriftenserver hingegen kostet den Verfasser in der Regel nichts.
- OA versteckt die „gesamtgesellschaftlichen Kosten“, die viel höher sind als angenommen. Beleg 1: Die Uni Yale hat die Unterstützung des OA-Verlags Biomed Central eingestellt, weil ihnen die Publikationskosten für die Autoren zu hoch sind. Beleg 2: OA basiert darauf, dass „öffentlich sichtbare Kosten (Zeitschriftenabonnements, Bücherkäufe, kurz: Außenweltbeziehungen)“ durch „unsichtbare (immanente, komplett durch Steuermittel beglichen) verwandelt“. Gemeint sind: „Server, Eingabegeräte, Bildschirme und tariflich bezahlte Angestellte“, die „laufend beträchtliche Gelder verschlingen“.
Reuß verweist hier auf eine in seiner eigenen Zeitschrift erschienenen Text vom nicht gerade als neutralen Beobachter ausgewiesenen Konstanzer Bibliothekar Uwe Jochum. Der ist, sagt Reuß, „den Dingen auf den Grund“ gegangen in einem Beitrag über Nationallizenzen, und hat „erstaunliches“ festgestellt. Was kann das sein, dieses Erstaunliche? Dass die Uni Yale ihren Angehörigen die Publikation beim OA-Verlag BioMed Central nicht mehr bezahlt, weil sie dafür im Jahr 2005 4648 Dollar, im Jahr 2007 aber schon 64.000 Dollar hätten zahlen müssen, was immerhin, weiß Reuß, „den Abonnementkosten von rund vierzehn biomedizinischen Fachzeitschriften entspricht“.
Was ich hier wiedergegeben habe, rundet sich nicht zum Argument, ganz egal, wie man es dreht und wendet. Hier fehlen z.B. die Zahlen, wieviele Yale-Autoren in den entsprechenden Jahren überhaupt bei Biomed Central veröffentlicht haben. Denn was bei Reuß aussieht wie „explodierende Kosten“, d.h. mehr Geld für gleichbleibende Leistung, ist in Wirklichkeit mehr Geld für mehr Leistung. Ohnehin lohnt ein Blick auf die Antwort von Biomed Central und der Vergleich mit den von anderen Verlagen erhobenen Gebüren.
Ohnehin verfehlt dieser Blick die „gesamtgesellschaftlichen Kosten“. Denn hier sollten nicht die Abonnementkosten einer Institution mit den Gebühren verglichen werden, die dieselbe Institution zahlt. Sondern die Gebühren dieser einen Institution und aller anderen müssen verrechnet werden mit den Abonnementkosten dieser Institution und aller anderen. OA heißt, dass es zugänglich für alle ist. Niemand zahlt mehr das Abo für BioMed Central.
Zum 2. Beleg: Versteckte Kosten
Ich muss gestehen, dass ich Reußens Argumentation da nicht ganz verstanden habe. Aber ich nehme an, dass er meint, OA koste dann zwar keine Abo-Gebühren mehr, aber dafür müssten die Institutionen, die sonst die Abos bezahlten, nun Geld für Hilfskräfte und Technik ausgeben, um den Internetzugang zu haben und um selbst als OA-Verlag (Hochschulschriftenserver) aufzutreten.
Hier nimmt Reuß das zentrale OA-Argument nicht zur Kenntnis: In der gegenwärtigen Publikationspraxis bezahlt die Gesellschaft die Forschung doppelt. Sie zahlt, wenn staatlich bestallte Wissenschaftler an staatlichen Unis und in staatlichen Forschungseinrichtungen in staatlichen Laboren und Büros Forschungsergebnisse produzieren, und sie zahlt dann noch einmal, um diese Forschungsergebnisse, die die Wissenschaftler in der Regel kostenfrei Verlagen überlassen (wenn sie nicht sogar für die Veröffentlichung bezahlen), in Form der in Verlagen produzierten Veröffentlichungen zurückzukaufen. Der Gedanke liegt doch auf der Hand, dass Geld gespart wird, wenn die Gesellschaft nur einmal zahlt und sich um die Veröffentlichung selbst kümmert!
Und auch sonst: Auf dem Hochschulschriftenserver der UB Erlangen-Nürnberg wurden 2007 165 Dissertationen veröffentlicht. Nehmen wir mal an, die wären alle gedruckt worden, mit einem Druckkostenzuschuss der Autoren, wie es üblich ist. Kalkulieren wir vorsichtig mit 500,- € pro Stück (4.000,- €, wie ich es von einigen der oben genannten Verlage schon gehört habe). Dann hat die Veröffentlichung auf dem Schriftenserver 82.500,- € gespart: nicht der Uni, aber der „Gesamtgesellschaft“. Demgegenüber stehen die Ausgaben für den Betrieb des Servers und der Diplomkraft, die die Autoren mit einem Teil ihrer Arbeitszeit betreut. Es ist leicht auszubuchstabieren, was billiger ist für die Gesellschaft!
(Update 19.2.) Antwort von Gudrun Gersmann auf Reuß' Artikel in der FAZ, zu lesen bei Archivalia.
(Update 18.8.09) Gerade entdeckt, dass es einen "Infobrief" über "Das für und Wider der urheberrechtlichen Diskussion im Zusammenhang mit dem Heidelberger Appell" des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages gibt, den Roger Cloes und Christopher Schappert verfassten. Hier das pdf: http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2009/heidelbergerappell.pdf. Wer bis zum Literaturverzeichnis liest, wird feststellen können, dass dort dieser Eintrag und Teil 2 zusammen 4 mal angeführt werden -- allerdings unter dem Namen von "Gudrun Gersmann"! Warum nur? Ist doch nicht so, dass ich meinen eigenen Namen versteckt hätte?
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Open Access
28 Mai 2008
Es ist schon schwer...
VDM, der berühmte Verlag, hat sich des Werks von African Spir angenommen. Mir liegen hier zwei Reprints vor, und zwar die Kleinen Schriften und Moralität und Religion. Während ich mich freue, sagen zu können, dass der Verlag es diesmal geschafft hat, ohne Kopierstreifen auszukommen, so dass man, wäre die Scanqualität nicht von recht geringer Auflösung, von ansehnlichen Reprints sprechen könnte (allerdings stören einige Artefakte hin und wieder), bleibt es wieder einmal den Lesern überlassen zu erraten, welche Ausgabe hier eigentlich reprinted wurde, denn man hat von der Reprint-Wiedergabe des Titelblattes Verlagsort und Jahreszahl entfernt. Die Schrift Moralität und Religion hat hier 156 Seiten; es könnte sich um die Erstausgabe (Leipzig 1874?) handeln. Von den Kleinen Schriften scheint nur eine Ausgabe 1870 erschienen zu sein, so dass der Reprint vermutlich von dieser rührt.
Beide Bücher haben übrigens denselben Klappentext, der mit einem Hinweis auf Nietzsche beginnt: "Das 1873 erschienene Buch "Denken und Wirklichkeit. Versuch einer Erneuerung der kritischen Philosophie" von Spir hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Denken Friedrich Nietzsches ausgeübt". Das heißt ja wohl: ihr, die ihr Nietzsche lest, solltet auch Spir lesen.
Allerdings bin ich mir da nicht so sicher: denn was ein origineller Denker aus seinen Einflüssen macht, muss ja nichts mit dem zu tun haben, was diese Einflüsse tatsächlich sind. Und dass der Klappentext auf andere Werke Spirs verweist, spricht ja nun auch dafür, dass der Verlag selbst seinem Reprint kein originäres Interesse abgewinnen kann.
Der englische Wikipedia-Artikel über Spir enthält übrigens am Ende ein kleine Bibliographie über das Verhältnis von Nietzsche und Spir.
Beide Bücher haben übrigens denselben Klappentext, der mit einem Hinweis auf Nietzsche beginnt: "Das 1873 erschienene Buch "Denken und Wirklichkeit. Versuch einer Erneuerung der kritischen Philosophie" von Spir hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Denken Friedrich Nietzsches ausgeübt". Das heißt ja wohl: ihr, die ihr Nietzsche lest, solltet auch Spir lesen.
Allerdings bin ich mir da nicht so sicher: denn was ein origineller Denker aus seinen Einflüssen macht, muss ja nichts mit dem zu tun haben, was diese Einflüsse tatsächlich sind. Und dass der Klappentext auf andere Werke Spirs verweist, spricht ja nun auch dafür, dass der Verlag selbst seinem Reprint kein originäres Interesse abgewinnen kann.
Der englische Wikipedia-Artikel über Spir enthält übrigens am Ende ein kleine Bibliographie über das Verhältnis von Nietzsche und Spir.
28 Januar 2008
VDM Reprint, x
Man kann sich schon an den kleinen Dingen freuen, so z.B., dass VDM es gelungen ist, seinen Reprint von Bartholomäus von Carneris Entwicklung und Glückseligkeit in einer etwas besseren Qualität herzustellen als die andern bisher von mir gesehenen "Edition Classic"-Bände: keine Kopierstreifen am Rand, das als Vorlage benutzte Exemplar hat auch keine Bleistiftanstreichungen. Die Seiten hängen nur minimal schief. Erstaunlich finde ich immer noch die Scanqualität: die könnten sicher mit einer höheren Auflösung arbeiten und bräuchten keine pixeligen Buchstaben anzubieten.
Ärgerlich auch hier, dass die Titelseite des Originals bearbeitet beigegeben wurde (Druckort und -jahr entfernt), so dass man recherchieren muss, um festzustellen, dass dieses 1886 in Stuttgart im Verlag Schweizerbart erschienen ist. Und dass damit natürlich die Copyright-Bemerkung des Verlags falsch ist. Das Buch ist hergestellt bei Books on Demand in Nordersted: wieso muss es dann 49,- € kosten? Diesmal konnte ich allerdings kein antiquarisches Angebot ausmachen. Trotzdem würde ich jedem, der Geduld hat, vom Kauf abraten: die Bayerische Staatsbibliothek besitzt ein Exemplar von 1886, und das wird durch den BSB-Google-Deal irgendwann online sein.
Ärgerlich auch hier, dass die Titelseite des Originals bearbeitet beigegeben wurde (Druckort und -jahr entfernt), so dass man recherchieren muss, um festzustellen, dass dieses 1886 in Stuttgart im Verlag Schweizerbart erschienen ist. Und dass damit natürlich die Copyright-Bemerkung des Verlags falsch ist. Das Buch ist hergestellt bei Books on Demand in Nordersted: wieso muss es dann 49,- € kosten? Diesmal konnte ich allerdings kein antiquarisches Angebot ausmachen. Trotzdem würde ich jedem, der Geduld hat, vom Kauf abraten: die Bayerische Staatsbibliothek besitzt ein Exemplar von 1886, und das wird durch den BSB-Google-Deal irgendwann online sein.
05 Dezember 2007
VDM again
Ernst Laas: Kants Analogien der Erfahrung. 59,- € bei VDM. Aber natürlich wieder ein Reprint, bei dem auf der Titelseite Ort und Zeit des Originals entfernt wurden, mit dem bei VDM obligatorischen und falschen Copyright-Hinweis; mit dem obligatorischen Hinweis, die schlechte Qualität des Reprints erkläre sich dadurch, dass hier ein altes und wertvolles Buch nachgedruckt würde. Also bitte! Andere Verlage können das doch auch, ohne Bleistiftanstreichungen wiederzugeben. Da muss man eben mal ein paar Seiten digital nachbearbeiten, statt die schlicht auf den Kopierer zu legen, falls es wirklich unmöglich sein sollte, eine einwandfreie Vorlage zu kriegen! "Auch ist eine leichte Unschärfe im Schriftbild bei alten Vorlagen normal." Wie bitte? Vielleicht einfach etwas höher auflösen!
Der Band ist ein Reprint der Originalausgabe von 1876, Berlin : Weidmann. Antiquarisch konnte ich zur Zeit das Buch nicht nachweisen.
PS In letzter Zeit erhalte ich Anfragen von Leuten, die Auskunft bei mir darüber suchen, wie ein Veröffentlichungsangebot des VDM-Verlags zu beurteilen sei. Da kann ich nur sagen: ich weiß nicht, wie VDM lebende Autoren behandelt. Ich habe dazu auch keine Meinung. Und die Ratschläge, die ich dazu geben kann, sind: Lesen Sie den angebotenen Vertrag sorgfältig durch. Fragen Sie jemanden, der sich damit auskennt.
Der Band ist ein Reprint der Originalausgabe von 1876, Berlin : Weidmann. Antiquarisch konnte ich zur Zeit das Buch nicht nachweisen.
PS In letzter Zeit erhalte ich Anfragen von Leuten, die Auskunft bei mir darüber suchen, wie ein Veröffentlichungsangebot des VDM-Verlags zu beurteilen sei. Da kann ich nur sagen: ich weiß nicht, wie VDM lebende Autoren behandelt. Ich habe dazu auch keine Meinung. Und die Ratschläge, die ich dazu geben kann, sind: Lesen Sie den angebotenen Vertrag sorgfältig durch. Fragen Sie jemanden, der sich damit auskennt.
20 November 2007
VDMs Reprints (4): "Edition Classic"
Eigentlich wissen wir ja schon gut über VDMs Reprint-Praxis Bescheid. Nun habe ich mich letztens davon irritieren lassen, dass VDM einige Werke durch den Vermerk "hg. von Esther von Krosigk" wie eine Neuausgabe erscheinen lässt. Und so haben wir Wilhelm Schuppes Grundzüge der Ethik und Rechtsphilosophie hier. Also: Sind keine Neuausgaben. Stattdessen handelt es sich um einen Reprint vermutlich der Ausgabe von 1881, die übrigens auch schon der Scientia-Verlag 1963 nachgedruckt hatte. Wie immer bei den von mir gesehenen VDM-Reprints ist die Druckqualität mäßig, wenn auch nicht ganz so schlecht wie sonst. Warum VDM zwar eine Titelblattkopie bringt, dort aber Verlagsort und Druckjahr entfernt hat, bleibt deren Geheimnis.
Esther von Krosigk, die bekannte Expertin (ist es diese hier?) für die Geschichte, erledigt ihre Herausgeberarbeit mit einem 2seitigen Reihenvorwort. Darf ich mal ein bisschen zitieren?
"Ein Großteil der Erkenntnisse, auf denen unsere Wissenschaften heute aufbauen, gründen im Forscherdrang des 19. Jahrhunderts". Hhm, ja. Ein Großteil der Erkenntnisse, auf denen unsere Wissenschaften heute aufbauen, gründen auch auf dem Forscherdrang der [hier Epoche Ihrer Wahl einsetzen]. Für von Krosigk ist das 19. Jahrhundert so eine Art Gründerzeit der Wissenschaften, "und so entstand eine große Menge an grundlegenden Werken - häufig so einfach und plausibel geschrieben, dass es selbst für Laien spannend ist darin zu lesen. Noch heute."
Ah, hier ist also die Zielgruppe von VDM: die Laien! Die blechen vielleicht 54,- € für ein hässliches Paperback, weil sie nicht darauf warten wollen , dass Google Books erkennt, wie urheberrechtsfrei Schuppes (gestorben 1913) Werke sind. Und die sowohl Scientias als auch Elibrons Reprint verpasst haben. Den kann man übrigens bei Amazon.co.uk noch bekommen, für 8,77 Pfund.
Esther von Krosigk, die bekannte Expertin (ist es diese hier?) für die Geschichte, erledigt ihre Herausgeberarbeit mit einem 2seitigen Reihenvorwort. Darf ich mal ein bisschen zitieren?
"Ein Großteil der Erkenntnisse, auf denen unsere Wissenschaften heute aufbauen, gründen im Forscherdrang des 19. Jahrhunderts". Hhm, ja. Ein Großteil der Erkenntnisse, auf denen unsere Wissenschaften heute aufbauen, gründen auch auf dem Forscherdrang der [hier Epoche Ihrer Wahl einsetzen]. Für von Krosigk ist das 19. Jahrhundert so eine Art Gründerzeit der Wissenschaften, "und so entstand eine große Menge an grundlegenden Werken - häufig so einfach und plausibel geschrieben, dass es selbst für Laien spannend ist darin zu lesen. Noch heute."
Ah, hier ist also die Zielgruppe von VDM: die Laien! Die blechen vielleicht 54,- € für ein hässliches Paperback, weil sie nicht darauf warten wollen , dass Google Books erkennt, wie urheberrechtsfrei Schuppes (gestorben 1913) Werke sind. Und die sowohl Scientias als auch Elibrons Reprint verpasst haben. Den kann man übrigens bei Amazon.co.uk noch bekommen, für 8,77 Pfund.
18 September 2007
VDMs Reprints (3), mal wieder
Ich habe hier wieder zwei Bände vorliegen, die der VDM-Verlag produziert hat. Ungekennzeichnete Reprints alle beide. Mit "ungekennzeichnet" meine ich, dass man es im Katalog nicht sehen kann. VDM hat auf seinen Seiten keinen eigenen Katalog, sondern verweist auf Amazon. Da sieht man angezeigt eine Neuausgabe von Wissen, Glaube und Ahndung von Jakob Friedrich Fries, für 72,- €. Im Buch steht nur drin:
Man muss also schon selbst ein bisschen blättern, um zu erkennen, dass es sich um den Reprint der 2. Auflage der Neuausgabe, 1931 erschienen, handelt. Das Buch ist erstmals 1805 erschienen (und diese Ausgabe antiquarisch für ca. 120,- € zu haben) und online verfügbar: bei Google Books. Es gibt eine moderne Werkausgabe, die in Aalen bei Scientia seit den 60ern erscheint, dort ist das Werk Teil des 3. Bandes der 1. Abteilung. Die Neuausgabe von Leonard Nelson 1905 und deren zweite Auflage von Paul Bernays 1931 sind beide antiquarisch zu haben, letztere für 25,- €. Es gab schon einen Reprint (der Erstausgabe von 1805) bei Vandenhoeck und Ruprecht, der ebenfalls antiquarisch zu haben ist, für wenig Geld. Warum also das Ganze für 72,- €? Natürlich hat VDM auch wieder seine drohende Copyright-Notiz reingesetzt. Das ist besonders prickelnd, weil Paul Bernays als Herausgeber der Ausgabe von 1931 eine Vorbemerkung schrieb, das hier mit reprinted wurde. Bernays starb 1977: sein Vorwort ist nicht urheberrechtsfrei. Wenn VDM sich nicht eine Lizenz besorgt hat (was ich bezweifle, da dies nirgendwo angegeben ist), haben die hier das Copyright verletzt.
Das zweite Buch, was ich hier anzeige, um davor zu warnen, ist die VDM-Ausgabe von Heinrich Rickerts Grundproblemen der Philosophie. Auch das ist ein im Katalog nicht als solcher zu erkennender Reprint, und zwar der Erstausgabe von 1934, die bei Mohr Siebeck erschien. 59,- € will VDM dafür haben; überflüssig zu schreiben, dass die Erstausgabe antiquarisch billiger zu haben ist und dass die Qualität des Reprints sehr schlecht ist (jedenfalls verglichen mit solchen Reprint-Künstlern wie Olms). Warum VDM hier wie die Original-Titelseite weggelassen hat, kann man nur raten: vielleicht, weil es den Verlag noch gibt, der die Erstausgabe anbot.
Dies ist ein Reprint. Ein Buch also, dessen Vorlage ein meist sehr wertvolles und altes Werk ist. An manchen Stellen mögen sich daher Spuren des Gebrauchs finden oder kleine Beschädigungen. Auch ist eine Unschärfe im Schriftbild bei alten Vorlagen normal.
Man muss also schon selbst ein bisschen blättern, um zu erkennen, dass es sich um den Reprint der 2. Auflage der Neuausgabe, 1931 erschienen, handelt. Das Buch ist erstmals 1805 erschienen (und diese Ausgabe antiquarisch für ca. 120,- € zu haben) und online verfügbar: bei Google Books. Es gibt eine moderne Werkausgabe, die in Aalen bei Scientia seit den 60ern erscheint, dort ist das Werk Teil des 3. Bandes der 1. Abteilung. Die Neuausgabe von Leonard Nelson 1905 und deren zweite Auflage von Paul Bernays 1931 sind beide antiquarisch zu haben, letztere für 25,- €. Es gab schon einen Reprint (der Erstausgabe von 1805) bei Vandenhoeck und Ruprecht, der ebenfalls antiquarisch zu haben ist, für wenig Geld. Warum also das Ganze für 72,- €? Natürlich hat VDM auch wieder seine drohende Copyright-Notiz reingesetzt. Das ist besonders prickelnd, weil Paul Bernays als Herausgeber der Ausgabe von 1931 eine Vorbemerkung schrieb, das hier mit reprinted wurde. Bernays starb 1977: sein Vorwort ist nicht urheberrechtsfrei. Wenn VDM sich nicht eine Lizenz besorgt hat (was ich bezweifle, da dies nirgendwo angegeben ist), haben die hier das Copyright verletzt.
Das zweite Buch, was ich hier anzeige, um davor zu warnen, ist die VDM-Ausgabe von Heinrich Rickerts Grundproblemen der Philosophie. Auch das ist ein im Katalog nicht als solcher zu erkennender Reprint, und zwar der Erstausgabe von 1934, die bei Mohr Siebeck erschien. 59,- € will VDM dafür haben; überflüssig zu schreiben, dass die Erstausgabe antiquarisch billiger zu haben ist und dass die Qualität des Reprints sehr schlecht ist (jedenfalls verglichen mit solchen Reprint-Künstlern wie Olms). Warum VDM hier wie die Original-Titelseite weggelassen hat, kann man nur raten: vielleicht, weil es den Verlag noch gibt, der die Erstausgabe anbot.
01 April 2007
VDMs Nachdrucke (2)
Habe wieder herzlich über den VDM, den Verlag Dr. Müller, gelacht. Neulich hatte ich im Vorauseilenden Gehorsam eine "geschäftsschädigende" Äußerung vom Netz genommen, die eine Information enthielt, die ich nicht hätte haben dürfen, meinte VDM. Aber es kann ja nicht in diesem Sinne geschäftsschädigend sein, wenn ich hier ein paar frei verfügbare Information zusammentrage. So gibt es bei VDM einen Band von Moritz Schlick Gesammelte Aufsätze 1926-1936 (Saarbrücken 2006). Man geht nicht fehl in der Annahme, wenn man hier vermutet, dass 2006 die Werke Schlicks urheberrechtsfrei geworden sind, so dass VDM diese verwenden darf. Das stimmt auch, denn bekanntermaßen gewährt das Urheberrecht in D Schutz vor Verwertung bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Und Schlick wurde bekanntermaßen 1936 in Wien erschossen.
VDM hat auch hier eine mehr schlechte als rechte Kopie vorgelegt, mit deutlich erkennbaren Kopierstreifen am Rand, und sie haben sich nicht mal die Mühe gemacht, sich etwas zum Nachdrucken zu besorgen, was frei von Markierungen früherer Leser ist. Wenn man die Kataloge bemüht, findet man, dass die VDM-Ausgabe ein Reprint der Ausgabe Wien : Gerold, 1938 ist -- haben jedenfalls die Kollegen der Deutschen Nationalbibliothek ermittelt. Ich persönlich halte das für ein Unding, dass VDM nicht angibt, a) dass es sich überhaupt um einen Reprint handelt, b) welche Ausgabe nachgedruckt wurde.
Seltsam, dass gerade ein solcher Reprint mit so massivem Hinweis auf das Urheberrecht versehen ist. So heißt es im Buch:
Na, lieber Herr Dr. Müller, wer sind denn die Lizenzgeber? Vielleicht der Olms-Verlag, der dasselbe Werk, dieselbe Ausgabe schon 1969 im Reprint anbot? Der übrigens erheblich sorgfältiger gearbeitet war: und außerdem in Leinen gebunden.
VDM hat auch hier eine mehr schlechte als rechte Kopie vorgelegt, mit deutlich erkennbaren Kopierstreifen am Rand, und sie haben sich nicht mal die Mühe gemacht, sich etwas zum Nachdrucken zu besorgen, was frei von Markierungen früherer Leser ist. Wenn man die Kataloge bemüht, findet man, dass die VDM-Ausgabe ein Reprint der Ausgabe Wien : Gerold, 1938 ist -- haben jedenfalls die Kollegen der Deutschen Nationalbibliothek ermittelt. Ich persönlich halte das für ein Unding, dass VDM nicht angibt, a) dass es sich überhaupt um einen Reprint handelt, b) welche Ausgabe nachgedruckt wurde.
Seltsam, dass gerade ein solcher Reprint mit so massivem Hinweis auf das Urheberrecht versehen ist. So heißt es im Buch:
Das Werk ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. [...] Copyright 2006 VDM Verlag Dr. Müller e.K. und Lizenzgeber
Na, lieber Herr Dr. Müller, wer sind denn die Lizenzgeber? Vielleicht der Olms-Verlag, der dasselbe Werk, dieselbe Ausgabe schon 1969 im Reprint anbot? Der übrigens erheblich sorgfältiger gearbeitet war: und außerdem in Leinen gebunden.
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Buchkritik,
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06 Februar 2007
Freges Kleine Schriften im VDM-Verlag
Der Verlag Dr. Müller oder kurz VDM wirft seit einiger Zeit philosophische Werke auf den Buchmarkt, die man sich vielleicht schon mal in Neuausgaben gewünscht hat. Jüngst aufgefallen sind mir Freges Kleine Schriften und Erkenntnis und Irrtum von Ernst Mach. Was man den hier verlinkten Amazon-Buchdaten aber nicht entnehmen kann, ist, dass es sich in der Frege-Ausgabe um eine schlechte Kopie der OLMS-Ausgabe von 1967 (oder der zweiten Auflage von 1990?) handelt! Schlecht ist die Kopie, weil die Kopierstreifen noch deutlich zu sehen sind, und weil VDM, aus urheberrechtlichen Gründen, die VII Seiten Vorwort des Herausgebers der OLMS-Ausgabe weggelassen hat. Die OLMS-Ausgabe ist noch im Handel und kostet 74,- €: das ist fadengeheftet und in Leinen gebunden. Die VDM-Ausgabe ist Paperback und geleimt.
Ich weiß nicht, wie es sich bei dem Mach-Buch verhält. Das kostet bei VDM 68,- €. Es gibt aber eine gute Neuausgabe mit Seitenkonkordanz im Parerga-Verlag: für 22,80 €. Kommt Ihnen das VDM-Angebot nicht auch etwas überteuert vor?
[Nachtrag 5.3.07]
[Nachtrag 26.3.07] Im obigen Nachtrag stand was, das der VDM-Verlag als "geschäftsschädigend" betrachtet hat. Zwar hat es der Verlag nicht fertig gebracht, mir dies selbst mitzuteilen (das wäre ja über die Kommentarfunktion ganz leicht gewesen), aber ich entferne es freiwillig, denn dies ist ja nur ein kleines Philosophie-Blog, das keine wirtschaftlichen Absichten hat: schon gar nicht die, jemandes Geschäfte zu schädigen. Hier liegt mir eine Reflexion nahe, was denn "Schaden" überhaupt ist; aber die Philosophie schweigt besser, denn wie jeder weiß, sprechen, Juristen eine andere Sprache, die über die philosophische Reflexion gar nicht erreicht wird.
Ich weiß nicht, wie es sich bei dem Mach-Buch verhält. Das kostet bei VDM 68,- €. Es gibt aber eine gute Neuausgabe mit Seitenkonkordanz im Parerga-Verlag: für 22,80 €. Kommt Ihnen das VDM-Angebot nicht auch etwas überteuert vor?
[Nachtrag 5.3.07]
[Nachtrag 26.3.07] Im obigen Nachtrag stand was, das der VDM-Verlag als "geschäftsschädigend" betrachtet hat. Zwar hat es der Verlag nicht fertig gebracht, mir dies selbst mitzuteilen (das wäre ja über die Kommentarfunktion ganz leicht gewesen), aber ich entferne es freiwillig, denn dies ist ja nur ein kleines Philosophie-Blog, das keine wirtschaftlichen Absichten hat: schon gar nicht die, jemandes Geschäfte zu schädigen. Hier liegt mir eine Reflexion nahe, was denn "Schaden" überhaupt ist; aber die Philosophie schweigt besser, denn wie jeder weiß, sprechen, Juristen eine andere Sprache, die über die philosophische Reflexion gar nicht erreicht wird.
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