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13 Dezember 2005

Stephen Davies über die Philosophie der Musik

Ist John Cages 4'33'' Musik? Was bedeutet es, wenn eine Aufführung "authentisch" ist? Wie bewerten wir Musik, und wie sollten wir? Stephen Davies geht in Themes in the Philosophy of Music dieser und anderen Fragen nach. Die Frage nach Cages 4 Minuten und 33 Sekunden vorgeschriebener Stille leitet den Essayband ein. Davies argumentiert dafür, dass die Provokation von Cage sehr wohl unseren Musikbegriff erweitert -- aber nicht in die Richtung, die Cage intendierte. Sorgfältig und kenntnisreich argumentiert. Interessant finde ich auch das dritte Kapitel mit Essays zur Frage der Sprachlichkeit und zur Ausdrucksfähigkeit von Musik.

Stephen Davies hat leider einen Namen wie viele andere. Netterweise packte Google ihn ganz nach oben. Ansonsten hilft die Information, dass er in Neuseeland an der University of Auckland lehrt. -- Wer möchte, kann über Ingenta connect eine Rezension von Marc DeBellis lesen: für nur 31 Dollar! Das Buch selbst kostet im jetzt erschienenen PB 18 Pfund...

Kommentare:

  1. Musik, als akustische Ausdrucksform, die jedoch von jeder Bedeutungsfunktion befreit scheint, stand ja immer schon im Verdacht die verlorene "Usprache" zu sein.

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  2. Siehe Nietzsche, siehe Kristeva. Eine andere Spielart des Gedankens die Idee, dass die Sprache der Musik allen verständlich sei (Romantik, z.B. bei Schopenhauer).
    Ich bin aber nicht dieser Meinung: Musik gleich Ursprache gleich höchster Ausdruck, weil ich die Sprache als Kommunikationsform der Musik für überlegen halte. Ich denke, dass Musik wesentlich *etwas anderes* ist als Sprache, und dass darum die Musik der Sprachentwicklung auch nicht vorausgegangen ist.

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  3. Das denke ich genauso. Der Irrtum ist meiner Meinung nach darin begründet, dass Sprache seit jeher als primär akustische gedacht wird.

    Aber dass Musik aber vielleicht doch sprachliche Eigenschaften hat, sieht man eben an der Tatsache, dass Musik eben nicht a priori verständlich ist, oder vielleicht überhaupt verständlich sein kann. Da braucht man gar nicht bis zu John Cage gehen, das fängt schon bei meinen Eltern an, die meinen Musikgeschmack nicht "verstehen". Auch indische oder orientalische Musik klingt für ungeübte Ohren zunächst eine Ansammlung falscher Töne.

    Es gibt also doch eine gewisse Idiomazität in der Musik, das kann man nicht leugnen.

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