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22 April 2008

Durchschnittsdeutscher?

Spiegel Online lockt mit einer Umfrage, mit deren Hilfe man feststellen könnte, wie weit man selbst weg ist vom Durchschnittsdeutschen. Geärgert hat mich Frage 9:
"Würden Sie in einem Krieg Ihr Leben oder das Ihrer Angehörigen aufs Spiel setzen, um Deutschland zu verteidigen?"

Klingt so, als würde ein Aufs-Spiel-Setzen genügen, um Deutschland zu verteidigen. Aber jedenfalls habe ich hier mit Ja geantwortet.
Die Auswertung lautet dann:
Da denken Sie wie die Mehrzahl Ihrer Geschlechtsgenossen (62 Prozent) - und ganz anders als Deutschlands Frauen: Nur 34 Prozent von ihnen würden ihr Leben für Deutschland opfern.

Wie bitte? Mein Leben würde ich auch nicht für Deutschland opfern. Wie kann man nur auf die Idee kommen, dass diese beiden Formulierungen synonym sind? "Aufs Spiel setzen" ist gerade der Inbegriff des offenen Endes, während Opfern das Gegenteil davon ist: das feste Ende.

Kommentare:

  1. Anonym29/4/08

    Ändert am Umstand wenig, sich für Deutschland abschussbereit zeigen zu wollen - ob nun unter der Hoffnung, dabei lebend herauszukommen oder nicht, wird damit doch garnicht gefragt. Denn es braucht's schon einiges an geistiger Vorleistung, sich auf solche Weise zu dieser politischen Gemeinschaft zu stellen: mit seinem nackten Leben. Es ist schon reichlich abstrakt, wofür man seinen Abschuss erwägt: für Deutschland. Nicht die eigenen Kinder oder seine Hütte, dem Berg oder See vorm Fenster, seine Freunde und so weiter, sondern für eine rießige vorgestellte Gemeinschaft, die man im Alltag doch alles andere als gemeinschaftlich erfährt, sondern z.B. als Interessenskonkurrenten. Hartz IV und Lohndrückerei, Arbeitsplatzkonkurrenz, Unternehmenskonkurrenz, Arbeit-Kapital-Gegensätze, Schulkonkurrenz, Interessensgegensätze zwischen Kunden und Unternehmen (ich denke z.B. an meinen Fahrschullehrer, der mich und andere "gewinnmaximierend" fahren ließ) und so weiter. Ich würde mich zumindest nicht für Deutschland abschießen lassen, sondern wenn überhaupt, für ganz konkret-erfahrene Dinge, an denen mir mit meinem Leben liegt. Das sind nicht viele Dinge und schon garnicht Deutschland.

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  2. Ich gebe Ihnen recht, aber ich verstehe "Deutschland" in der Frage anders: nämlich einfach als die Institution auf deren Ebene Verteidigung überhaupt organisiert ist, sofern sie nicht ausschließlich das eigene verteidigt. Und so viele Gründe, Deutschland anzugreifen, fallen mir auch nicht ein, als solche, denen es wert wäre zu widerstehen: auf dem "Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung", an der mir was liegt. Mir scheint, dass erst die Rede von Opferung die Frage ins Ominöse dreht, weil das (mich) fatal an eine Einstellung erinnert, in der der Staat vor dem Einzelnen gilt. Das meine ich aber nicht: ich meine, dass der Staat im Dienst des Einzelnen ist, und dass ich nur einen solchen Staat verteidigen will, weil ich mich damit zugleich selbst verteidige.

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