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26 April 2006

Ist das Böse eine Krankheit der Menschheit?

Es lässt sich als eine beschreiben: es verbreitet sich wie ein Virus, und wenn der Virus zu aggressiv wird, wird er seinen Wirt auslöschen. So in Kurzform "the first comprehensive psychology of Human Evil", das neue Buch von Steven James Bartlett: The pathology of man : a study of human evil, Springfield : Thomas, 2005.
The human species is shown to be autopathological in many ways, as well as pathological in its effects upon global biodiversity. [...] Finally, the work initiates a reflexive examination of how mankind's aggression, destructiveness, and cruelty to members of its own species are fostered and maintained by human patterns of thought and by a conceptual vocabulary that together ecourage a certain interpretation of the world that itself is pathological. (Klappentext)

Kommentare:

  1. Es sollte wohl klar sein, dass ich diese Unterteilung von pathologisch und normal, nicht nur im Allgemeinen, sondern ganz besonders in Bezug auf "das Böse" für reichlich dämlich halte.
    Wenn "das Böse" viral und/oder pathologisch ist, dann ist es "das Gute" eben so sehr, bzw. die Perspektive lässt sich eben so leicht umdrehen. Sogar besser: Denn schaut man sich den Geschichtsverlauf an, dann ist wohl eher das Gute als pathologisch anzusehen. Und als das wurde es ja auch stets beurteilt. Ich zitiere den unschlagbaren Douglas Adams:
    "...fast zweitausend Jahre, nachdem ein Mann an einen Baumstamm genagelt worden war, weil er gesagt hatte, wie phantastisch er sich das vorstelle, wenn die Leute zur Abwechslung mal nett zueinander wären ..."

    Aber wie gesagt. Schon die Pathologisierung an sich lehne ich ab. Denn wenn etwas als pathologisch definiert wird, muss man zuvor einen Normalzustand definieren. Das setzt wiederum eine metaphysische Rechtfertigung einer angeblich "natürlichen" Wesenheit voraus, die am besten auch noch biologisch (moderner: genetisch) begründet wird. Schon sind wir beim allerschönsten (und allergefährlichsten) Hokuspokus.
    Im Namen derselben Rationalität(meint: Denkschemata, nicht des Inhalts) wurden Juden ins Gas geschickt.

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  2. Das Interessante an der Beschreibung als pathologisch ist nicht die Differenz krank / gesund sondern die Art der Verbreitung. Das braucht dann auch keine Definition eines Normalzustandes, sondern lediglich den Blick auf die in der Medizin beschriebenen Sachverhalte. Ich stimme Ihnen zu, dass die Gleichung böse=krank nichts austrägt, weder deskriptiv noch normativ: sie liefert allenfalls eine Entschuldigung (ich konnte nichts dafür, das ist wie Grippe). Aber Bartlett bewegt sich auf einer anderen Ebene, denke ich, und da kann diese Beschreibung schon etwas leisten.

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