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07 Juni 2006

Philosophen als Detektive

Alexander McCall Smith hat mit "Mord ist in Edinburgh verboten" -- im Original heißt das: The Sunday philosophers club -- einen Krimi geschrieben, in der sich eine Philosophin daran macht, den (obligatorischen) Mord zu lösen. Beim Besuch der Webseite ging mir gerade auf, dass ich schon zwei andere Bücher von ihm kenne, aus der Serie der No. 1 Ladies Detective Agency; Krimis, die in Botswana spielen. Im jüngst gelesenen Werk also eine nicht ganz so exotische Kulisse. Die Heldin ist Herausgeberin einer 'Zeitschrift für angewandte Ethik', und das erlaubt dem Autor, seine Figuren bei Gelegenheit über ebensolche Fragen sinnieren zu lassen. Und Gelegenheit gibt es reichlich, da es neben der Untersuchung auch die moralischen Fragen des täglichen Lebens, Treue, Freundschaft, etc. zu klären gilt. Die Entschlüsselung des Mordfalls selbst nimmt darum nicht allzu viel Raum ein, und man kann auch nicht sagen, dass hier eine vertrackte Indizienlage immer neue falsche Fährten produziert. Stattdessen konzentriert sich die Heldin auf das Motiv (und die Moral von der Geschichte). Das ist sympathisch, aber vielleicht auch ein Grund, warum, wer gern mit knobelt, nicht recht zufrieden sein wird mit dem Buch. Allen andern sei's ans Herz gelegt.

Ein zweites Buch, das in diesem Kontext eine Empfehlung verdient, ist Das Rätsel des Philosophen von Joseph Carlos Somoza. Auch ein Krimi, im alten Griechenland, der Themen der platonischen Philosophie aufnimmt; ein ganzes Ende komplizierter auch in der Erzählstruktur als der Roman von Smith.

Zwei Fragen, werte Leser: Sind Philosophen gute Detektive? (Oder die Analytischen Philosophen, während die Kontinentalen durch ihre Neigung zur Spekulation an der Klärung eines Falls gehindert werden?) Und welche Philosophen als Detektive kennen Sie noch? (William von Baskerville, klar. Und sonst ...)

Kommentare:

  1. Zum Thema Philosophen und Detektive: Neulich bin ich auf das folgende (Sach)Buch gestoßen - "Dr. Freud und Sherlock Holmes", in dem die Ähnlichkeit in der Methode beider Denker vorgeführt werden soll. :)

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  2. Danke für den Hinweis. Ich meine, es gibt auch ein Buch von den Sebeoks über Charles S. Peirce und Sherlock Holmes (offenkundig der Lieblingsdetektiv der Philosophen).

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  3. Die Ähnlichkeit von Freud und Holmes hebt wahrscheinlich auf die von Freud herangezogene, der Kunstgeschichte entlehnte "Morelli-Methode" ab, die aufs (scheinbar unwichtige) Detail geht (darin dem Dekonstruktivismusmus nicht unähnlich ;-)). Näheres dazu in dem lesenwerten Buch von Carlo Ginzburg: "Spurensicherung. Über verborgene Geschichte, Kunst und soziales Gedächtnis".

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