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15 Mai 2006

Ein Recht auf Blasphemie?

Das hängt davon ab, ist die Standardantwort auf solche Vorschläge.
Im Philosopher's Magazine, dass auch ordentliche frei zugängliche Artikel bietet, auf die man sich per Newsletter hinweisen lassen kann, schreibt Peter Fosl über ein Thema, das der Streit um die Mohammed-Karikaturen auf die Tagesordnung gesetzt hat. Wie ist eigentlich das Verhältnis zur Blasphemie? Und, ihm wichtiger: Wie sollte es sein?
Fosl findet, dass Blasphemie etwas Gutes ist. Er meint, es sei nicht akzeptabel, dass in einer modernen Demokratie religiöse Gemeinschaften einerseits einen Rieseneinfluss auf die politische Meinung ihrer Angehörigen ausüben und damit einen realen Machtfaktor darstellen, andererseits aber nicht die Behandlung ertragen wollen, die mit dem Machtausüben einhergeht, wie z.B.: Gegenstand von Spott werden. Letzterer ist aber ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Kultur. Die Tabus von anderen zu befolgen wäre nicht Respekt, sondern "submission", zitiert Fosl Flemming Rose, einen Editor des Jyllands Posten, die alles ins Rollen brachte. Desweiteren ist es Fosl wichtig, dass ab und zu der spezielle Anspruch der Religionen auf die Wahrheit in der Politik infragegestellt wird.

Was meinen Sie?

Kommentare:

  1. Ich stimme voll zu! Meiner Meinung nach ist Spott und "drüber lustig machen" (1) etwas, was idealerweise jeder vertragen sollte (vor allem starke, einflussreiche und mächtige Personen und Gruppen), und (2) ein wichtiger Teil von Kritik an Dingen, mit denen man nicht (völlig) einverstanden ist. Kritik ist wiederum ein wichtiger Teil einer Demokratie, in der man ja Leute mit verschiedenen Interessen versuchen, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Wenn da jeder zu allem nur ja und amen sagen würde, würde das ganze System nicht funktionieren!

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  2. Und ist es nicht auch so, dass die meisten Personen die kritisiert werden, meist dann sich aggressiv zu verteidigen suchen, wenn in der Kritik ein Fünkchen Wahrheit liegt?

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  3. Ich denke hier liegt ein Missverständnis vor, wie es fast überall anzutreffen ist, wenn es um den Islam geht.
    Die Zuschreibungen, die wir mit dem Islam verbinden, und die in diesen Diskussionen im Mittelpunkt stehen, sind keine primär religiösen Eigenschaften des Islam, sondern vielmehr kulturelle Eigenheiten der Araber.
    Damit verbunden ist vor allem der Ehrbegriff, der jede Kritik als Ehrabschneidung wahrnimmt und der die Leute es für legitim halten lässt auch für Ehre zu töten, sich und andere. Ebenso gehört dazu die starke Diskriminierung von Frauen. Das ist sicher alles ein Problem, aber hat nichts mit der Religion zu tun.
    Der Islam wird von den Arabern gerne als transzendentale Rechtfertigung ihrer Sitten vorgeschoben. So z.B. das Bilderverbot gegen die Karikaturen. Schön, das haben die Christen schließlich auch, die Juden auch, und wer wer weiß noch alles.

    Wir haben es hier also nicht mit der Frage nach religiöser Toleranz zu tun, sondern mit der Kompatibilität zweier Rechtsauffassungen. Wir denken in Kategorien der Vernunft und des Gemeinwohls. Da sind die Mittel der Kritik angebracht, sogar wichtig.
    Die Araber aber denken in den Kategorien, der Ehre und des Stolzes. Da hat die Kritik einfach nichts zu suchen.
    Die allgemeine Feststellung, dass Kritik nun mal einfach wichtig ist, ist also eine zutiefst eurozentristische Sichtweise.

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