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02 Mai 2006

Was ist der Mensch?

Überschriften dieses Typs lassen hoffentlich erahnen, dass hier keine Antworten geboten werden -- aber Hinweise auf Texte mit Antworten. Oder nicht mit Antworten, sondern mit Versuchen, die Frage genau zu verstehen. Oder ...
Philosophische Anthropologie gibt's, seit es Philosophie gibt, aber als eigenständige Teildisziplin hat man wohl erst so richtig Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Arbeit begonnen. Dann kamen Gehlen und Plessner und haben die Diskussion so sehr dominiert, dass eine Zeitlang niemand nennenswert Lust hatte, sich um's Thema zu kümmern. "Aber jetzt ..." haben sich Hans-Peter Krüger und Gesa Lindemann gedacht und gemeinsam den Sammelband Philosophische Anthropologie im 21. Jahrhundert (Berlin : Akademie, 2006) rausgebracht, der zugleich der 1. Band einer Reihe Philosophische Anthropologie ist (hier: die Plessner-Gesellschaft hat das Inhaltsverzeichnis abgetippt, unter "2. Aktuelle Forschungsliteratur"). Krüger legt in seinem Beitrag den Fokus auf Plessner, weil das tragfähiger als Gehlen und Scheler sei:
Plessners Philosophische Anthropologie wird inzwischen als der naturphilosophisch-phänomenologische und systematisch mit dem klassischen Pragmatismus (Dewey, Mead) vergleichbare Ausweg aus den Grenzen der sprachanalytischen Dualisierung und der sprachhermeneutischen Denaturalisierung des Menschen als eines spezifikationsbedürftigen Lebewesens rekonstruiert.

Das tue man, "ohne hinter das Niveau an schriftsprachlichen Dezentrierungen des Subjekts (im Sinne von Derrida oder Habermas) zurückzufallen".

Der Band gibt einen guten Überblick über den Stand der Diskussion -- vermute ich, ohne diesen zu kennen. Ach ja: Kontinentaler geht's kaum. Nicht Schrift, nicht Sprache, sondern: der Mensch.

Kommentare:

  1. Da will ich noch kurz teilweise widersprechen: Zwar habe ich noch nie von einer sogenannten analytischen Anthropologie gehoert; ich finde aber, dass Philosophie des Geistes durchaus in diese Richtung geht, vor allem, wenn gefragt wird, ob Tiere auch einen Geist haben und wenn ja was fuer einen...

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  2. Ich stimme zu, dass es in der analytischen Philosophie auch die Frage "was ist der Mensch" gibt, sei es als eigene, sei es in Unterstützung von anderen, z.B. "Was soll ich tun?" Ist ja leichter, die Frage, was ich tun soll, zu beantworten, wenn ich weiß, was ich für einer bin.
    Die Disziplin mit eigenem Etikett und eigenem Selbstverständnis scheints aber nicht zu geben. Und ich kenne auch niemanden, der das Menschliche anhand unserer Sätze über das Menschliche untersucht hätte... :-)

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  3. Einen phänomenologischen Ansatz, um die Frage "Was ist der Mensch" zu klären finden Sie hier:

    blog.conditiohumana.org

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